MotoGP-Technik: Boxeneinrichtung (Archivversion) Gewohnte Umgebung

Ob Sepang oder Sachsenring – in der Box von Loris Capirossi sieht es immer gleich aus. Damit der Ducati-Werksfahrer bei der Jagd nach WM-Punkten durch nichts aus dem Konzept gebracht wird, hat alles seinen festen Platz. Wie in Mutters Wohnzimmer.

Zugegeben: So, wie es das Foto oben und auf Seite 134/135 zeigt, sieht es während eines Grand-Prix-Wochenendes nie in der Garage des Ducati-Werksteams aus. Nicht einmal mitten in der Nacht vor dem ersten offiziellen Freitagstraining, wenn alles vorbereitet ist, garantiert kein Mechaniker mehr etwas zu schrauben hat und den Ingenieuren noch keine Daten vorliegen, die sie an ihren Computerbildschirmen auswerten könnten.

Weder gehört die Startmaschine dorthin, wo sie steht, noch hat die Tankanlage mitten im Weg etwas verloren. Der Hinterreifen mit der Heizdecke drauf befindet sich normalerweise in einem mobilen Regal und braucht natürlich einen Stromanschluss. Und auf der Arbeitsplatte rechts im Bild liegt höchstens die Kladde, in der Loris Capirossis Renningenieur Cristhian Pupulin akribisch jede Kleinigkeit vermerkt, die während der Trainingsläufe an der Abstimmung der Ducati Desmosedici mit der Startnummer 65 geändert wird.

Um den MOTORRAD-Lesern einen Eindruck davon zu geben, welchen Aufwand die MotoGP-Teams heute treiben, um in der höchsten Kategorie des Motorrad-Straßensports ein Wörtchen mitreden zu können, ließ sich Ducati-Teammanager Dario Raimondi dazu überreden, gut geplante Unordnung in die Box des Rennstalls aus Bologna zu zaubern – stellver-
tretend für die Kollegen der anderen Teams.

12000 Kilo Fracht schickt die Rennabteilung Ducati Corse zu jedem Grand Prix, dazu rund zwei Dutzend Mitarbeiter – einige von ihnen haben 2005 um die 40000 Reisekilometer allein in Flugzeugen abgesessen. Die haben den Überblick über die 912 unterschiedlichen Komponenten, aus denen jede Desmosedici besteht.
Nach der Ankunft am Rennplatz müssen die Spezialisten aber zunächst pro-
fane Arbeit erledigen. In den üblicherweise betonkalten Garagen wird grauer Teppich-
boden verlegt. Wenn’s etwas wohnlicher ist, arbeitet es sich einfach besser.

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