Rallye Dakar 2006: Reportage (Archivversion) Andy Caldecott †

Die australische Offroad-Ikone war als Ersatzfahrer erst im allerletzten Moment zur KTM-Werksmannschaft gestoßen.

Bei uns in Europa war er sicher nur Enduro- und Rallye-Fans ein Begriff: Andy Caldecott, der am 9. Januar bei der neunten Etappe der Rallye Dakar 2006 durch einen Sturz über den Lenker seiner Werks-KTM ums Leben kam. In
seiner Heimat Australien war der 41-jährige Caldecott ein Nationalheld des Motorrad-Offroad-Sports. Die Nachricht von seinem tödlichen Unfall löste eine Welle von Beileidsbekundungen aus, die seine Frau Tracey, seine kleine Tochter Caitlin und seinen Vater Ken erreichte.
Schon mit acht Jahren sammelte Caldecott erste Motorraderfahrungen, als Zehnjähriger begann er,
in Wettbewerben australische Meisterschaftstitel zu sammeln. Nach zehn erfolgreichen Motocross-Jahren verabschiedete Caldecott sich für sieben Jahre vom aktiven Sport, bevor er sich Down under in
die Oldtimer-Cross-Szene einmischte und auch dort Titel um Titel
einheimste.
1999 entdeckte Caldecott Lang-strecken-Wettbewerbe für sich. Sein erster Versuch bei der austra-lischen Safari-Rallye endete mit
einem Ausfall durch Verletzung – aber von 2000 bis 2003 gewann er dieses prestigereiche Offroad-Rennen drei Mal.
Im Jahr 2004 erfüllte sich für den KTM-Händler aus Keith ein Traum, und er startete erstmals bei der
Dakar-Rallye. Damals musste er mit gebrochenem Knöchel aufgeben, doch ein Jahr später holte er sich zwei Etappensiege und wurde insgesamt Sechster.
Die aktuelle Dakar war für Andy
Caldecott eigentlich kein Thema, weil er nicht genügend Sponsorgeld für den ersehnten dritten Einsatz auftreiben konnte. Dann kam, nur zwei Wochen vor dem Start, der
Anruf von Jordi Arcarons, dem Manager des spanischen Repsol-KTM-Werksteams: Der brauchte einen
Ersatzmann für seinen verletzten
Piloten Jordi Duran. Caldecott sagte begeistert zu: »Ich bin zwar seit der Dakar 2005 kein Rallye-Motorrad mehr gefahren und deshalb eigentlich nicht fit genug, um in einen Wettbewerb dieses Kalibers zu gehen. Aber ich werde natürlich mein Bestes geben.«
Nicht nur seine Fans waren überzeugt davon, dass Caldecott ein
Dakar-Sieger geworden wäre – wenn er zehn Jahre früher begonnen hätte, das zu versuchen. Aber selbst dieses Jahr ließ er noch
aufhorchen: Er gewann die dritte Etappe von Nador nach Er Rachidia.

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