IDM-Auftakt auf dem Eurospeedway Lausitz (Archivversion) Abstauber-König

Die Führungsarbeit überließ Ex-Supersport-Weltmeister Jörg Teuchert großzügig den Konkurrenten. Auf der Ziellinie lag die MV Agusta mit der Startnummer elf beim IDM-Superbike-Auftakt auf dem Eurospeedway Lausitz dennoch zweimal ganz vorn.

Zwei Trainingsstürze, ein nicht ganz freiwilliger Motorwechsel und nur der zwölfte Startplatz für Jörg Teuchert und seine MV Agusta – dennoch überraschte der 34-Jährige beim IDM-Superbike-Auftakt auf dem Eurospeedway Lausitz mit
zur Schau gestellter guter Laune: »Ich fühl’ mich pudelwohl da hinten in der dritten Reihe, da hört wenigstens das ganze Gerede um die Legalität unseres Motorrads auf.« Und ohne dass es der Supersport-Weltmeister des Jahres 2000 selbst erwähnen musste, lebt noch die Erinnerung an seine zu WM-Zeiten oft unwiderstehlichen Siegfahrten aus scheinbar hoffnungslosen Startpositionen.
Ausgerechnet zusammen mit Christian Kellner, damals sein Teamkollege bei Yamaha Deutschland, zeigte der Franke dann eindrucksvoll, wie so was geht. Kellner,
der neuerdings für das Wilbers-Suzuki-Team in der IDM-Superbike unterwegs
ist, stand noch fünf Plätze vor Teuchert
als Siebter in der Startaufstellung. Bereits nach einer Rennrunde pfiff er jedoch mit klarem Abstand als Erster an der kolossalen, mit schätzungsweise 2500 Fans spärlich besetzten Lausitzer Haupttribüne vorbei, und Jörg Teuchert war auf Platz drei gestürmt.
Leider währte Kellners Herrlichkeit nur anderthalb Runden. Auf der nach vorangegangenen Regenfällen fast komplett abgetrockneten Strecke fand der Spitzenreiter ausgerechnet am Bremspunkt einer Kurve noch einen nassen Fleck, das Vorderrad der Suzuki klappte ein, und Kellners IDM-Comeback war zunächst beendet.
Die Spitze übernahm Philipp Hafeneger aus dem Yamaha-Deutschland-Team. Bis zwei Runden vor Schluss schien er
direkt an seinen Sieg beim IDM-Saisonfinale 2004 in Hockenheim anknüpfen
zu können, aber dann verschworen sich
ein nachlassender Hinterradreifen und das
einschlägig bekannte Teuchert-Kampfmotto »Never give up« gegen den jungen Westfalen. Außer dem MV-Piloten zog auch noch Hafenegers Teamkollege Stefan Nebel vorbei. Glück für Hafeneger war, dass sich Titelverteidiger Michael Schulten nach einem katastrophalen Start von der Pole Position erst aus den Tiefen des Mittelfelds herausarbeiten musste und daher auf Rang vier weit zurücklag.
Das zweite Superbike-Rennen in der Lausitz zeigte zunächst fast das gleiche Bild wie das erste. Kellner und Teuchert konnten ihre schwachen Startplätze als Blitzstarter sofort wettmachen. Nur zeigte diesmal Michael Schulten, warum er der IDM-Superbike-Champion ist. Fast schon deklassierend fuhr der 42-jährige Evergreen um bis zu sieben Sekunden vor
dem Feld her. Doch die Macht war an
diesem Sonntag nicht mit ihm. »Ich bin trotz des hohen Tempos so reifenschonend wie möglich gefahren«, resümierte er im Ziel geknickt, »trotzdem hat sich der hintere Reifen praktisch aufgelöst.«
Wieder war Teuchert zur Stelle und machte den IDM-Auftakt zur perfekten MV-Gala: zwei saubere, wenn auch sehr ökonomisch herausgefahrene Siege, Tabellenführung mit Idealpunktzahl 50. Der arme Michael Schulten dagegen musste auch noch Suzuki-Fahrer Andreas Meklau und Philipp Hafeneger durchlassen. Kein Podestplatz für den Top-Favoriten und IDM-Tabellenrang fünf – das sorgte für lange Gesichter bei Alpha-Technik-Honda und Reifenpartner Pirelli.
In der Supersport-Klasse ging es für Alpha-Technik zunächst gerade so weiter. Titelverteidiger Werner Daemen aus Belgien stürzte schon früh von seiner Honda CBR 600 RR. Sein Teamkollege Arne Tode fuhr zwar mit großem Kampfgeist knapp vor dem Norweger Kai-Børre Andersen
auf Docshop-Kawasaki als Erster über
die Ziellinie, wurde allerdings wegen eines Frühstarts mit 30 Strafsekunden belegt und auf Rang fünf zurückgesetzt.
Sehr viel später stellte sich Todes vermeintlicher Frühstart als leichter Wackler beim Einlegen des ersten Ganges heraus, noch deutlich vor dem Aufleuchten der
roten Ampel, die den unmittelbar bevorstehenden Start ankündigt – der 19-jährige Sachse bekam Platz eins zurück.
Bei den 125ern siegte Titelverteidiger Michael Ranseder aus Österreich mit mehr als zehn Sekunden Vorsprung vor seinem KTM-Teamkollegen Stefan Bradl und konnte nicht verheimlichen, dass er für die IDM eigentlich schon leicht überqualifiziert ist.
Dies trifft auch auf den Gespann-
Helden Jörg Steinhausen zu. In der Lausitz indes musste sein Stamm-Copilot Trevor Hopkinson krankheitsbedingt absagen, und mit Ersatzmann John Briggs gab es schwerwiegende Eingewöhnungsprobleme. So kam es, dass Steinhausen erstmals seit langer Zeit in seiner Laufbahn ein IDM-Rennen, bei dem er nicht ausgefallen war, nicht gewinnen konnte. Punkte und Pokal staubte cool das routinierte deutsch-schweizerische Duo Roscher/Hänni ab.

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