Kurbelwellendrehrichtung (Archivversion) Besser vorwärts – oder lieber andersherum?

Üblicherweise drehen sich die Kurbelwellen der MotoGP-Maschinen vorwärts, also
in derselben Richtung wie die Räder – mit einer Ausnahme: Der Motor der Werks-Yamaha von Valentino Rossi und Colin Edwards dreht sich rückwärts. Die beiden Drehrichtungen beein-
flussen das Fahrverhalten auf unterschiedliche Weise. Der Effekt aufs Fahrverhalten, die Drehmoment-Reaktion, ist dabei proportional zur Winkelbeschleunigung der Kurbelwelle. Das heißt, dass dieser Effekt etwa beim Beschleunigen aus langsamen Kurven größer wird. Außerdem spielen die Kreiselkräfte der Kurbelwelle beim Einlenken in die Kurve eine Rolle.
Es ist eine Grundsatzfrage, welche Drehrichtung die meisten Vorteile bietet. Für das Kurvenfahren, also Bewegungen um die Längsachse, gilt: Dreht sich die Kurbelwelle vorwärts, addieren sich die Kreiselkräfte von Rädern und Welle – die Maschine wird unhandlicher. Rotiert die Kurbelwelle gegenläufig, heben sich die Kreiselkräfte teilweise auf, und das Motorrad wird handlicher – möglicherweise jedoch so weit, dass es des Guten zu viel ist. Beim Beschleunigen und Bremsen, wenn das Motorrad sich um seine Querachse bewegt, wirkt sich die Drehrichtung auf die Radlast aus. Eine rückwärts drehende Kurbelwelle reduziert zum Beispiel die Neigung zum Wheelie.
Auf der anderen Seite bedingt eine rückwärts
drehende Kurbelwelle eine zusätzliche Umkehrwelle, damit das Getriebe in der benötigten
Drehrichtung bewegt wird. Yamaha nutzt diese gleichzeitig als Ausgleichswelle, die aber wesentlich stärker als normal dimensioniert sein muss. Denn sie muss nicht nur ein paar Ausgleichgewichte zum richtigen Zeitpunkt ins Spiel bringen, sondern auch die Drehrichtung des Primärtriebs umkehren.

Artikel teilen

Aktuelle Gebrauchtangebote