Motorrad-Sport im Jahr 2011 Deutsche Rennerfolge auf breiter Front

Keiner hat ehrlicherweise damit gerechnet - und auf einmal sind sie da: Deutsche Rennfahrer spielen ganz vorn mit - in ganz verschiedenen WM-Serien.

Foto: 2snap

Jörg Teuchert war Supersport-Weltmeister 2000, Dirk Raudies holte den 125er-Grand-Prix-WM-Titel 1993, der jüngste von Anton Mangs immerhin fünf Titeln datiert aus dem Jahr 1987. Und der bislang einzige Motocross-Weltmeister unter schwarz-rot-goldener Flagge war - wenn auch mit Hammer und Zirkel - 1968 Paul Friedrichs. Eine niederschmetternde Statistik, vergleichen wir sie mit unseren Freunden in Spanien etwa oder in Italien.

Aber jetzt, hier und heuer in der Saison 2011, kann alles ganz anders werden. Frische, neue Flaggen in Schwarz-Rot-Gold ersetzen bei den Siegerehrungen die längst verschimmelten alten. Und vor allem: Frische, neue und vor allem auch allesamt noch sehr junge Fahrer aus Deutschland haben sich aufgemacht, die Racing-Welt einzureißen.
Allen voran natürlich Stefan Bradl. "Um einen Platz besser als der Papa", antwortete der gerade 13-jährige Knirps rotzfrech auf die Frage nach seinen sportlichen Zielen, als er 2003, völlig frei von praktischen motorsportlichen Vorbelastungen und eher auf dem Fußballplatz als auf Rennstrecken zu Hause, in den Red Bull Rookies Cup eingestiegen war.

"Der Papa" ist Helmut Bradl, war 1991 250-cm³-Vizeweltmeister und gewann insgesamt fünf Grand-Prix-Rennen. Inzwischen ist Stefan Bradl 21, hat soeben im portugiesischen Estoril auf beeindruckendste Weise seinen fünften GP gewonnen und führt die Moto2-WM an, im Übrigen seit dem Vorjahr die Nachfolgeklasse von Papa Bradls angestammten 250ern, der sich allmählich mit der Nummer-zwei-Position in der ewigen Familienrangliste anfreunden darf.

Dass der Bayer seine Erfolge im Viessmann-Kiefer-Racing-Team aus Idar-Oberstein seit Anfang dieser Saison auch noch auf einem deutschen Motorrad feiert, macht seine Anführerposition in der deutschen Racing-Jugendbande komplett. Seit Stefan Bradl mit dem kleinen, aber feinsten schwäbischen Spezialhersteller Kalex zusammengespannt hat, gibt es kein Halten mehr. Zwei Siege in bisher drei GP-Rennen, dazu unwiderstehliche bis dominante Auftritte an den Trainingstagen, machen Bradl und Kalex zu WM-Favoriten in der zweithöchsten Grand-Prix-Klasse der Rennprototypen mit seriennahen 600-cm³-Honda-Einheitsmotoren.

Die anderen deutschen GP-Helden wollen sich dennoch nicht hinter Bradl verstecken. Sein spezieller Freund Sandro Cortese aus Ulm, wie Bradl 21 Jahre alt, stieg zwar 2011 wieder nicht aus der kleinsten GP-Klasse bis 125 cm³ auf und fährt eine Aprilia im sächsischen Racingteam Germany. Dafür führt ihn die WM-Tabelle nach drei GP auf Rang zwei, hinter dem noch ungeschlagenen Spanier Nicolás Terol, aber nur einen Platz vor dem 17-jährigen Oberbayern Jonas Folger. Hier entbrennt also ein schwäbisch-bayerisches Duell um die Vorherrschaft.

Auch abseits der Asphaltpiste fighten gleich zwei deutsche Angreifer um die Weltspitze mit. Ken Roczen aus Thüringen, wie Jonas Folger gemäß dem gemeinsamen Geburtsjahr mit Nummer 94 unterwegs, drückt 2011 nicht nur der Motocross-WM seinen Stempel auf. Neben der souveränen Führung in der MX2-Meisterschaft bis 250 cm³ Viertakt erschütterte der 17-jährige Neu-Weltbürger beim großen Supercross-Finale in Las Vegas gerade die eigentlich unangreifbare US-Supercross-Welt. "The German Sensation" nannten sie ihn schon vorher in den hauptsächlich an der Westküste angesiedelten Rennstadien. Nach seinem krass überlegenen Sieg im Spielerparadies mit über zwölf Sekunden Vorsprung warten wir nun auf eine Steigerung bezüglich des Kampfnamens seitens der US-Medienkollegen.

Wie auch Bradl ist Ken Roczen keinesfalls allein als Deutscher in der Weltelite. Eine Klasse höher, in der Motocross-Königsklasse MX1 bis 450 cm³, hat der Bayer Max Nagl, wie neuerdings auch Roczen auf KTM unterwegs, in diesem Jahr ebenfalls schon ein WM-Rennen gewonnen. Auf WM-Rang zwei hinter dem französischen Überraschungsmann Steven Frossard lauert er auf den ganz großen Sprung nach vorn - ebenfalls mit sehr guten Chancen. Und mit diesem unserem überaus erfolgreichen Renn-Quintett ist die neue deutsche Racing-Herrlichkeit noch lange nicht zu Ende, wie ein Blick auf die Bildergalerie zeigt.

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