Porträt Casey Stoner "Schneller, schneller" - Stoner erobert Italien

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Irgendwie fiel er regelrecht vom Himmel: Mit einem Moto-GP-Weltmeister Casey Stoner hatte zu Beginn der Saison wirklich niemand gerechnet. Schon gar nicht Ducati. Die Italiener hatten den Australier erst engagiert, nachdem die Wunschkandidaten Marco Melandri und Nicky Hayden abgesagt hatten. Stoner galt als Hoffnungsträger für spätere Jahre und sollte vor allem von seinem erfahrenen Teamgefährten Loris Capirossi lernen. Viel erwartete man sich im ersten Jahr nicht von ihm, zumal er sich in der Saison 2006 den Spitznamen „Rolling Stoner“ eingefangen hatte: In 19 Rennen war er – Training und Warm-Up eingeschlossen – sagenhafte 21 Mal gestürzt. „Wir zahlen ihm natürlich weniger als Capirossi“, lachte der damalige Ducati-Boss Federico Minoli bei der Vorstellung des Piloten im Januar 2007. „Schließlich brauchen wir bei ihm ja deutlich mehr Geld für Ersatzmotorräder und Sturzteile.“ Wie man sich doch täuschen kann.
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Geboren wurde der frisch gebackene Weltmeister in Kurri-Kurri – ein Ortsname, den die Italiener inzwischen gern als Omen Namen: Kurri-Kurri klingt so ähnlich wie das italienische „corri, corri“ (renn, renn), und dass wiederum ist ein beliebter Anfeuerungsruf im Sinne von „schneller, schneller“. Schon mit drei Jahren schnappt sich Klein-Casey das Pocket Bike seiner sechs Jahre älteren Schwester Kelley, bestreitet mit vier sein erstes Dirt-Track-Rennen für Kinder unter neun Jahren und gewinnt mit sechs den Titel in dieser Klasse. Von da an richtet sich das Leben der Familie nach Caseys Renneinsätzen: Wie Nomaden ziehen sie durch ganz Australien, von Veranstaltung zu Veranstaltung, mit Vater Colin als Mechaniker und Mutter Bronwyn als Teilzeit-Lehrerin. Bis zu seinem 14. Geburtstag sichert sich Stoner 41 australische und 70 regionale Titel in Dirt und Long Track. Er startet dabei in fünf verschiedenen Kategorien, von denen jede aus sieben Rennen besteht. Der ehrgeizige Pilot bestreitet also an einem Wochenende mit fünf verschiedenen Motorrädern insgesamt 35 Läufe, wobei er immer mehrere gewinnt. Einmal schafft er unnachahmliche 32 Siege an einem einzigen Wochenende.

Mit 14 sollen Straßenrennen her. Weil in Australien das Mindestalter dafür bei 16 Jahren liegt, siedelt die Familie nach Großbritannien über. Stoner fährt und gewinnt auf Anhieb den Aprilia Challenge UK Cup, im Jahr darauf wird er Zweiter in der spanischen und englischen 125er-Meisterschaft. 2002 folgt der erste Aufritt auf der großen Bühne: Auf Aprilia startet er in der 250er-WM für das Team von Lucio Cecchinello, wird in der Endabrechnung Zwölfter. Stoner macht einen Schritt zurück, startet 2003 in der 125er-Klasse, holt in Valencia seinen ersten GP-Sieg und wird WM-Achter. Er wechselt für ein Jahr zu KTM, kehrt dann aber 2005 als Werksfahrer zu Aprilia zurück, und zwar bei den 250ern. Mit Dani Pedrosa liefert er sich in dieser Saison spannende Duelle, schafft es zehn Mal aufs Treppchen, davon fünf Mal auf die höchste Stufe. Am Ende muss er jedoch Pedrosa den Titel überlassen. Mit seinem Team Cecchinello wechselt Stoner 2006 auf Honda und in die Moto-GP-Klasse. Dort erweist er sich in seinem ersten Jahr zwar gelegentlich als pfeilschnell, holt eine Pole Position und einen zweiten Platz, doch insgesamt dominiert sein Ungestüm: Stoner stürzt zu oft, die meisten Teams lassen von ihm lieber die Finger. Bis auf Ducati: Dort fühlt sich Stoner schnell heimisch, kommt auf Anhieb mit der 800er-Desmosedici bestens zurecht. Der Rest ist inzwischen Motorsport-Geschichte: Stoner holte am Wochenende den WM-Titel, mit bislang acht Siegen in der laufenden Saison..
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Weitere sollen folgen, zumindest wenn es nach ihm geht: „Das Rennen in Australien,“ sagt der 21-Jährige, „das will ich unbedingt gewinnen.“ Und weil Valentino Rossi die gleichen Ambitionen hat, dürfte auch der nächste GP-Lauf sehr spannend werden, wenngleich die WM bereits entschieden ist.

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Die MotoGP-Saison 2007 im Überblick

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