MotoGP-WM 2003: die geilsten Drifts (Archivversion) Die Quertreiber

Die Fahrer freut’s, die Fans auf den Tribünen ebenso, und auch die Fotografen haben ihren Spaß: Driftende MotoGP-Renner und ihre Radierungen auf dem Asphalt sind das Highlight der Straßen-Grand-Prix.

Die Show der MotoGP-Klasse 2003, das waren neun Saisonsiege von Valentino Rossi, der erste Triumph von Ducati und die Tragik der geschlagenen Herausforderer Yamaha, Suzuki, Kawasaki und Proton. Ganz unabhängig von Rang und Reihenfolge gehören aber auch qualmende Hinterreifen und quer gestellte Lenker zum Spektakel der MotoGP-Maschinen. Der Urgewalt von 240 PS freien Lauf zu lassen fühlt sich für die Stars der Branche so an, als hätten sie statt griffigen Asphalts einen zugefrorenen See unter den Rädern. Gefühlvolle Kontrolle ist gefragt, wenn man die enorme Leistung über die Handteller große Aufstandsfläche des Hinterrads halbwegs sicher auf den Boden übertragen will.»Im letzten, schnellen Linksknick der Phillip-Island-Strecke bricht noch bei Tempo 250 das Hinterrad aus, wenn du kräftig Gas gibst. Das zu kontrollieren und in vollem Drift auf die Zielgerade hinauszubeschleunigen ist wie eine Achterbahnfahrt. Oder ein Bungeejump – Adrenalin pur«, erklärt Ducati-Star Loris Capirossi mit leuchtenden Augen.Wie kommt es zu den spektakulären Rutschpartien? »Bei einem Rennen gibt es zwei Phasen. Erst folgt das Hinterrad brav dem vorderen. Doch ab Rennmitte lässt die Seitenhaftung nach. Wenn du dann das Gas aufziehst, kannst du lang und schön kontrolliert driften«, schildert Kawasaki-Pilot Garry McCoy, der diesen Fahrstil auf den relativ früh abbauenden Dunlop-Reifen in diesem Jahr beson-ders kultivieren konnte. »Das ist nicht die schnellste Art, eine Strecke zu umrunden. Aber es ist die, die am meisten Spaß macht«, fügt der King of Slide grinsend hinzu.Die effizienteste Art der Fortbewegung, so Michelin-Renndirektor Nicolas Goubert, sind freilich jene Slides, die mit bloßem Auge nicht erkennbar sind. »Auch wir Reifenleute klatschen uns vor Vergnügen auf die Schenkel, wenn wir die Stars driften sehen. Zumal ein paar Qualmwölkchen für die Reifen völlig unbedenklich sind – sie heizen sich nur dann übermäßig auf, wenn sie sehr lange an einer Stelle strapaziert werden, also zum Beispiel bei sehr langen Kurvenradien«, so Goubert. »Schneller ist allerdings der unauffällige Fahrstil von Max Biaggi, bei dem die Reifenhaftgrenze nur minimal überschritten wird.« Auch Valentino Rossi hat diese Fahrweise meisterlich im Griff – während er gelegentlich zur Freude der Fans und zum eigenen Vergnügen den Reifen qualmen lässt, fährt er dann, wenn es darauf ankommt, blitzsauber seine Spur. Dass die moderne Einspritz- und Drive-by-Wire-Elektronik das Sliden und Driften unterdrückt und die Rennmotorräder einmal so unspektakulär werden wie die Formel-1-Autos, ist dagegen nicht zu befürchten. »Es ist unmöglich, das Limit herauszufinden, ohne mit dem Hinterrad zu driften«, behauptet King Kenny Roberts senior, der mit dem »Rear Wheel Steering« in den 70er Jahren den GP-Fahrstil revolutionierte. »Drifts helfen beim Lenken, und sie zählen zur ganz natürlichen Fahrdynamik einer Rennmaschine. Das wird sich niemals ändern!«Was Loris Capirossi bestätigt. »Wir brauchen das Spektakel, denn Drifts sind Fun, für die Zuschauer ebenso wie für uns. Bald marschieren wir in Richtung 300 PS. Dann werden die Slides und Drifts noch viel extremer!“

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