Indoor-Supermoto (Archivversion) Holiday In

Motorrad fahren, wenn’s draußen stürmt und schneit? Warum nicht. Und dazu muss man nicht mal in den Süden fahren. Eine gut geheizte Karthalle tut’s mitunter auch.

Motorradfahren in der Halle – ist das nicht wie Skifahren unter einer Plastikhülle oder Klettern im Fitness-Center? So was wie holländischer Alpinis-mus eben. »Nein«, sagt Roland, grinst und gibt Gas auf seiner MZ 125 SM. Eigentlich ist es gar nicht seine MZ. Die gehört nämlich Lothar Schauer und neun wei-tere Maschinen noch dazu. Damit zieht er durch die Lande, von Karthalle zu Karthalle. Die mietet er, und seine MZ, die vermietet er. Damit Typen wie Roland ihren Spaß haben. Denn der grinst schon wieder nach beendetem Turn. »Du musst schon richtig am Quirl drehen, um an den anderen dranzubleiben.« Recht hat er, Nasenbohrer fahren da nicht, zumindest nicht in Rolands Gruppe. Denn Lothar schätzt die Teilnehmer an seinen Supermoto-Trainings sofort rich-tig ein. Hat einfach ein Auge für seine Pappenheimer, der Mann. »Wäre doch deppert, einen Anfänger mit einem Routinier zusammen auf den Kurs zu lassen.«16 PS bringt die MZ auf die Rolle, nicht die Welt, zugegeben, aber zum Driften in engen Kurven reicht’s dicke. Zu-mal jeder mitmachen darf, der vor einem ausbrechenden und rutschenden Motorrad nicht erschrickt. Und dass man davor nicht nur nicht erschrecken, sondern sich sogar daran erfreuen kann, dafür bürgt Lothar, der Drift-Pädagoge. Der dieses besondere Talent auf Schalke in sich entdeckte, vor drei Jahren, in jener Arena, wo 04 immer öfter den Boden unter den Stollen verliert.Freilich waren’s nicht blutgrätschende Kicker in Königsblau, die Lothar animierten. Keine zusammengekauften Stars haben ihn dort angeregt, hoffnungsvolle Youngster waren’s. Die Jungs und Mädels vom MZ-Youngster Cup nämlich, die auf Schalke gastierten mit ihren 125ern. Den sächsischen Supermotos blieb er treu, Schalke nicht. Wie auch? Hätte er sich nie leisten können, die Miete für die Arena. Es sei denn, Lothar verlangte von seinen Teilnehmern 5786 Euro pro Tag. Macht er aber nicht, er begnügt sich mit einer Summe, die Roland erneut ein breites Grinsen aufs Antlitz zaubert. 69 Euro bittet er sich aus fürs Motorrad, dazu kommen 15 bis 25 Euro Maut für die Kartbahn. Für einen ganzen Tag SM-Action wohlgemerkt. Und die muss nicht mal weh tun, denn die dem Vergnügen adäquate Garderobe ist im Preis inbegriffen.Die der Hoffnung noch immer vollen Racer Klaus Nöhles und Stefan Nebel, beide Grand-Prix-erprobt, haben es auch schon probiert und festgestellt: echt ein geiler Freizeitspaß. Doch muss man kein Experte sein, um hier auf seine Kosten zu kommen. Das bestätigt zum Beispiel Nicole. Gerade 21, kam sie erst letztes Jahr bei einem von MOTORRAD organisierten Event in Kontakt mit der Szene. Auf der Suche nach einem passenden Geschenk für ihren Freund fand sie im Internet den Link und meldete sich gleich selbst mit an. Seitdem hat das Paar eine neue Form der Freizeit für sich entdeckt. Von wegen, Motorsport ist nur Männer-sache. Für die Supermoto-Turns in der Halle gilt das nicht. Was mit daran liegt, dass hier keiner aggressiv und rücksichtslos zu Werke geht. Fairness und Rücksicht sind oberstes Gebot.Ergebnis: eine Spitzenstimmung. Mun-ter werden Tipps und Techniken ausgetauscht, und am Ende des Tages haben alle ein zufriedenes Lächeln auf den Lippen, nicht nur Veranstalter Lothar.

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