IDM auf dem Nürburgring (Archivversion) Frischzellen

Noch geben Routiniers wie Meister Jörg Teuchert in der IDM Superbike den Ton an. Doch langsam drängt eine Generation nach, die höchstens Dreirad fuhr, als Teuchert sein erstes Rennen bestritt.

Saisonfinale der Internationalen Deutschen Motorradmeisterschaft (IDM) 2006: Jörg Teuchert, damals 36, wird Deutscher Meister bei den Superbikes, sechs Jahre nach dem größten Erfolg seiner Karriere – dem Gesamtsieg in der Supersport-WM 2000. Bereits damals hatte er schon einen weiten Weg hinter sich. 1986 ging Jörg erstmals bei einem Motorradrennen an den Start, als Sohn der deutschen Geländesport-Ikone Arnulf Teuchert standesgemäß auf einer 80-cm3-Enduro.
Dominic Lammert ist Jahrgang 1987, war damals noch gar nicht geboren. Trotzdem sind die beiden heute, in der IDM Superbike 2007, direkte Konkurrenten – Teuchert mit dem Ziel Titelverteidigung, Lammert mit dem Wunsch, sich in der IDM-Spitze zu etablieren.
Das ist dem 19-Jährigen beim IDM-Halbzeitrennen auf dem Nürburgring schon gelungen. Nicht nur, weil er mit einem fünften und einem vierten Platz zweitbester Suzuki-Pilot hinter Stefan Nebel war, noch vor Andy Meklau und Roman Stamm,
den offiziellen Piloten der Marke. Sondern auch, weil Suzuki-Direktor Bert Poensgen ihm zwischen dem ersten und dem zweiten Superbike-Lauf am Nürburgring einen Vertrag für die IDM-Saison 2008 in eben diesem offiziellen Team präsentierte. Was auch damit zu tun hat, dass Dominic Lammert als Speerspitze des deutschen Nationalteams im Suzuki-GSX-R-European-Cup 2007 noch Chancen auf den Titel hat. Lammerts Unterschrift – eine Formsache.
Während er bereits zum Sprung aufs IDM-Podest ansetzt, rackert Mattias von Hammerstein um einen Platz unter den
besten zehn. Am Nürburgring-Rennsonntag feierte er seinen 20. Geburtstag – sonst nichts. »Ich hatte im ersten Rennen gerade Vollgas gegeben, um Oliver Skach zu überholen. Plötzlich ging sein Motor aus, ich bin mit vollem Karacho hintendrauf geballert.« Wenigstens kam von Hammerstein ohne nennenswerte Verletzungen davon, aber seine Suzuki war Schrott: »Die Gabel sah aus wie ein Flitzebogen, die hintere Felge war fast bis zur Achse eingedellt.« Keine Chance, das bis zum zweiten Lauf zu reparieren, dennoch wurden Humor und Motivation bei der Aktion nicht beschädigt: »Muss ja irgendwie weitergehen«, grinste der Youngster aus Eisenach, »bis Ende der Saison will ich meinen zehnten Platz in der Meisterschaftswertung wiederhaben.«
Mit etwas bescheideneren Zielen startete Marco Eismann, 22, in die IDM 2007. »Für mich ist es eine Ehre, neben Jörg
Teuchert im Inghart-Team die zweite MV Agusta fahren zu dürfen.« Platz 15 hatte er als Parole für die Jahresendabrechnung ausgegeben. Schon seine ersten Rennergebnisse ließen freilich darauf schließen, dass er etwas tief gestapelt hatte – bis
er in Assen zweimal stürzte. War ihm da vielleicht noch eine Mitschuld anzukreiden gewesen, hatte er am Nürburgring einfach Pech. Bei einer Kollision verbog er kurz nach dem Start des ersten Rennens den Bremshebel seiner MV, im zweiten Lauf rutschte er auf einer Ölspur aus. Und vom elften auf den 13. Rang der Zwischenwertung. Seine Zukunft ist trotzdem vorerst gesichert, der Vertrag mit dem Inghart-Team läuft bis Ende 2008. »Eventuell sind nächstes Jahr schon einzelne internationale Einsätze drin«, sagt Eismann.
Das wäre für Stefan Nebel deutlich zu wenig – den dreimaligen Deutschen Meister zieht es mit aller Macht in eine Renn-
serie mit WM-Prädikat. Am Nürburgring stand er erstmals dieses Jahr auf dem Superbike-Podest, was sicher Auftrieb für Verhandlungen mit WM-Teams und Sponsoren bringt. »Ich bin an zwei sehr konkreten Sachen dran«, gibt er zu, »so weit war ich bis jetzt noch nie.«
Viel mehr Zeit als Nebel, der immerhin schon 26 Jahre alt ist, haben die jüngsten IDM-Piloten, die in der 125er-Klasse aktiv sind. Da zählt Georg Fröhlich, 19, dem der Titel dieses Jahr nach menschlichem Ermessen kaum zu nehmen sein wird, schon zur älteren Generation. Obwohl auch er noch echte Chancen auf eine internationale Karriere hat, gehört die Zukunft seinen Herausforderern: IDM-Titelverteidiger Robin Lässer, 16, dessen Teamkollege Marvin Fritz, 14, und dem gleichaltrigen IDM-
Neuling Marcel Schrötter. Lässer und Fritz fahren in der Nachwuchs-Mannschaft von Stefan Kiefer, Chef des einzigen deutschen Grand-Prix-Teams. Schrötter wird von den deutschen Motorradsport-Legenden Toni Mang und Rolf Steinhausen betreut – beides mehrfache Ex-Weltmeister.
Bei den Supersportlern, als Viertakt-Nachwuchsklasse gedacht, hilft neben Swen Ahnendorp (23/NL), Vladimir Ivanov (24/RUS) und Steven Tirsgaard (26/DK) Philipp Hafeneger, 24, als einziger Deutscher, den Alterschnitt im oberen Tabellendrittel zu drücken. Dabei ist Hafeneger auch kein heuriger Hase mehr – bereits 1999 war er Dritter der deutschen 125er-Meisterschaft und startete mit einer Wild Card beim deutschen Achtelliter-Grand-Prix. Zu Saisonbeginn ist er arg in Rückstand geraten, weil er dem deutschen Reifenhersteller Continental als Entwicklungsfahrer dient – die Hannoveraner sind Neulinge im Rennreifengeschäft. Jetzt, zur Saisonmitte, gelang ihnen endlich ein großer Wurf. »Der Reifen passt«, freute sich Hafeneger nach seiner Trainingsbestzeit. Die er am Sonntag mit einem hart erkämpften Sieg bestätigte. Dennoch dürfte es zu spät dafür sein, im Titelkampf noch ein Wort mitreden zu können – und damit den Grundstein für den Wechsel in eine internationale Meisterschaft zu legen. Hafeneger ist desillusioniert: »Dafür braucht es einen großzügigen Sponsor. Den sehe ich aber in Deutschland nicht.«
Auch für Jörg Teuchert wird es schwer, dem derzeit überlegenen Martin Bauer die Superbike-Meisterkrone streitig zu machen – da müsste bei dem Österreicher schon ein gerüttelt Maß an Pleiten, Pech und Pannen zusammenkommen. Teuchert hat den Aufstieg in die WM mitgemacht, den schmerzhaften Abstieg in die nationale Liga mit Bravour bewältigt und würde jede Erfolg versprechende Chance auf einen Wiederaufstieg ergreifen, so viel steht fest. »Aufgegeben wird nicht«, lautet sein Motto, auch angesichts von 63 Punkten Rückstand auf Bauer. Damit hat er sich definitiv als leuchtendes Vorbild qualifiziert – für von Hammerstein, Eismann, Fritz & Co., die eine Erfolgsbilanz à la Teuchert als großes Ziel vor Augen haben.

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