Puig, Alberto: Interview (Archivversion)

Repsol-Honda-Teamdirektor Alberto Puig (r.) über
seinen kometenhaften Schützling Daniel Pedrosa

Daniel Pedrosa hat ein fantastisches Debüt in der MotoGP-Klasse hingelegt. Ist er das größte Talent dieser Epoche?
Dazu nur eines: Drei Weltmeister-Titel in so jungen Jahren, das hat vor ihm noch keiner erreicht. Es spricht für sich selbst.
Dem Honda-Team fehlte seit dem Weggang von Valentino Rossi eine Führungspersönlichkeit. Wird er diese Rolle schon bald übernehmen?
Wir tasten uns langsam vor, wie wir es schon immer gemacht haben: Schritt für Schritt. MotoGP ist eine sehr schwierige Klasse mit sehr vielen guten, erfahrenen Fahrern. Und obwohl Dani nach den Ausfällen von Rossi und Gibernau ein gutes Resultat gelang: Die Lernprozesse sind längst noch nicht beendet.
Als Rossi in die 500er- Klasse wechselte, stürzte er ziemlich oft. Wie entdeckt Dani das Limit der MotoGP-Klasse?
Hm ýÿ er ist noch dabei, es zu entdecken. Er stürzte bei den Tests in Phillip Island, er stürzte erneut in Montmeló. Natürlich ist es das Ziel, immer ein bisschen unter dem Limit zu bleiben, um es dann ein
wenig hinauszuschieben. Doch das ist leichter gesagt als
getan. Diese Motorräder sind schnell und schwierig zu beherrschen, man muss enorm aufpassen.
Es heißt, Dani habe ein Spezialmotorrad?
Es unterscheidet sich von den anderen nur in der Sitzposition, dem Sitz, dem Tank, dem Lenker, der Silhouette sozusagen. Doch das Motorrad an sich ist das Gleiche wie das von Elias, Melandri, Tamada und Stoner. Wer behauptet, Dani habe ein anderes Chassis, erzählt Märchen.
Versuchen Sie, das Motorrad an ihn oder seinen Fahrstil ans Motorrad anzupassen?
Den Fahrstil von Dani muss man nicht ändern, denn er ist gut. Man muss alles nur ein bisschen zusammenführen, sich gegenseitig kennen lernen sozusagen. Zunächst ist es wichtig, dass sich Dani beim Fahren wohl fühlt, weshalb wir das Motorrad auch an seine geringe Körpergröße von 1,58 Meter angepasst haben. Anschließend geht es darum, das Motorrad an seinen Fahrstil anzupassen. Manche Fahrer gehen sehr hart mit ihrer Maschine um, Dani dagegen fährt weich, gefühlvoll, und dafür suchen wir das passende Set-up. Wir dürfen es uns nicht zu kompliziert machen.
Zum Rennende hin ließen Danis Reifen nach. Auch seine Kräfte?
Dani ist ein kleiner Kerl und muss sich gewal-
tig anstrengen auf dieser Maschine. Und er wird sehr müde. Er hat nicht viel Gewicht, das er hin und her
bewegen und in die Waagschale werfen kann, und deshalb muss er umso mehr zupacken, das ist klar. Ich denke, physisch ist er noch nicht in der optimalen Form für diese Klasse.
Wie ist Ihr persön-
liches Verhältnis zu Dani: Vater-
figur, Mentor, Lehrer, Freund?
Alles zusammen. Wir haben das halbe Leben miteinander verbracht, sind gemeinsam durch dick und dünn gegangen, seit er mit 14 Jahren angefangen hat. Das hat unser Verhältnis ge-
prägt. Wir kennen und vertrauen einander.
Im Gespräch mit seinen Technikern wirkt Dani entspannt, in der Öffentlichkeit dagegen manchmal wie versteinert.
Dani ist etwas scheu und introvertiert, konzentriert sich vollständig auf seine Aufgabe am Rennwochen-
ende und weicht dem großen Rummel aus. Was mir gefällt: Er hat drei Welt-
meister-Titel gewonnen und ist trotzdem als Person sehr bescheiden geblieben. Du wirst ihn nie mit einem Super-Sportwagen sehen, und du wirst ihn auch nie bei
einer Fiesta mit riesigen Menschenmassen sehen. Er zieht eben die Privatsphäre vor, mit sich, seinen Freunden und seiner Familie.

Das Interview führte MOTORRAD-Sportreporter Friedemann Kirn.

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