Interview Maurizio Flammini (Archivversion) Mehr Nähe zu Serienmaschinen

Promoter Maurizio Flammini hat die 1999 abgetretenen Rechte an der Superbike-WM zurückgekauft und will die angeschlagene Serie wieder pushen.

Maurizio Flammini, Sie haben die Rechte an der Superbike-WM von der Agentur Octagon zurückgekauft. Warum? Hinter Octagon steht bekanntlich Inter Public Group, kurz IPG, die zweitgrößte Werbeagentur der Welt. Via IPG konnten wir Kontakte entwickeln und nutzen, die uns sonst verschlossen geblieben wären. Auf der anderen Seite aber hat ein weltumspannender Konzern wie IPG auch entsprechende Entscheidungsstrukturen. Und diese sind für eine so schnelllebige und mitunter hektische Welt wie den Motorsport nicht immer flexibel genug. Daher sind wir auf Octagon zugegangen und haben ihnen ein Angebot gemacht. Es ist bekannt, dass IPG kein sehr gutes Jahr 2002 hinter sich hat und die IPG-Manager einen Großteil des schlechten wirtschaftlichen Ergebnisses auf Octagon schieben. Zusätzlich ist die Superbike-WM selbst derzeit nicht gerade in allerbestem Zustand. Haben Sie am Ende sogar ein Schnäppchen gemacht und die Superbike-WM billiger zurückgekauft, als Sie sie 1999 abgegeben haben? Über solche Details wurde zwischen den Vertragspartnern Vertraulichkeit vereinbart. Wichtiger in diesem Zusammenhang aber ist, dass wir nicht nur die Superbike-WM »zurückgekauft« haben. Wir haben zudem die komplette Motorsport-Sparte von Octagon übernommen, nur mit Ausnahme der vier englischen Rennstrecken, welche jetzt als Brands Hatch Circuit Ltd. firmieren. Neben der Superbike-WM gehören uns also auch die Langstrecken-WM, das Projekt einer völlig neuartigen Tourenwagen-Rennserie mit großen V8-Autos und eine ganze Reihe weiterer hochinteressanter Projekte. Viele Insider der zurzeit unter Druck stehenden Superbike-WM versprechen sich von Ihrem erneuten direkten Engagement sehr viel. Was sind Ihre konkreten Sofort-Projekte? Wir werden die TV-Produktion wieder stärken müssen. Außerdem werden die aktiven Hersteller in diesem Bereich wesentlich intensiver eingebunden, wie sie an der deutlich vergrößerten Paddock Show schon gesehen haben. Wir werden im wichtigsten Superbike-Markt USA ein zweites Rennen etablieren. Darüber hinaus muss die Superbike-WM natürlich in Wachstumsmärkten wie China oder dem Mittleren Osten präsent sein. Entscheidend ist jedoch die Technik. Wir müssen die Superbike-Weltmeisterschaft als deutliche Alternative zu den MotoGP darstellen. Was heißt das konkret? Wir brauchen noch mehr Nähe zu den Serienprodukten. Die Richtung könnte ein »Supersport 1000«-Reglement sein. Dies wird die Identifikation der Fans weiter erleichtern. Und die Kosten werden überschaubarer, die Rennen ausgeglichener. Schauen Sie sich heute die Supersport-Rennen an, das ist die beste Kategorie im Motorrad-Rennsport. Und da müssen wir mit den Superbikes auch wieder hin, und zwar schon 2004. Das Entscheidende wird sein, dass wir den Marketing-Abteilungen der großen Motorradhersteller wieder einen Grund liefern, warum sie sich neben dem reinen Imageträger MotoGP auch in der Superbike-WM engagieren müssen: Sie können dort ihre supersportlichen Produkte ideal präsentieren. Honda und Kawasaki haben signalisiert, dass sie sich eventuell erneut werksseitig engagieren. Das Interview führte MOTORRAD-Redakteur Michael Rohrer

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