Motorlayout (Archivversion) Zylinder in Reihe – oder im V?

Was die Dynamik angeht, gleicht ein Motorrad mehr einem Flugzeug als einem Auto. Es bewegt sich mit Roll-, Nick- und Gierbewegungen um drei Achsen, und zwar deutlich stärker als ein vierrädriges Fahrzeug. Die Nickbewegungen eines Autos sind sehr begrenzt, Rollbewegungen um die Längsachse kommen dort so gut wie nicht vor.
Daher ist die Verteilung der Masse beim Motorrad von besonderer Bedeutung. Es gibt einen Schwerpunkt, aber auch ein polares Trägheitsmoment. Wenn zwei Zehn-Kilogramm-Gewichte mit einer Stange verbunden werden, sitzt der Schwerpunkt immer in der Mitte des Systems. Sobald das Ganze gedreht werden soll, ist es dagegen ein Riesenunterschied, ob die Gewichte an den Enden der Stange oder in der Mitte zusammengerückt sitzen.
Dieses polare Trägheitsmoment wirkt beim Motorrad in zwei Richtungen. Einmal vertikal um den Schwerpunkt, bei den durch Bremsen und Beschleunigen ausgelösten Nickbewegungen, und einmal horizontal, wenn die Maschine
in Schräglage geht. Das horizontale Trägheitsmoment wirkt sich auch darauf aus, wie leicht sich ein Motorrad von einer Schräglage in die andere dirigieren lässt.
Ziel aller Motorradkonstrukteure ist es, die Masse so dicht wie möglich um den Schwerpunkt zu gruppieren. Der V-Motor hat unter diesem Aspekt Vorteile, weil seine Masse, speziell was die Bauhöhe betrifft, deutlich geringer ist. Das wirkt sich positiv aufs Handling aus. Die Kurbelwelle kann auf der optimalen Höhe im Fahrwerk sitzen, ohne dass der Schwerpunkt des Motorrads zu weit nach oben rückt. Dies
ist beim Reihenmotor der Fall, wenn die Kurbelwelle optimal zur Schwinge platziert wird. Dafür ist dieses Triebwerk geradliniger aufgebaut, braucht keinen doppelten Ventiltrieb und erlaubt eine einfachere und leichtere Gestaltung des Auspuffsystems.

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