Neues Superbike-WM-Reglement (Archivversion) Alles in Butter

Es war ein monatelanges Hauen und Stechen: Ducati wollte ab 2008 mit seinen neuen 1200-cm3-Motoren gegen die 1000-cm3-Vierzylinder aus hauptsächlich japanischen Werken antreten. Die japanischen Großhersteller heulten lauthals auf und drohten mit kollektivem Ausstieg aus der Superbike-WM – was Ducati für den Fall angekündigt hatte, sollten die 1200er nicht zugelassen werden.
Das Gezerre ist vorbei. Plötzlich sind alle glücklich, und zwar mit diesem Kompromiss: Zweizylinder-1200er werden
zugelassen, müssen aber gegenüber den 1000er-Vierern mit 168 gegenüber 162 Kilogramm Mindestgewicht antreten. Dazu wird den Big-Twins ein wenig der Atem genommen, der Lufteinlass-Durchmesser darf höchstens 50 Millimeter betragen. Und die bislang für Zweizylinder deutlich großzügigeren Regeln beim Motortuning werden angeglichen. Künftig müssen sich in den Twins Serien-Kurbelwellen drehen. Die Kolben dürfen zwar ersetzt werden, jedoch nicht teurer sein als die Serienteile.
Die Homologationsstückzahl, die Anzahl der Serienmaschinen, die gebaut werden müssen, damit das jeweilige Modell überhaupt erst als Superbike zugelassen wird, beträgt künftig einheitlich 1000 Stück. In der Vergangenheit waren für Kleinhersteller Ducati nur 150 Maschinen vorgeschrieben. Ab 2010 wird die Homologationsstückzahl auf 3000 erhöht. Bezüglich des Gewichts und der Luftmengenbegrenzung behält sich der Weltmotorradsport-Verband FIM vor, bis zu drei Mal im Laufe der Saison verändernd einzugreifen, sollte die mit der Handikap-Formel angestrebte Balance in der Praxis nicht eintreten.
Was sagen die Betroffenen? »Wir glauben nicht, dass uns das Reglement, wie es jetzt ist, tatsächlich auf die gleiche Stufe wie die Vierzylinder stellt. Aber wir werden damit leben können«, gibt sich Ducati-Corse-Geschäftsführer Claudio Domenicali diplomatisch.
Yamaha-Motorsportkoordinator Laurens Klein Koerkamp dagegen ist sehr optimistisch: »Die Bestimmungen werden gut funktionieren, vor allem wenn wir intelligent mit den Nachregelmöglichkeiten umgehen.«
Besonders bemerkenswert ist, dass von Ten-Kate-Honda und Alstare-Corona-Extra-Suzuki plötzlich keinerlei Abwanderungsdrohungen mehr in Richtung MotoGP zu hören sind. Sowohl Ronald ten Kate wie auch Alstare-Boss Francis C. Batta sehen nach den erfolgreichen Reglementsverhandlungen etwaige GP-Aktivitäten jetzt lediglich noch als Ergänzungsmöglichkeiten mit eher geringer Wahrscheinlichkeit. mtr

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