IDM auf dem Sachsenring (Archivversion) German open

Das ist die beste Nachricht vom IDM-Lauf auf dem Sachsenring: Alle Meisterschaftsentscheidungen der Saison 2005 bleiben bis zum Finale offen. Die weniger gute: Erneut wurde eine Alpha-Technik-Honda disqualifiziert.

Ein Foto gibt es von dem Ereignis
nicht – deshalb müssen Schilderungen der Beteiligten dokumentieren, was Ende der ersten Superbike-Rennrunde auf dem Sachsenring zum Abbruch führte. »Ich war gerade dabei, mich auf der Zielgeraden im Windschatten an Andy Meklau anzu-
saugen«, berichtete Yamaha-Pilot Stefan Nebel, »plötzlich wurde der langsamer – ich konnte die Kollision nicht vermeiden.« Nebel wurde über den Lenker seiner Maschine katapultiert und landete auf dem Höcker der Meklau-Suzuki. Dort konnte er sich aber nur einen Augenblick als unfreiwilliger Sozius halten, bevor er bei immer noch
hohem Tempo auf den Asphalt stürzte. »Ich war mit einem Bein zwischen Meklaus Hinterrad und seine Sitzbank geraten«, schildert Nebel eine schmerzvolle Erfahrung. Der Kontakt mit dem Reifen brachte ihm eine Handteller große Brandwunde ein, gut gefüllt mit schwarzem Gummiabrieb.
Trotzdem behielt der 24-Jährige bemerkenswert gute Laune – nicht ohne Grund. In Minutenschnelle schüttelte Nebel alle Gedanken an sein Erlebnis ab, setzte sich auf sein Ersatzmotorrad und beendete das neu gestartete Rennen als Vierter. Im zweiten Lauf reichte es sogar
für einen Podestplatz, mit dem er seine Führung im Zwischenklassement absicherte. Ein klein wenig getrübt wurde Nebels Tagesbilanz nur dadurch, dass er in der vorletzten Runde noch von Andreas Meklau abgefangen wurde. »Trotzdem konnte ich keine Punkte auf Stefan gutmachen«, rechnete Meklau vor, der Nebels Auffahrunfall übrigens auf seine Kappe nahm: »Mein Motor ist ohne Vorwarnung ausgegangen – ein Elektronikproblem.«
34 Punkte liegt Meklau hinter Nebel zurück, 50 Zähler werden bei den zwei ausstehenden Rennen in Hockenheim noch vergeben – der Kampf um den Titel bleibt offen. Von derlei Kalkulationen völlig unbelastet konnte sich am Sachsenring Martin Bauer einfach nur über einen großartigen Tag freuen. Der Österreicher, 2005 Neueinsteiger in der Superbike-IDM und bis dato eher unauffällig, verblüffte die Konkurrenz mit zwei lupenreinen Start-Ziel-Siegen.
Die Startphase sollte sich auf dem
Sachsenring auch bei den 125ern und den Gespannen als entscheidend erweisen. Der Verlauf der Achtelliter-Saison ließ zunächst erwarten, dass Michael Ranseder seinen Titel erfolgreich verteidigen würde – immerhin hatte der KTM-Youngster bereits vier Siege auf dem Konto, während die Tabelle für seinen gefährlichsten Verfolger, Teamkollege Stefan Bradl, vor dem Sachsenring schon 19 Punkte Rückstand auswies. »Ich habe gleich gemerkt, dass Michi nicht so schnell fahren konnte wie ich und ihn sofort überholt«, erzählte Bradl – tatsächlich musste Ranseder seine KTM in der ersten Runde mit defektem Motor am Streckenrand parken. Eine Spazierfahrt wurde das Rennen für Bradl dennoch nicht, weil Patrick Unger, der direkt am Sachsenring lebt, vorführte, was ein Heimvorteil ist. In der Zielkurve holte Unger zur finalen Attacke aus. »Ich wusste, dass er das probieren würde. Deshalb habe ich da extra viel Schwung geholt und konnte vorne bleiben«, freute sich Bradl als Sieger und neuer IDM-Leader.
Blanke Frustration dagegen beim Gespann-Duo Jörg Steinhausen und Axel Kölsch, denen in der Aufwärmrunde die Antriebskette riss. Zwar wurden sie von Sepp Doppler und Bernhard Wagner kollegial zurück zum Startplatz geschoben, dort war die Zeit für eine Reparatur aber
zu kurz. Steinhausen und Kölsch mussten tatenlos mit ansehen, wie sich Josef Moser und Ueli Wäfler den Sieg holten und ihnen damit die Tabellenführung abknöpften.
Regulär verlief dagegen der Supersport-Wettbewerb, bei dem sich schnell die in letzter Zeit fast schon obligate Vierergruppe an der Spitze bildete, mit Kai Børre Andersen, Arne Tode und Werner Daemen sowie dieses Mal Roman Stamm. Zumindest sah die Sache so lange regulär aus, bis die technischen Kommissare die Alpha-Technik-Honda von Daemen einer genaueren Inspektion unterzogen. Daemen wurde disqualifiziert, weil an seiner 600er der gleiche Regelverstoß diagnostiziert wurde, der Alpha-Technik-Superbiker Michael Schulten am Nürburgring aus der Wertung geworfen hatte: Die Zylinder waren beschichtet worden und damit nicht mehr im Originalzustand.
Blankes Entsetzen bei den Alpha-Technik-Teamchefs Josef Hofmann und Josef Meier, die nur eine sehr dürftige Erklärung anbieten konnten und so geschockt waren, dass zeitweilig ein Verzicht auf den Start beim Finalrennen diskutiert wurde. »Dass wir keine große Lust haben, nach Hockenheim zu fahren, dürfte wohl verständlich sein«, so Hofmann. »Aber wir müssen hin und uns dort erklären. Das wird unangenehm, aber wir wollen der Sache nicht aus dem Weg gehen.“

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