Inside MotoGP: Roland Kern aus Misano Spaß mit Loch und Spaß mit Handy

Foto: privat
Roland ist MotoGP-Mechaniker. Für MOTORRAD- und PS-Online sammelt er exklusiv seine Stories aus dem Grand-Prix-Fahrerlager. Die haben nicht immer was mit Motorradrennen zu tun, aber oft genug. Hier ist seine Mail aus Misano.

Kann man sich vorstellen ...

... dass ein Fahrzeug mit einem italienischem Fahrer reicht, um einen Stau zu provozieren? Um in das Fahrerlager zu gelangen, benötigt man Ausweise, erst recht mit einem Auto. Trotzdem versuchten immer wieder Italiener, mit ihren Gefährten ins Paddock zu kommen, und das endete immer mit unglaublichem Palaver und Stau am Fahrerlagereingang. Aber so sind sie eben, unsere emotionalen Südländer.

... dass trotz der famosen italienischen Küche ein Restaurantbesuch ganz schön ärgerlich sein kann? Wenn man ein Restaurant gefunden hat, in dem ein Team mit 12 Mitgliedern an einem Tisch Platz hat, und nach 30 min feststellt: Es findet im Restaurant ein Karaoke-Abend statt, dann hat der Spaß schnell ein Loch ob der Lautstärke und der Sangeskünsten.

... dass Andrea Iannone der Wheelieking im Fahrerlager ist? Der Teamkollege von Michi Ranseder fährt hunderte Meter lange Wheelies! Zu zweit! Auf einem 50-cm³-Roller! ... dass unser Wetterinteressenkonflikt von Brünn in Misano keine Rolle spielte? Bei 30 °C im Schatten wurden wir für das nasskalte Wetter und warm eingepackte Fahrerlagerschönheiten von Brünn mehr als entschädigt. Unglaublich, was es an geballter Weiblichkeit in Misano alles zu sehen gab.

... dass die leidige Einheitsreifendiskussion geschickt von Dorna-Boss Carmelo Ezpeleta nach den Michelin-Reifendesastern von Laguna Seca und Brünn geschürt wurde? Nach dem stümperhaften Vorgehen der Franzosen bei den beiden Rennen waren die Michelin-Fahrer nicht mehr so abgeneigt, alle auf dem gleichen Produkt zu fahren. Das allerdings ist Augenwischerei, denn die Fahrstile der einzelnen Fahrer sind so unterschiedlich, dass jeder Fahrer eigens auf den Leib geschneiderte Reifen fährt.

... dass Dunlop schon Reifen entwickelt für die neue GP2-Klasse? Eine Moriwaki-Honda ist damit in Japan unterwegs, auch 2 modifizierte 600er in Spanien. Die Technologie basiert auf den MotoGP-Reifen von Dunlop.

... dass letztes Jahr und diese Saison von japanischer Seite (die mit der Schwinge im Logo) gemutmaßt wurde, Ducati habe mehr Sprit an Bord als die erlaubten 21 Liter? Es wurde spekuliert, ob der Stahlrohrrahmen als Tank benützt, eine Benzinpumpe mit 1,5 Litern Inhalt, dickere Benzinleitungen, ein 1,5 Liter Ausgleichsbehälter oder der Sprit zur Volumenverrringerung extrem heruntergekühlt würde. Das wurde nach Katar alles genau definiert, und trotzdem hat sich an der Konkurrenzfähigkeit der Ducati nichts geändert. Leider bedeutet das auch, das ein paar japanische Ingenieure Harakiri begehen müssen.

... dass die neuen Jobs ehemaliger GP-Mechaniker manchmal seltsame Wege beschreiten? Ein Ex-Kawasaki-Teammitglied repariert in Moskau Motorräder aller Marken und verdient sich eine goldene Nase damit. Nicht ganz unschuldig ist hier die nähere Bekanntschaft zu einer attraktiven Russin, die im 14-Tage-Rhythmus besucht wird.

Inside MotoGP: Roland Kern berichtet aus der Boxengasse

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... dass für einen Fahrer der MotoGP-Klasse die moderne Technik auch zum Verhängnis werden kann? Ein sehr pikanter Ausrutscher nach einer Red-Bull-Party wurde von seinem Kumpel mit dem Handy gefilmt. Die frisch angetraute Ehefrau stolperte zufällig über den Clip im Handy, damit war die Katastrophe perfekt. Der alkoholbedingte Absturz zur Frustbekämpfung des Fahrers endete in der Clinica Mobile, weil der Magen ausgepumpt werden musste. Ohne Colin Edwards, der sich als Retter in der Not zeigte, wäre vielleicht Schlimmeres passiert.

... dass jetzt nicht nur dessen Ehe gefährdet ist, sondern auch sein Platz im Werksteam wackelt? Die Teamführung hätte am liebsten den Fahrer auch am Samstag nicht fahren lassen.

... dass mein privater Einsatz in Brünn nicht von Erfolg gekrönt war, rotz Poleposition und einer guten 2:11,3-Zeit im Qualifiying? Nach einer Runde im Rennen begann es, zu regnen, und mit Slicks weiterzufahren, war sinnlos. Schließlich fahre ich ja nicht um die WM.

Das war Misano, und jetzt sind ein paar Tage frei, bevor es nach Indianapolis geht.

Macht's gut,
Roland
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