MotoGP: Laguna Seca/USA (Archivversion) Daniel in der Löwengrube

Mehr oder weniger geduldig durchlitten Daniel Pedrosa und sein Repsol-Honda-Werksteam ein 13-monatiges siegloses Tränental. In den kalifornischen Dünen von Laguna Seca kehrte der Spanier jetzt triumphal zurück.

Casey Stoner plagte sich mit einer mysteriösen Magenerkrankung. Jorge Lorenzo stürzte kurz nach der Trainingsbestzeit schwer und verrenkte sich das rechte Schlüsselbein. Die zwei wichtigsten Rivalen von Valentino Rossi waren angeschlagen, und so deutete beim USA-Grand Prix in Laguna Seca alles auf den 101. Rossi-Triumph hin.

Doch dann schlug Dani Pedrosa zu. Wie ein Blitz aus heiterem Himmel zuckte der kleine Spanier an die Spitze des Feldes, konnte seinen Vorsprung dort halten und sogar ausbauen.

War Pedrosa nicht von Verletzungen geplagt? Irritierten ihn nicht beharrliche Fahrwerksschwächen an seiner Repsol-Honda? Nichts mehr war davon zu sehen. Immer, wenn Verfolger Rossi Druck machte, um den Rückstand zu verkürzen, wusste Pedrosa die passende Antwort. Der kleine Spanier kontrollierte souverän einen Zwei-Sekunden-Vorsprung. Bis in die letzte Runde: Pedrosa hatte wohl seinen mit 1,7 Sekunden angezeigten Vorsprung überschätzt, drosselte das Tempo zu sehr und wäre vor dem Zielstrich fast noch von Rossi eingefangen worden. So aber feierte er den ersten Honda-Sieg seit über 13 Monaten und beendete eine Pechsträhne, die mit dem Horror-Crash beim verregneten Deutschland-Grand Prix 2008 begonnen hatte.

Jetzt endlich war er wieder da, wie Phönix aus der Asche. „Ich bin erstmals in diesem Jahr ohne Behinderung, ohne Schmerzen gefahren,“ atmete Daniel Pedrosa nach dem Laguna Seca-Sieg erleichtert auf. Auf der kurvigen Wild West-Strecke mit ihrem legendären „Corkscrew“-Abschnitt konnte er außerdem die Vorteile eines neuen, an einigen kritischen Punkten verstärkten Chassis ausspielen, das in Barcelona eingeführt worden war und die Repsol-Honda beim Anbremsen stabiler und beim Einbiegen gefügiger macht.
Damit ist er Favorit für den deutschen GP am 19. Juli auf dem Sachsenring, wo er bis auf den Vorjahressturz stets glänzende Ergebnisse erzielt hatte. „Ein schöner Tag kompensiert noch kein Jahr der Enttäuschungen. Wir werden auch auf dem Sachsenring alles für ein optimales Set-Up tun müssen,“ dämpfte Pedrosa alle überhöhten Erwartungen.
Dennoch steht fest: Die Saison 2009 bleibt span-nend und voller Überraschungen. Der zuletzt so über-legene Rossi geriet nicht nur durch Pedrosa, sondern auch durch seine Verfolger in Bedrängnis. Obwohl er am Samstag nach seinem Sturz kaum gehen konnte, gab sich Lorenzo nicht mit dem dritten Platz zufrieden, sondern griff Rossi mit gewohnter Todesverachtung an und wäre dabei fast erneut gestürzt. Von Yamaha hat Lorenzo mittlerweile ein Angebot für einen neuen Vertrag vorliegen, aber noch nicht unterschrieben. „Er ist der Beste aller Newcomer und hat das Zeug zum Rossi-Nachfolger. Wir würden ihn gerne halten“, stemmt sich Yamaha-Renndirektor Masao Furusawa gegen Gerüchte, der spanische Telefongigant Telefonica wolle mit Lorenzo als MotoGP-Sponsor bei Honda zurückkehren.
Casey Stoner bleibt ebenfalls ein hartnäckiger Gegner, auch wenn er sich wegen erneut nachlassender Kräfte mit Platz vier begnügen musste. „Diesmal wurde mir nicht ganz so schlecht wie in Assen und in Barcelona“, erklärte der Australier, der nach dem Rennen verschiedene Spezialärzte in San Francisco konsultierte, um sich gründlich untersuchen zu lassen. „Dafür aber schwoll mein im Winter operierter linker Unterarm wegen der vielen Linkskurven an und verkrampfte. Leider hat der Sachsenring hat auch eine Menge Linkskurven. Wenn ich daran denke, graust es mir jetzt schon.“

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