Interview Troy Corser (Archivversion) Lieber entwickeln als um Siege kämpfen

Der zweifache Superbike-Weltmeister und neue BMW-Werksfahrer Troy Corser im Gespräch über seine Arbeit im neuen Superbike-WM-Projekt aus Bayern.

Troy Corser, als Superbike-Vizeweltmeister hätten Sie 2009 in einem etablierten Team weiterfahren können. Warum stellen Sie sich im Alter von
37 Jahren einer völlig neuen Herausforderung?

Inzwischen befriedigt es mich mehr, ein neues Motorrad zu entwickeln und eine Marke auf ein konkurrenzfähiges Niveau zu bringen, als an jedem Wochenende auf einem bekannten Top-Motorrad um Siege zu kämpfen, die jeder von mir erwartet. Ich habe nur noch ein paar Jahre als Rennfahrer vor mir und bereits ein paar WM-Titel gewonnen. Jetzt liegt der Reiz darin, eine neue Maschine nach vorn zu bringen. Außerdem, warum sollten wir nicht auch mit BMW schon bald den Titel gewinnen? Das Motorrad hat jede Menge Potenzial.

Wie fühlt sich die BMW an im Vergleich zu den insgesamt sechs Superbike-Marken, die Sie schon bewegt haben?
Die Motorcharakteristik ist sehr ähnlich wie bei Yamaha, das Feeling mit dem Chassis ein bisschen wie bei Suzuki. Die V2-Maschinen sind völlig anders. Die BMW ist leicht einstellbar. Bislang habe ich mit jedem Motorrad den Punkt erreicht, an dem ich mich wohl gefühlt habe. Manchmal hat das Monate, manchmal auch ein Jahr gedauert. Bei der BMW dauerte es nur wenige Tage.

Neben Motor und Fahrwerk entwickelt BMW auch eine eigene Elektronik. Ist das der schwierigste Job?
Wenn man auf diesem Niveau konkurrenzfähig sein will, sind sämtliche Teile am Motorrad eine besondere Herausforderung, vor allem so früh in der Entwicklung. Andere Hersteller haben viele Jahre Erfahrung. Wir starten überall am Nullpunkt, ohne Referenzpunkte. Die größte Schlacht, die wir zu schlagen haben, ist, eine gute Ausgangsbasis für jede Strecke zu finden und das Motorrad von diesem Punkt an weiter zu verbessern.

Wo liegt das gegenwärtige Niveau?
Die schnellste Runde eines Fahrers zeigt, wo die Latte liegt. Ich war am Samstagvormittag Fünfter, nachdem ich das ganze Training über versucht hatte, mit größeren und kleineren Änderungen die beste Chassis-Position und die angenehmste Moto-charakteristik auszuloten. Wenn wir dann noch die richtige Reifenkombination aufziehen, schaffe ich solche Rundenzeiten.

Waren Sie von sich selbst überrascht, dass Sie nach der verunglückten Superpole aus der fünften Startreihe ins Vorderfeld vorstoßen und im ersten
Lauf den achten Platz erkämpfen konnten?

Nein, ich habe einen Top-Ten-Platz erwartet. Ich hatte einen sehr guten Start, das Motorrad funktionierte perfekt, und ich hatte ordentlich Grip vorn und hinten. Gleich im ersten Rennen den achten Platz zu holen und die schnellste Rennrunde zu drehen war ein toller Start und ein fantastisches Resultat für BMW.

Im zweiten Rennen konnten Sie die Leistung nicht bestätigen
Mein Hinterreifen war völliger Mist, von der zweiten Runde an hatte ich keinerlei Grip. Dabei war es genau der gleiche Reifentyp wie im ersten Rennen.

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