Interview mit Valentino Rossi (Archivversion) "Sieg dringend nötig"

Mit dem Sieg in Shanghai blamierte Valentino Rossi alle Kritiker, die ihn abgeschrieben hatten. Doch er weiß: Die Konkurrenz ist nicht schwächer geworden.

Endlich wieder ein Sieg – da fiel Ihnen sicher ein riesiger Stein vom Herzen?
Ich habe acht Monate nicht gewonnen, das ist eine lange Zeit. Für mich war das besonders hart, weil ich zuvor stets in der glücklichen Situation war, regelmäßig zu gewinnen. Ich war das Siegen gewöhnt. Deshalb habe ich diesen Erfolg so herbeigesehnt. Ich bin auch zufrieden mit mir und der Welt, wenn ich einen Podestplatz erkämpfe, doch manche Gefühle stellen sich nur bei Siegen ein. Es ist wahr: Ich habe diesen Triumph dringend gebraucht.

Jetzt feiern Sie Ihren ersten Sieg auf Bridgestone. Stimmt es wirklich, dass Sie Ihre Entscheidung für einen Wechsel der Reifenmarke nie in Zweifel gezogen haben?
Die ersten Rennen waren schwierig, denn die ganze Welt hat erwartet, dass ich auf Anhieb gewinnen würde. Meine Entscheidung habe ich aber zu keiner Sekunde bereut, denn ich brauchte eine neue Motivation. Doch wie schon gesagt: Ich brauchte auch diesen Sieg.

Weltmeister Ducati macht einen weniger starken Eindruck als vergangenes Jahr. Sehen Sie das auch so?
Ja. Die Ducati ist zwar immer noch sehr schnell, aber der Vorsprung vom letzten Jahr ist nicht mehr da. Unser Motorrad hat sich sehr zum Positiven entwickelt, und auch die Honda läuft deutlich besser. Doch Vorsicht: Casey Stoner hatte ein Problem mit der Reifenwahl, andernfalls hätte er zumindest in unserer Nähe mithalten können. Er fährt wie der Teufel und wird bis zum Saisonende um den Titel mitkämpfen.

Wie liegen die Karten in der Weltmeisterschaft? Ein Grand mit vieren?
Noch ist die Saison zu jung. Man darf nicht vergessen, dass Lorenzo mit verletztem Bein ein großartiges Rennen gefahren ist, und bei Pedrosa ist auf jeden Fall Vorsicht geboten: Er fährt wirklich gut und ist bislang der Einzige, der überall Podestplätze einsammelt.

Wer von beiden ist der Bessere?
Schwer zu sagen. Sie sind beide sehr, sehr stark. Sagen wir: Sie liegen derzeit beide bei 50 Prozent des möglichen Maximums.

Wird einer der beiden zum künftigen Rossi?
Um das zu beurteilen, muss ein bisschen mehr Zeit ins Land gehen, denn ich habe über viele Jahre hinweg gewonnen. Genau das ist das Schwierige, sich dort oben zu halten. Man kann einen Titel gewinnen, das jedoch mehrmals zu wiederholen, ist die eigentliche Kunst. Natürlich fühlt sich Lorenzo derzeit enorm stark. Und Pedrosa wurde letztes Jahr nicht etwa durch eigenes Unvermögen, sondern durch das Pech aufgehalten, dass die Honda mit den Michelin-Reifen nicht recht funktionierte.

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