IDM-Finale Hockenheim Zusatz und Sieg

Den deutschen Superbike-Meistertitel hatte Jörg Teuchert bereits im Sack. So brauchte der Franke eine neue Herausforderung für das IDM-Finale in Hockenheim. Sein Yamaha-Deutschland-Team stellte ihm neben dem angestammten R1-Superbike eine Supersport-Yamaha-R6 in die Box. Und der Weltmeister aus dem Jahre 2000 erledigte die zusätzliche Aufgabe standesgemäß mit einem Sieg.

Foto: Wiessmann
Michael Galinksi ist nicht nur Chef des Yamaha-Motor-Deutschland-Teams, das mit Jörg Teuchert den IDM-Superbike-Titel bereits drei Wochen vor dem Finale in Hockenheim gesichert hatte. Er war selbst auch schon einmal deutscher Superbikemeister, der allererste, damals 1985, ebenfalls auf Yamaha. "Galle" versteht also durchaus etwas von schnellen Motorrädern und kam angesichts der von ihm vor-bereiteten Meistermaschine während der Titelfeier im niederländischen Assen zum ebenso selbstbewussten wie folgenschweren Urteil: "Unsere IDM-Superbike-Yamaha R1 ist so gut, mit der könnte sogar ein alter Mann wie ich noch gewinnen." Meister Teuchert verstand den Spaß, sah sich dennoch zu einer Replik genötigt. "Wenn das so einfach ist, dann stell mir zum Finale in Hockenheim eine R6 hin, dann gewinne ich dort zusätzlich auch noch das 600er-Supersport-Rennen." Team-chef Galinski ließ sich nicht lange bitten und schon gar nicht lumpen. Mit Teucherts IDM-Startnummer 11 stand in Hockenheim eine Yamaha R6 in der Box, die es in sich hatte. "Die Gabel und das Federbein haben diese Wochen schon einmal gewonnen", eröffnete Akkord-Rennfahrer Teuchert die Erläuterungen über sein jüngstes Spielzeug. Tatsächlich stammten die edlen Öhlins-Teile direkt aus der Supersport-Werks-Yamaha R6, auf welcher der Brite Cal Crutchlow eine Woche zuvor auf dem Nürburgring seine WM-Führung ausgebaut hatte. "Aber auch insgesamt ist die aktuelle R6 ein Wahnsinnsmotorrad", erinnerte sich der Supersport-Weltmeister von 2000 an seinen Karrierehöhepunkt und jubilierte, "hätte ich damals schon so eine Granate gehabt, hättest du mir nicht nur eine, sondern gleich beide Hände auf den Rücken binden können." Mit beiden Händen am Lenker war das Ziel für das Saisonabschlussfest so klar wie einfach: drei Siege in den drei Rennen in zwei verschiedenen Klassen, zweimal Superbike, einmal Supersport. Da das Rennwochenende im Nordbadischen allerdings nicht das Privatvergnügen des neuen Meisters war, hatten eine Reihe von jüngeren wie älteren Herren ernsthafte Einwände gegen den fränkischen Durchmarsch. Allen voran der Superbiker mit der Nummer eins des soeben entthronten Meisters. Martin Bauer aus Österreich hatte sich nach langwieriger Verletzungspause in Assen mit einem Doppelsieg eindrucksvoll zurückgemeldet und lieferte auf der Holzhauer-Honda Jörg Teuchert, seinem Nachfolger und Vorgänger als deutscher Superbike-Meister, einen überaus heißen Tanz, den er im ersten Rennen auch siegreich gestalten konnte. "Es war eigentlich wie immer mit Jörg, ein Super-Infight unter absolut ebenbürtigen Bedingungen", so der Ex-Meister, "und diesmal hatte ich das bessere Ende für mich. Ich konnte Jörg vier Runden vor Schluss ausbremsen." Bauer und Honda holten damit den ersten Rennsieg überhaupt für ein Motorrad mit ABS. Hatte sich Meister Teuchert also zu viel zugemutet oder gar verzettelt mit den Starts in zwei Klassen? Die Antwort lieferte der Frankenstolz im anschließen-den Supersport-Rennen auf äußerst eindrucksvolle Weise, und zwar vom siebten Startplatz in der zweiten Reihe - er war auf seiner schnellsten Qualifikationsrunde gut vier Zehntelsekunden langsamer als der Trainingsschnellste Sascha Hommel. Überhaupt nicht beeindruckt von diesem Rückstand, immerhin gegen den aktuellen IDM-Supersport-Tabellenführer, war Teamchef Galinski: "Das reicht zum Gewinnen", blickte er trocken auf den Ausdruck der Supersport-Startaufstellung. Und tatsächlich, nachdem sich Jörg Teuchert aus dem Startgetümmel der Supersport-Jünglinge herausgehalten hatte, "da sind schon ein paar ziemlich Wilde dabei, die gleich in der ersten Kurve gewinnen wollen", drängte er unwiderstehlich nach vorn. Als er gegen Rennmitte den Spitzenreiter Sébastien Diss auf Kawasaki hinter sich lassen konnte, hatte Teuchert ohne eigenes Zutun schon für eine starke Dezimierung der Spitzengruppe gesorgt. Denn vor allem die beiden jugendlichen Helden Dominque Vincon auf Yamaha und Triumph-Fahrer Kevin Wahr realisierten im Angesicht der über-holenden Teuchert-Yamaha, dass es ganz offensichtlich noch deutlich schneller gehen müsste. Sowohl Yamaha-R6-Cup-Gesamtsieger Vincon wie auch Wahr konnten das Tempo des Ex-Weltmeisters mitgehen, aber eben nicht auf Dauer. In der zweiten Hälfte der 18 Rennrunden mussten beide Junghelden zu Boden, während Teuchert mit unverändertem Speed zum Sieg fuhr, vor Diss und dem von Teuchert unbeeindruckten 32-jährigen Thomas Walther, auf einer privaten R6 so etwas wie der vielleicht schnellste Hobby-Fahrer des Universums. Hart am Rande der Unsichtbarkeit rollte derweil Kollege Hommel als Siebter und aufgrund seiner Saisonvorleistungen neuer Deutscher Supersport-Meister über die Linie. Zum versöhnlichen Schluss gewann Jörg Teuchert dann auch noch das zweite Superbike-Rennen vor Bauer und dem Tschechen Matej Smrz auf der Inghart-Honda und konnte so doch noch zusammen mit seinem Chef Galinski den Erfolg des Zwei-Klassen-Systems feiern.

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