IDM-Finale in Hockenheim (Archivversion) Auf Wiedersehen

Die IDM-Saison ist gelaufen, der Superbike-Titel wurde standesgemäß als Letzter vergeben. Doch schon während der Siegesfeiern war klar: 2007 wird es die große Revanche geben – mit den bekannten Hauptdarstellern.

Applaus, Applaus. Aber ohne ein finales Schlusswort des Champions fällt er nicht, der Vorhang. Das sprach der frisch gekürte Meister der IDM Superbike, Jörg Teuchert, nach Rennende. Mit Blick auf seine Kollegen erklärte der 36-Jährige: »Wenn Michael Schulten nächstes Jahr wieder antritt, Andreas Meklau noch einmal angreift und die Jungen sowieso dabei sind – dann fahr’ ich eben auch weiter.«
Damit scheint die nähere Zukunft der bekannten IDM-Koryphäen aus der Kategorie »um die 40« fürs Erste geklärt. So ganz sicher war das zumindest für Andreas Meklau nicht. Mit 15 Punkten Rückstand auf Teuchert war der Österreicher in Suzuki-Diensten nach Hockenheim angereist, der Pulverdampf des letzten Rennens auf dem Sachsenring hatte sich noch nicht ganz verzogen. Nur zur Erinnerung: Dort hatte sich Teuchert mit zwei Laufsiegen die Meisterschaftsführung erkämpft, während Meklau im Regen den eigenen Marken- und Teamkollegen hinterhergepaddelt und so etwas wie eine Teamstrategie in der Hektik nicht zum Tragen gekommen war.
Meklaus Boss Bert Poensgen, Manager des Suzuki-International-Europe-Teams, analysierte am Samstag in Hockenheim die Saison seines Fahrers in seiner üblichen direkten Art: »Andreas Meklau ist ein an-genehmer Zeitgenosse und erstklassiger Fahrer, doch bei jedem Rennen startet er wie eine alte Oma. Dann fehlen eben am Ende die Punkte.« Eine salomonische
Lösung für das Problem hatte Poensgen aber parat: »Sollte Andy morgen nicht Meister werden, muss er weitermachen und 2007 gewinnen. Holt er morgen den Titel, könnte er sich mit 39 Jahren in den verdienten Ruhestand verabschieden.«
Fragt sich, was Meklau selbst für die angenehmere Alternative hält. Beim zweiten Zeittraining am Samstag kämpfte er augenscheinlich für die Poensgen-Rente. Wenige Minuten vor Ablauf der Zeit stellte er seine GSX-R 1000 auf die Pole Position und sorgte für großen Jubel in der blauen Box. Aber für das Trainingsergebnis gibt es keine Punkte, das wusste auch Jörg Teuchert und zog daher ruhig seine Bahnen.
Hektisch wurde es am Rennsonntag. Kurz vor dem Start des ersten Superbike-Laufs setzte der Regen ein, es gab ein
Regentraining sowie eine erneute Startaufstellung. Dann hörte der Regen auf, und der Startplatz glich einem Gemischtwarenladen. Regenreifen, Intermediates, selbst Slicks waren zu entdecken. Albert Schedl, Ex-Rennfahrer, Hauptsponsor und Mitinitiator des Inghart-Teams um Jörg Teuchert, versteckte sich hinter einer pechschwarzen Sonnenbrille, ließ als Stratege jedoch keine Frage offen: »Wir verteidigen und starten mit Regenreifen, das ist sicherer. Wenn ich allerdings der Angreifer wäre, dann würde ich pokern.« Eine schwierige Entscheidung allemal und insbesondere für Ralph Christmann, den für Teuchert wie für Meklau verantwortlichen Dunlop-Reifen-
techniker. Auf seinen Rat entschlossen sich die beiden Titelkontrahenten schließlich zur Wahl gleicher Waffen.
Die Entscheidung auf der Strecke kam schneller als erwartet, denn in der ersten Rennrunde klappte Meklau das Vorderrad weg, und er sah seine Suzuki und die Meisterschaft wie ein Eiscurling-Sportgerät knapp an Teucherts Yamaha vorbeirutschen. Teuchert rettete auf abtrocknender Piste Platz elf, während ein Pirelli-besohltes Honda-Trio mit Michael Schulten, Martin Bauer und Werner Daemen genau in dieser Reihenfolge das Podium erklomm.
Zweiter Lauf, trockene Piste, letzte Chance. Teuchert kam als Erster aus der Startrunde, doch Meklau fackelte nicht lange, ging vorbei, zog davon und gewann unbehelligt. Das halbe Rennen über war ihm Michael Schulten mit der Alpha-
Technik-Honda dicht auf den Fersen, doch dann ließ der 43 Jahre alte Bottroper
abreißen – aber nur so viel, dass ihm
Stefan Nebel auf der Docshop-Kawasaki nicht gefährlich werden konnte.
Mehr als die Maximalpunktzahl herauszufahren konnte Andy Meklau nicht tun.
So entschied Teucherts sechster Platz die Meisterschaft mit fünf Punkten Vorsprung zugunsten des Yamaha-Bändigers. Routinier Teuchert gab sich entsprechend gelöst und vermutete gar Tonnen, die als Last von ihm abgefallen waren. In der Wichtigkeit reihte er den Titel direkt hinter seinem Gewinn der Supersport-WM 2000 ein.
Wie wichtig der 125er-Meistertitel für KTM-Junior Robin Lässer ist, muss sich noch weisen. Der 15-Jährige verwaltete das Rennen taktisch und gab der Meisterschaft Priorität. Rang fünf genügte ihm zum Titelgewinn. Seine Rennsport-Zukunft steht aktuell allerdings in den Sternen, weil KTM sich aus der IDM verabschiedet und im WM-Team der orangefarbenen Truppe alle Plätze besetzt sind.
Seit Schleiz steht bei den Supersportlern Arne Tode als Meister fest. Das Finale in Hockenheim sollte seine Rolle als Dominator zementieren. Der Honda-Pilot wollte noch eine Rechnung mit Gaststarter Arie Vos begleichen, der ihn zu Saisonbeginn
in Hockenheim gedemütigt hatte. Es bleibt eine offene Rechnung. Trotz Pole und
klarem Zeitvorsprung musste Tode wegen einer fehlerhaften Kupplung schon nach einer Runde in die Box zurück, während Vos erneut siegte. Auch wenn für Tode die Zukunft möglicherweise nicht in der IDM liegt, darf er sich wie die Superbike-Riege auf ein Wiedersehen freuen. Mit Arie Vos natürlich. Der wird ihm bestimmt noch mal über den Weg laufen.

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