Interview mit Carmelo Ezpeleta (Archivversion) "Wir fahren auch mit 15 Motorrädern eine WM"

Carmelo Ezpeleta ist Chef der Agentur Dorna, die seit 1992 die Vermarktungsrechte der Motorrad-Grand-Prix-Weltmeisterschaft hält. MOTORRAD sprach mit ihm über die Probleme, die der angedrohte Rückzug von Kawasaki aus der Rennserie macht.

Herr Ezpeleta, wenn Kawasaki die Weltmeisterschaft verlässt, könnten zum Saisonstart 2009 in Qatar nur noch 17 Motorräder in der Startaufstellung des MotoGP-Rennens stehen. Verschiedene Quellen behaupten, dass die Dorna sich gegenüber der inter­-nationalen Motorradsport-Föderation FIM verpflichtet hat, in der MotoGP-WM mindestens 18 Fahrer an den Start zu bringen. Welche Konsequenzen hätte es, wenn Ihnen das nicht gelingen sollte?
Gar keine. Wir unterliegen da keiner Minimumregel. Wenn es nur 17 sind, gibt es trotzdem keine vertraglichen Probleme. Auch nicht, wenn es nur 15 wären.

Und die Serie hätte nach wie vor ein Welt­meisterschafts-Prädikat?
Selbstverständlich.

Ist es richtig, dass Kawasaki mit der Dorna einen Vertrag hat, nach dem sie mindestens bis 2011 Motor­räder für die MotoGP-WM bereitstellen müssen?
Wir haben einen Vertrag mit der MSMA, der Vereinigung der im Sport aktiven Motorradhersteller, und Kawasaki ist Mitglied der MSMA. Das heißt, die Vereinbarung zwischen Kawasaki und Dorna besteht im Rahmen dieses Vertrags.

Ist in dem Vertrag eine Strafzahlung vorgesehen, falls Kawasaki vorzeitig aussteigt?
Der Vertrag enthält die Zusage aller vertretenen Hersteller, sich an der MotoGP-WM bis 2011 zu beteiligen. Dafür haben wir ihnen einige Rechte eingeräumt. So ein Vertrag kann natürlich gebrochen werden. Aber es ist für einen Fall wie den jetzt mit Kawasaki keine bestimmte Strafe definiert.

Sie waren Anfang Januar in Japan, als die MSMA eine Art Krisensitzung einberufen hatte. Wie war Ihr Eindruck nach den Gesprächen dort?
Ich habe an dieser Sitzung am 7. Januar nicht teilgenommen. Normalerweise kommuni­zieren wir mit den Herstellern über den Generalsekretär der MSMA. Aber es ist klar, dass alle beteiligten Parteien – also die MSMA, die FIM als Sporthoheit, die Teamvereinigung IRTA und wir, die Dorna, beunruhigt sind über die Kostenentwicklung. Wir arbeiten gemeinsam daran, Lösungen für dieses Problem und für die Zukunft zu finden.

Wie schätzen Sie die Stimmung bei den übrigen Herstellern ein? Könnte es noch einen weiteren Rückzug, beispielsweise von Suzuki, geben? Oder werden die alle dabeibleiben?
Die bleiben, daran besteht überhaupt kein Zweifel. Doch wie gesagt: Ich habe nicht direkt mit den Herstellern gesprochen. Ich war nur in Japan, um mit den Kawasaki-Leuten zu reden, die ihren Rückzug bekanntgegeben hatten. Wir haben versucht, eine Lösung zu finden, die es Kawasaki erlaubt, weiterhin mitzumachen, oder wie wir zumindest erreichen können, dass ihre beiden Fahrer John Hopkins und Marco Melandri weiterhin fahren können. Aber das ist eine interne Diskussion zwischen Kawasaki und der Dorna.

Wenn Kawasaki also nicht mehr mitspielen möchte: Was kann die Dorna tun, um diese beiden Motorräder doch an den Start zu bringen? Reicht es, Geld hineinzustecken?
Wir können helfen, einen Ausweg zu finden. Finden wir einen, haben wir 19 Motorräder. Wenn nicht, sind es nur 17.

Sie sollen angeboten haben, Kawasaki ohne Konsequenzen aus den Verpflichtungen für 2010 und 2011 zu entlassen, wenn sie für dieses Jahr noch die Motorräder zur Verfügung stellen.
Wir sind noch in der Diskussion. Kawasaki sagt, dass es derzeit nur genügend Material gäbe, um ein Viertel der Saison zu bestreiten, und dass keine Kapazitäten für Weiterentwicklungen vorhanden seien. Also muss jemand gefunden werden, der diesen Part übernehmen kann.

Kawasaki hat trotz allem die MotoGP-Motorräder für 2009 bereits im Januar mit Testfahrer Olivier Jacque in Australien ausprobiert. Das war aber noch innerhalb des Zeitraums, in dem Testfahrten offiziell verboten sind. War das in Ordnung?
Ja, denn das Testverbot gilt nur für die MotoGP-Piloten selbst, nicht für Testfahrer.

FIM-Präsident Vito Ippolito macht sich ebenfalls Sorgen um die Weltmeisterschaft. Er wünscht sich, dass es auch in der MotoGP-WM käufliche Production Racer für private Teams gibt, wie das in den 1980er Jahren der Fall war. Eine gute Idee?
Jeder Vorschlag von Herrn Ippolito ist uns willkommen. Aber wir haben dieses Abkommen mit der MSMA, und deshalb sind – auch wenn es um kostensenkende Maß­nahmen geht – nur Ideen realisierbar, mit denen die Hersteller einverstanden sind.

Sind den schon kostensenkende Maßnahmen beschlossen, die noch dieses Jahr umgesetzt werden?
Es wird ein weiteres Treffen der MSMA anlässlich der offiziellen Testfahrten in Sepang vom 5. bis 7. Februar geben. Daran anschließend wird die GP-Kommission zusammen­treten und über mögliche Konsequenzen reden – auch solche, die schon 2009 wirksam werden.

Herr Ezpeleta, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.

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