Interview mit Dorna-Chef Carmelo Ezpeleta "Wir fahren auch mit 15 Piloten eine Weltmeisterschaft"

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Am kommenden Freitag erscheint die MOTORRAD-Ausgabe 3/2009 - mit einer Reportage über die aktuellen Probleme der MotoGP-Weltmeisterschaft, die durch den überraschenden Rückzug des Kawasaki-Werksteams so richtig ins Licht der Öffentlichkeit rückten. Eine Interview-Anfrage zu diesem Thema konnte Carmelo Ezpeleta, Chef der MotoGP-Vermarktungs-Agentur Dorna, erst nach Redaktionsschluss des gedruckten Hefts beantworten. Was Ezpeleta im Gespräch mit MOTORRAD-Sportredakteur Andreas Schulz klar stellte, liefert die Redaktion an dieser Stelle nach.

? Herr Ezpeleta, verschiedene Quellen verweisen darauf, dass die Dorna sich verpflichtet hat, in der MotoGP-Weltmeisterschaft mindestens 18 Fahrer an den Start zu bringen. Welche Konsequenzen hätte es, wenn Ihnen das 2009 nicht gelingen sollte?
! Gar keine Konsequenzen. Wir unterliegen da keiner Minimumregel. Wenn es nur 17 sind, gibt es trotzdem keine vertraglichen Probleme. Auch nicht, wenn es nur 15 wären.

? Und die Serie hätte nach wie vor ein Weltmeisterschafts-Prädikat?
! Selbstverständlich.

? Ist es richtig, dass Kawasaki mit der Dorna einen Vertrag hat, nach dem sie mindestens bis 2011 Motorräder für die MotoGP-WM bereitstellen müssen?
! Wir haben einen Vertrag mit der MSMA (Motorcycle Sport Manufacturers Association, Vereinigung der im Motorradsport aktiven Hersteller), das heißt mit allen Migliedern der MSMA, und Kawasaki ist eines davon. Das bedeutet, dass die Vereinbarung zwischen Kawasaki und Dorna im Rahmen dieses Vertrags besteht.

? Ist in dem Vertrag eine Strafzahlung vorgesehen, falls ein Hersteller vorzeitig aussteigt?
! Der Vertrag enthält die Zusage aller vertretenen Hersteller, sich an der MotoGP-WM bis 2011 zu beteiligen. Dafür haben wir ihnen einige Rechte eingeräumt. Aber es ist für einen Fall wie den jetzt mit Kawasaki keine bestimmte Strafe definiert.

? Im Internet ging das Gerücht herum, diese Strafzahlung könnte bis zu 30 Millionen Dollar betragen...
! Keine Ahnung, wer das behauptet hat. Ich kann das jedenfalls nicht bestätigen.

? Sie waren Anfang Januar in Japan, als die MSMA eine Art Krisensitzung einberufen hatte. Wie war Ihr Eindruck nach den Gesprächen dort?
! Ich habe an dieser Sitzung am 7. Januar nicht teilgenommen. Normalerweise kommunizieren wir mit den Herstellern über den Generalsekretär der MSMA. Aber es ist klar, dass alle beteiligten Parteien – also die MSMA, die FIM als Sporthohheit, die Teamvereinigung IRTA und wir, die Dorna, beunruhigt sind über die Kostenentwicklung. Wir arbeiten gemeinsam daran, Lösungen für dieses Problem und für die Zukunft zu finden.
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? Wie schätzen Sie die Stimmung bei den übrigen Herstellern ein? Könnte es noch einen weiteren Rückzug, beispielsweise Suzuki, geben? Oder werden die alle dabei bleiben?
! Die bleiben, daran besteht überhaupt kein Zweifel. Aber wie gesagt: Ich habe nicht direkt mit den Herstellern gesprochen. Ich war nur in Japan, um mit den Kawasaki-Leuten zu reden, die ihren Rückzug bekanntgegeben hatten. Wir haben versucht, eine Lösung zu finden, die es Kawasaki erlaubt, weiterhin mitzumachen oder wie wir zumindest erreichen können, dass ihre beiden Fahrer John Hopkins und Marco Melandri weiter fahren können. Aber das ist eine interne Diskussion zwischen Kawasaki und der Dorna.

? Glauben Sie, dass es tatsächlich nur wirtschaftliche Erwägungen waren, die Kawasaki zu diesem Schritt geführt haben, oder spielten auch die schlechten sportlichen Ergebnisse eine Rolle?
! Dazu habe ich keine persönliche Meinung. Kawasaki hat erklärt, dass sie durch die wirtschaftliche Situation zu dieser Maßnahme gezwungen seien. Mir bleibt nichts übrig, als ihnen das zu glauben.

? Wenn Kawasaki also nicht mehr mitspielen möchte: Was kann die Dorna tun, um diese beiden Motorräder doch an den Start zu bringen? Reicht es, Geld hineinzustecken?
! Wir können helfen, eine Lösung zu finden. Finden wir eine, haben wir 19 Motorräder. Wenn nicht, sind es nur 17.

? Zeichnet sich denn schon eine Lösung ab?
! Wir sind noch in der Diskussion mit Kawasaki. Bevor diese Phase nicht beendet ist, wissen wir nichts.

? Kawasaki hat angekündigt, trotz allem die MotoGP-Motorräder für 2009 bereits am kommenden Wochenende mit Testfahrer Olivier Jacque in Australien auszuprobieren. Das ist aber noch innerhalb des Zeitraums, in dem Testfahrten offiziell verboten sind – der endet erst am kommenden Dienstag. Wäre das in Ordnung?
! Ja, denn das Testverbot gilt nur für die MotoGP-Piloten selbst, nicht für Testfahrer.

? FIM-Präsident Vito Ippolito macht sich ebenfalls Sorgen um die Weltmeisterschaft. Er wünscht sich, dass es auch in der MotoGP-WM käufliche Production Racer für private Teams gibt, wie das in den 80er Jahren der Fall war. Eine gute Idee?
! Jeder Vorschlag von Herrn Ippolito ist uns willkommen. Aber wir haben dieses Abkommen mit der MSMA, und deshalb sind – auch, wenn es um kostensenkende Maßnahmen geht -, nur Ideen realisierbar, mit denen die Hersteller einverstanden sind.

? Was werden die Ihrer Meinung vom Thema Production Racer halten?
! Dazu kann ich nichts sagen. Nochmal: Alle Entscheidungen über das technische Reglement werden in der Grand-Prix-Kommission gemacht, in der die MSMA, die FIM, die IRTA und die Dorna vertreten sind.

? Sind den schon kostensenkende Maßnahmen beschlossen, die noch dieses Jahr umgesetzt werden?
! Es wird ein weiteres Treffen der MSMA anlässlich der offiziellen Testfahrten in Sepang vom 6. bis 7. Februar geben. Daran anschließend wird die GP-Kommission zusammentreten und über mögliche Konsequenzen reden – auch solche, die schon 2009 wirksam werden.

? Herr Ezpeleta, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.

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