IDM-Frühjahrstraining (Archivversion) Sportler zweiter Klasse

Um mit der Auto-Rennserie DTM ins Geschäft zu kommen, verärgerte der Eurospeedway Lausitz die Motorradsportler: Einer von zwei vertraglich zugesagten IDM-Trainingstagen musste wegen Bauarbeiten kurzfristig abgesagt werden.

Auf zum Frühjahrstraining der Internationalen Deutschen Motorradmeisterschaft (IDM) auf dem Eurospeedway Lausitz: Mit großem Aufwand hatte der Deutsche Motor Sport Bund (DMSB) in diesem Jahr den Vorsaison-Event geplant. So konnte IDM-Serienmanager Hendrik Többe im Vorfeld freudig vermelden: »Mehr als 90 Prozent der Fahrer werden da sein.«
Am Samstagvormittag, als das Training entsprechend der ursprünglichen Planung längst laufen sollte, hatte Többe nichts mehr zu lachen: »Wenn ich das Wochenende überlebe, kann mich nichts mehr
erschrecken«, stöhnte er. Am Freitag, kurz vor Mitternacht, hatte er der IDM-Gemeinde die Mitteilung machen müssen: »Morgen fällt das Training aus.« Der Grund: Eine Woche später sollte die Deutsche Tourenwagen Masters (DTM) auf dem Eurospeedway gastieren. Die DTM-Macher hatten durchblicken lassen, dass sie sich vorstellen könnten, drei Jahre in Folge in der Lausitz aufzulaufen – wenn der Kurs etwas abgekürzt würde, damit die Rennwagen öfter an den Tribünen vorbeiflitzen.
Der Chefetage des finanziell nicht gerade auf Rosen gebetteten Eurospeedway erschien der Deal zwingend. Weil es etwas Zeit in Anspruch nahm, die Finanzierung der – wenn auch kleinen – Baumaßnahme auf die Beine zu stellen und für die DTM-Woche Regen vorhergesagt war, blieb nur eine Lösung: Es musste am IDM-Termin
gebaut werden. Zwar wurden den Motorradfahrern Kompromisse angeboten, allerdings wenig brauchbare. Nach eingehender Begutachtung verweigerte Rüdiger Merdes, allseits respektierter DMSB-Pflichtkommissar, der Rennstrecke im gegebenen Zustand seine Abnahme: »Zu gefährlich.«
Wenigstens gelang es den Straßenbauern, bis Samstagabend fertig zu werden – freie Fahrt am Sonntag. Etliche namhafte Piloten waren aufgrund der unübersichtlichen Lage aber gar nicht erst angereist oder hatten sich schon wieder aus dem Staub gemacht, so das offizielle Suzuki-Team mit Andy Meklau und Markus Wegscheider, die Yamaha-Deutschland-Truppe mit Philipp Hafeneger und Stefan Nebel sowie MV-Agusta-Fahrer Jörg Teuchert.
Einige Teams haben angekündigt, den DMSB als Veranstalter für den ihnen entstandenen finanziellen Schaden in Regress nehmen zu wollen.
Eine der spannenden Fragen im Vor-
feld der diesjährigen IDM betrifft die
GSX-R 1000, mit der Suzuki als einziger Hersteller eine grundlegend neue und zudem nominell die stärkste Serienbasis für sein IDM-Superbike hat: Wird sie, wie in der Superbike-WM, auch in der IDM vom Start weg hoch überlegen sein? Gewissheit darüber konnte das Training in der Lausitz nicht bringen, da Meklau und Wegscheider fehlten. Immerhin war Christian Kellner da, der sich nach mageren Jahren in der Supersport-WM jetzt im Suzuki-
Satelliten-Team von Fahrwerks-Spezialist Benny Wilbers als Superbike-IDM-Pilot
betätigt. Das Team genießt offizielle Unterstützung von Suzuki Deutschland, und Motoren-Macher Burkhard Stember ist voll des Lobes über das gelieferte Rohmaterial: »Im Gegensatz zum 2004er-Motor ist der neue sehr fein aufgebaut.« Trotzdem sind im Rahmen des Reglements noch Verbesserungen möglich, die mehr als zehn Zusatz-PS mobilisieren. Auf dem Eurospeedway war Kellner Zweitschnellster, blieb jedoch eineinhalb Sekunden hinter Meister Michael Schulten auf der Alpha-Technik-Honda zurück.
In der 125er-Klasse, wo sich die jungen Leute tummeln, denen noch am ehesten die Chance auf den Sprung in eine internationale Meisterschaft zugetraut werden darf, bleibt die Lage prinzipiell wie im Vorjahr: Honda gegen KTM heißt das Thema, wobei KTM neben 125er-Meister Michael Ranseder und dem viel versprechenden Junior Stefan Bradl mit Robin Lässer, 14, und Toni Wirsing, 15, zwei weitere Teenager an den Start bringt. Die Titelverteidigung ist Pflicht, und die darf Ranseder auch zugetraut werden, wie er mit seiner locker vorgetragenen Trainingsbestzeit erkennen ließ.
Zumal vom ehemaligen ADAC-Honda-Nachwuchsteam nicht mehr viel übrig
ist, nachdem sich der Automobilclub mit dem japanischen Motorradhersteller zerstritten hat und mit fliegenden Fahnen zu KTM überlief. Georg Fröhlich, ehemaliger Hoffnungsträger der gemeinsamen Nachwuchsarbeit, blieb bei diesem Wechsel
auf der Strecke und kann froh sein, dass die Sportveranwtortlichen von Honda sich ihrer Verantwortung stellen und ihn mit reichlich Material ausstatten. »Aber an
den KTM dranzubleiben wird schwer«, befürchtet Fröhlich, »die haben sicher mehr Leistung als wir.“

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