Interview mit Troy Corser (Archivversion) Mit der BMW auf Top-Fünf-Ränge

Troy Corser, 2009 werden wir Sie in der Superbike-WM als BMW-Werksfahrer wiedersehen. Ihr bisheriges Motorrad, die Werks-Yamaha R1, wurde im Laufe der Superbike-WM-Saison immer stärker und gehört inzwischen zur absoluten Spitze. Wagen Sie also den Sprung ins Ungewisse?
Nun, das stimmt nur bedingt. Yamaha bringt für das kommende Jahr eine komplett neue Generation der R1. Da ist also auch sehr viel Entwicklungsarbeit nötig. Vor diesem Hintergrund sehe ich den Wechsel zu BMW als weniger gravierend, als es auf den ersten Blick erscheinen mag.

Dennoch betreten sie zusammen mit BMW absolutes Neuland.
Klar, BMW hat noch keine Rennsport-Erfahrung. Aber das Konzept hat mich überzeugt. Und es steht eine große, sehr potente Firma dahinter. Im Vergleich zu meinen Erfahrungen mit dem Foggy-Petronas-Team vor einigen Jahren dürften die Voraussetzungen bei BMW, vor allem im Bereich der Motorenentwicklung, ungleich viel besser sein. Das Foggy-Petronas-Chassis damals haben wir sehr gut hinbekommen. Es haperte nur am Motor. Wenn wir also ein vernünftiges Fahrwerk entwickeln können und BMW einen sehr starken Motor bringt, wovon ich überzeugt bin, dann werden wir schon bald sehr gut aussehen.

Wie gut?
Selbstverständlich werden die Bäume im ersten Jahr nicht in den Himmel wachsen. Aber Plätze unter den Top-Fünf rechne ich mir im ersten Jahr schon aus.

BMW hat ganz sicher auch gerade Sie verpflichtet, weil Sie im Ruf eines exzellenten Entwicklungsfahrers stehen. Welche besonderen Fähigkeiten sind da gefragt?
Ich glaube, das ist nichts, was ich mir bewusst antrainiert habe. Vielmehr halte ich da den Verlauf meiner Karriere für mit entscheidend. Ich bin sehr viele verschiedene Maschinen gefahren, Ducati- und Aprilia-Twins, den Foggy-Petronas-Dreizylinder, japanische Vierzylinder, 500er-Zweitakt-GP-Maschinen. Da entwickeln sich Vergleichs- und Analyse-Fähigkeiten fast von allein.

Wann werden Sie die BMW S 1000 RR zum ersten Mal fahren können, und was erwarten Sie?
Unmittelbar nach dem Superbike-WM-Finale in Portugal am 2. November bin ich von Yamaha freigestellt und werde mehr oder weniger unverzüglich mit der Testarbeit an der BMW beginnen. Vielleicht nicht sofort am Montag in Park Algar, aber sicher noch in dieser Woche, wohl in Valencia oder auf einer anderen spanischen Strecke. Dann gibt es eine Menge zu tun, damit wir am 3. März beim Saisonauftakt in Phillip Island schon konkurrenzfähig auftreten können. Immerhin ist das ja mein Heimrennen.

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