Interview mit Norman Kronseder (Archivversion)

Der Regensburger Saatgut-Fabrikant Norman Kronseder, 43, hatte auch beim vierten Versuch kein Glück – Technikprobleme stoppten ihn frühzeitig. Während der Rallye-Tross an ihm vorbeizog, machte er seine ganz persönlichen Beobachtungen.

Herr Kronseder, auch Ihr vierter Versuch, bei der Rallye Dakar das Ziel zu erreichen, ist fehlgeschlagen: 2004 hat Jutta Kleinschmidt Sie mit dem Auto aus dem Sattel geholt, 2005 unterlief
Ihnen ein irreparabler Navigationsfehler, 2006 ein schwerer Sturz, jetzt wurden Sie von einem technischen Defekt gestoppt. Die Dakar liebt Sie nicht,
sagen Sie. Lieben Sie die Dakar?
Ja, sonst wäre ich bestimmt nicht viermal mitgefahren. Obwohl ich ausge-
fallen bin, habe ich die Rallye danach jeden Abend auf Eurosport verfolgt – das ist schon faszinierend. Am Fernsehbildschirm übrigens bedeutend faszinierender, als wenn man selbst dabei ist.
Woher rührt für Sie dieser Unterschied zwischen TV-Übertragung und Realität?
Im Fernsehen kommt die Dakar viel stärker als Mythos rüber und weckt beim Zuschauen das Gefühl: Da muss ich mal dabei gewesen sein. Vor Ort wirkt das
dann schon sehr viel kommerzieller. Als Teilnehmer spürst du, dass es dem Veranstalter reichlich egal ist, wer da mitfährt.
Wie zeigt sich diese Kommerzialität?
Das merkt eigentlich nur, wer auch andere Rallyes fährt wie die Optic in Tunesien, die Pharao in Ägypten oder die Orient in der Türkei. Da freuen sich die Leute einfach viel mehr über jeden, der mitmacht. Die Dakar hat das Problem, dass sie so groß ist. Bei derart vielen Teilnehmern können die Veranstalter sich kaum um jeden einzelnen kümmern.
Nach Ihrem Ausfall saßen Sie fest und haben die Rallye beobachtet. Ihre Erkenntnisse?
Dass bei der Dakar Leute mitfahren, die dort nichts zu suchen haben. Das sehe ich schon daran, wie die fahren. Ich habe zwei Kollegen geholfen, die sich auf der Düne eingegraben hatten. Einer wollte, dass ich ihm beim Ausbuddeln helfe. Dass man das Motorrad einfach umlegen, wieder aufstellen und dann weiterfahren kann, hatte der noch nie gesehen. Als ich ihn wieder aufs Motorrad gesetzt hatte, gab er Halbgas und grub sich damit gleich wieder
ein. Ich hab’ ihn gefragt, ob der denn nicht weiß, wie man eine Düne hochfährt? Keine Ahnung, hat er gesagt. Da hab’ ich ihm
sein Motorrad eben über die nächste Düne
gefahren. Das war aber nicht der Einzige, von der Sorte gab es viele. Ich schätze, ein
Drittel der Motorradfahrer war bei der Dakar fehl am Platz.
Trifft denn die Rallye-Organisation eine willkürliche Auswahl?
Die nehmen immer ein Drittel Neu-linge – aus den insgesamt mehr als 350
Bewerbungen, von denen rund 250 ins Rennen kommen. Weil jeder einmal seine Chance erhalten soll, sagen sie, aber das hat natürlich viel eher einen konkreten wirtschaftlichen Hintergrund.
Kalkuliert der Veranstalter mit Leuten, die komplett bezahlen, früh ausfallen und dann nicht bis zum Ende durchgefüttert werden müssen?
Ganz bestimmt.
Dieses Jahr verunglückten zwei erfahrene Offroad-Piloten tödlich. Erhöht sich durch die vielen Neulinge die Gefahr, dass mehr passiert?
Das möchte ich nicht sagen. Die Neulinge sind so langsam – wenn da etwas vorkommt, ist es einfach ein Unglück.
Ihr Tipp für jemanden, der mal bei der Dakar starten will?
Sich zunächst gar nicht mit der
Dakar zu befassen, sondern erst einmal kleinere Wüstenrallyes zu fahren.

Das Interview führte MOTORRAD-Redakteur Andreas Schulz.

Artikel teilen

Aktuelle Gebrauchtangebote