MotoGP-Reifenkrieg (Archivversion) Misstrauensvotum

Das gab‘s noch nie: Für Dani Pedrosa wechselt das Honda-Werksteam mitten in der Saison den Reifenlieferanten.

Yamaha-Werksfahrer Valentino Rossi mit Bridgestone-Reifen auf Platz eins, Teamkollege Jorge Lorenzo mit Michelin-Gummi auf Rang zwei – beim Misano-GP feierte nicht nur Lorenzo ein Comeback in der Weltspitze, sondern auch der zuletzt gebeutelte französische Reifenproduzent. Fünf Michelin-Piloten fuhren in die Top Ten des MotoGP-Rennens.

Um so verblüffter waren die Journalisten, als Kosuke Yasutake, Direktor der Honda-Rennab-teilung HRC, und Repsol-Manager Arturo Sus nach dem Rennen den sofortigen Wechsel von Dani Pedrosa zu Bridgestone ankündigten. „Nicht wegen der Performance der Reifen, sondern weil Dani und Michelin nicht zueinanderpassen. Hauptsponsor Repsol hat uns nahegelegt, ihm einen schnellen Wechsel zu ermöglichen“, erklärte Yasutake mit vorsichtigen Worten. „Dani hatte kein Vertrauen in sein Material, deshalb haben wir alle Register gezogen, das zu beenden“, bestätigte Sus. Pedrosa war aus der Schusslinie und konnte ohne zu lügen behaupten, den Wechsel nie selbst gefordert zu haben.

Freilich hatte der kleine Spanier bereits so viel Porzellan zerschlagen, dass an eine vernünftige Zusammenarbeit mit Michelin nicht mehr zu denken war. Nachdem er die WM bis zur Saisonmitte angeführt und seine Titelchancen dann mit dem Sturz auf dem Sachsenring weggeworfen hatte, reichten zwei verkorkste Rennen, um das Klima zwischen Dani und Michelin ein für allemal zu vergiften. Pedrosa übte lautstarke öffentliche Kritik, warf Michelin vor, Fehler nicht zugeben zu können. So kam es, dass Honda die Zusammenarbeit mit den Franzosen nach 24 Jahren und 14 WM-Titeln mitten in der laufenden Saison teilweise beendete und sich Fragen nach Moral und Ehre gefallen lassen musste.

Während Teamkollege Hayden bei Michelin bleibt, fuhr Pedrosa bei ersten Bridgestone-Tests am Montag nach dem Misano-GP gleich zur Tagesbestzeit. Abstimmungsprobleme hatte er kaum, denn von Kollege Nakano lagen Daten vor: Rein zufällig hatte Honda den japanischen Bridgestone-Piloten schon in Brünn mit einer Replika von Pedrosas Maschine ausgestattet.

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