MotoGP-Tests in Jerez/E (Archivversion) Neujahrssprint

Wenn nach dem Finalrennen die Zielflagge fällt, ist die MotoGP-Saison noch längst nicht zu Ende. Valentino Rossi und Co. nutzten im spanischen Jerez die letzte Möglichkeit für schnelle Runden, zumeist schon auf dem Material, das sie im neuen Jahr fahren werden.

Auch in der Motorrad-Straßenweltmeisterschaft gibt es so etwas wie die Zeit zwischen den Jahren. Das sind die Tage zwischen dem letzten Rennen und dem Beginn der sogenannten „Test-Ban-Period“, dem Zeitraum von Dezember bis zum 20. Januar, in dem jegliche Testfahrten untersagt sind. Zwar herrscht einerseits Konsens darüber, dass diese stark siebenwöchige Zwangspause sein muss, um vor allem den gestressten Mechanikern eine Verschnaufpause zu gönnen. Andererseits hat im Geschäft mit Höchstgeschwindigkeit und Spitzenleistung niemand etwas zu verschenken, schon gar nicht, wenn es um Vorbereitungszeit geht. Deshalb rückte das gesamte MotoGP-Fahrerfeld rechtzeitig noch einmal zu Probefahrten aus – im alten Jahr, mit dem Material fürs neue.

Wer in Europa testen wollte, reiste ins südspanische Jerez. Namentlich waren dies die Top-Teams von Ducati, Honda und Yamaha, während die Darsteller aus der zweiten Reihe, Kawasaki und Suzuki, nach Australien eilten. Weil dort Mängel an Motorleistung und Hinterrad-Grip besonders deutlich zutage treten, hieß es. „Die Lösungen, die wir dort finden, werden uns auch auf allen anderen Rennstrecken helfen“, hofft Suzuki-Pilot Chris Vermeulen. „Wir hatten hier in der Vergangenheit Probleme, die wir loswerden wollen“, erklärte Kawa-saki-Teammanager Michael Bartholemy.

Immerhin gaben die Suzuki-Leute zu, dass sie nicht unbedingt scharf darauf waren, ihren aktuellen Entwicklungsstand im direkten Vergleich mit der großen Konkurrenz zu sehen. Deshalb hielten sowohl Suzuki als auch Kawasaki, wo die Fahrer neue Einzelkomponenten für Fahrwerk und Motor an den 2008-Motorrädern ausprobierten, ihre Rundenzeiten unter Verschluss. Um die ging es nämlich in Jerez, wo die Top-Fahrer von Ducati, Honda und Yamaha bereits mit kompletten Maschinen des Jahrgangs 2009 um den Kurs flitzten. Erste Bilanz: Die potenziellen Anwärter auf den MotoGP-WM-Titel sind dieselben wie dieses Jahr – Valentino Rossi, sein Yamaha-Kollege Jorge Lorenzo und Honda-Speerspitze Dani Pedrosa. Alle drei fuhren auf den neuen Bridgestone-Einheitsreifen schneller als beim Jerez-GP im Frühjahr, Rossi und Pedrosa distanzierten dabei die gesamte Konkurrenz um eine Sekunde.

Allerdings bleibt eine unbekannte Größe im Spiel. Casey Stoner, der von Rossi entthronte Weltmeister in Ducati-Diensten, war nur als Zuschauer vor Ort. Stoner hatte sich kurz nach dem letzten GP in Valencia der lange anstehenden Operation seines linken Handgelenks unterzogen und wird erst Anfang Februar bei den offiziellen MotoGP-Tests in Sepang/Malaysia wieder aufs Motorrad steigen. „Das wird wohl meine längste Pause vom Motorradfahren sein, seit ich drei Jahre alt bin“, grinste der Australier, der sich mit guten Tipps für seinen neuen Teamkollegen im Ducati-Werksteam Nicky Hayden nützlich machte.

Andere hatten Klinikbesuche auf die Zeit nach den Tests terminiert. Inzwischen haben sich MotoGP-Rückkehrer Sete Gibernau, Kawasaki-Fahrer John Hopkins und der von Ducati auf Honda umgestiegene Toni Elias Metallplatten aus verschiedenen Körperteilen entfernen lassen. „Danach bin ich vermutlich um zwei Kilo leichter“, hatte Hopkins noch gescherzt, nachdem er sich drei Tage lang unter Schmerzen geplagt hatte – die Bänder im linken Fußgelenk scheuerten bei jedem Schaltvorgang an einem der Metallteile.

Während die Leistungen der Aufsteiger Mika Kallio, Yuki Takahashi (beide bisher 250 cm3) und Niccolò Canepa (Testfahrer) sowie der Umsteiger Elias (von Ducati auf Honda) und Andrea Dovizioso (von Kunden- auf Werks-Honda) genau beobachtet wurden, genossen die neuen Bridgestone-Einheitsreifen besondere Aufmerksamkeit. „Für uns ist es ein Vorteil, dass die Tests an zwei verschiedenen Orten stattfinden“, sagte Bridgestone-Motorsport-Manager Tohru Ubukata, „im kühleren Jerez konnten wir bei zwölf Grad Luft- und 18 Grad Streckentemperatur andere Mischungen testen als in Phillip Island bei 25 und 40 Grad.“

Was sich durch die neue Reifenregel für die Fahrer ändert, die sich samt und sonders zufrieden mit den Gummis zeigten, fasste Alex de Angelis zusammen: „Nächstes Jahr müssen wir die Motorräder an die Reifen anpassen. Vorher war das eher umgekehrt.“ Die Arbeit erleichtern dürfte daher, dass Bridgestone angekündigt hat, bei der Weiterentwicklung der Pneus während der Saison keine so großen Schritte mehr zu machen wie noch im Vorjahr.

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