Krise bei Honda (Archivversion)

Nicky Hayden fuhr dank Michelin-Qualifyer-Reifen zwar die Testbestzeit in Sepang, die Honda-Probleme konnte dies aber nicht verdecken.

Dani Pedrosa wurde gleich am ersten Tag zum großen Pechvogel der Malaysia-Tests. War sein erster Ausrutscher am Vormittag noch harmlos, so schlug sein Motorrad beim zweiten unverhofften Sturz übers Vorderrad am Nachmittag so wuchtig in die Streckenbegrenzung ein, dass die berstende Hinterradschwinge den Benzintank durchbohrte und einen hollywoodwürdigen Feuerball auslöste. Das Inferno war auch ein Sinnbild für verglühende Hoffnungen, denn gleichzeitig hielt sich Pedrosa die verletzte rechte Hand. Der zweite Mittelhandknochen war gebrochen und wurde nach sofortiger Heimreise in Barcelona mit einer Titanplatte und sieben Schrauben wieder zusammengesetzt.

Die Zwangspause von minimal drei Wochen bedeutet zwar kein größeres Risiko für den WM-Auftakt. Wohl aber ist sie ein weiterer Bremsklotz in der Entwicklung der neuen RC 212 V mit pneumatischer Ventilsteuerung, bei der Honda ohnehin dramatisch ­im Verzug ist. Die erste, gleich nach dem Saisonende 2007 getestete Version hatte zwar viel Spitzenleistung, aber eine derartige Delle in der Drehmomentkurve, dass sich sowohl Hayden als auch Pedrosa nach den alten Motoren mit herkömmlichen Ventilfedern zurücksehnten.

Weil die aber nicht in die neuen Chassis passten, wurde zunächst ein Hybrid zwischen neuem Motorgehäuse und herkömmlichem Ventiltrieb gebaut. Das Warten auf eine neue Motorversion mit Pneumatikventilen wurde zur Zitterpartie: Zunächst stand keineswegs fest, ob Honda überhaupt an den ersten Malaysia-Tests des neuen Jahres teilnehmen würde. Als das Team dann doch anreiste, blieben die neuen Motoren in den Frachtkisten versteckt. Wegen eines nicht weiter spezifizierten Materialfehlers drohten kapitale Schäden, Hayden und Pedrosa mussten sich zunächst mit den älteren Hybrid-Versionen zufrieden geben.

Erst für den zweiten Test-Tag, nach pausenlosen Prüfstands-Versuchen im Werk, kam aus Japan grünes Licht für das Debüt der neuen Aggregate – freilich nur ­für eine Laufzeit von jeweils zwölf Runden. Sehr zum Leidwesen des Test-Solisten Hayden hatte der neue Motor weniger Leistung als die ältere Hybridvariante, dessen Drehmomentschwäche war aber noch immer vorhanden.

Dass Hayden am dritten Tag mit Qualifi­kationsreifen die Bestzeit in den Asphalt brannte, war insgesamt ein schwacher Trost. Denn diese Zeiten hatte er wieder mit einem älteren Motor erzielt, die Probleme der neuen Version mit Pneumatikventilen blieben ungelöst. Dem Amerikaner blieb nichts, als auf bessere Zeiten zu warten: »Ich hoffe, dass Honda etwas unternimmt, damit es bei den IRTA-Tests im Februar wieder hier in Sepang besser aussieht. Wir können das schaffen. Wenn es einen Hersteller gibt, der das Ruder herumreißen kann, dann ist es Honda.“

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