Extrem-Enduro in Rumänien (1000PS.at) Reportage: Red Bull Romaniacs 2010 (mit Videos)

Vom 26. bis 30. Juni fanden die diesjährigen Red Bull Romaniacs statt. In der rumänischen Stadt Sibiu, versuchten die Fahrer bei rutschigen Hindernissen und nasser Strecke ihr Bestes zu geben.

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Red Bull Romaniacs 2010

Hochkarätiger hätte das Podium des diesjährigen Romaniacs-Auftakts nicht sein können. Nach dem Extrem-Hindernis-Parcours im Zentrum Sibius hat Chris Birch seine KTM auf Platz 1 geparkt. Birch ist der aktuelle Sieger der "Roof of Africa", einer vergleichbar harten Enduro-Rallye in den Bergen Lesothos (Südafrika).
Platz 2 am RBR-Eröffnungstag holte sich der Brite Graham Jarvis. Der Sherco-Pilot konnte die Red Bull Romaniacs im Jahr 2008 schon einmal gewinnen. Platz 3 ging an den polnischen KTM-Superstar Taddy Blazusiak. Für den vierfachen Erzberg-Champion ist die Romaniacs 2010 eine Premiere: Es ist seine erste mehrtägige Extrem-Enduro-Rallye und auch seine erste Rallye, bei der der GPS-Navigation eine große Rolle zukommt. Ab in die Wildnis Der Prolog der Red Bull Romaniacs führt traditionell durch die Innenstadt der Metropole Siebenbürgens. Auf einer Strecke von knapp 500 Metern müssen sich die Fahrer über künstlich aufgebaute Steinfelder, Holzkonstruktionen und Autowracks kämpfen.
Danach geht es bei dieser Extrem-Rallye durch die Wildnis der rumänischen Karpaten. Vor den knapp 200 Hard-Enduristen aus aller Welt liegen unzählige extrem steile Wald- und Berghänge, zahlreiche Fluss- und Bachdurchfahrten, sowie viele bissige Fels- und Steinfelder. Am ersten Offroadtag (Sonntag) müssen die Hobby-Fahrer knapp 150 harte Offroad-Kilometer bewältigen. Für die Profis sind es noch einmal um gut 30 km mehr. Auf dem Weg der Enduristen liegen dabei Romaniacs-Klassiker wie "Stonehenge" - ein unvorstellbar steile Bergauf-Sequenz gespickt mit Wurzeln und Felsen - oder die "Arena", die vor allem viel Überwindung erfordert, denn hier stürzen sich die Fahrer über einen schwindelerregend steilen Hang ins Tal. Wie jedes Jahr werden an diesen beiden Schlüsselstellen tausende Schaulustige die Offroadgladiatoren anfeuern. Einen denkbar unglücklichen Start erwischte der Niederösterreicher Lars Enöckl. Bei einem Trainingssturz einen Tag vor dem Prolog hat sich der 21-jährige Architekturstudent aus Lunz am See das Nasenbein gebrochen und noch einige weitere Blessuren erlitten. Trotzdem war er heute am Start. Von verhaltener Fahrweise war nichts zu sehen, Enöckl hat einen Finalplatz nur hauchdünn verpasst. "Ich wollte mir beweisen, dass ich trotz der Verletzung schnell fahren kann. Jetzt bin ich wirklich motiviert, auch die vier brutalen Offroad-Etappen zu bewältigen." Enöckl ist das erste Mal bei der Red Bull Romaniacs, er ist der jüngste Starter im Profi-Feld.
Der rasende Steinmetz Erich Brandauer spielte bei seinem vierten Romaniacs-Start seine ganze Routine aus und fuhr locker ins Prolog-Finale. Dass der Romaniacs-Achte des Jahres 2009 nicht ganz im absoluten Spitzenfeld landete, stört den Mann aus Pottenstein (Niederösterreich) nicht: "Es hat in Strömen geregnet, die Hindernisse waren extrem rutschig und daher auch sehr gefährlich. Ich bin recht froh, dass ich nicht noch ein oder zwei Mal über diesen Parcours fahren musste. Das bedeutet weniger Risiko und spart vor allem Kraft. Die werde ich in den nächsten Tagen noch brauchen."
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Red Bull Romaniacs - Tag 1

Als wäre die Red Bull Romaniacs nicht schon im normalen, trockenen Zustand hart genug, wird die diesjährige Extremenduro-Rallye in den Karpaten rund um Sibiu durch Dauerregen zu einer ordentlichen Qual für die Offroad-Weltelite. Auf der 10-teiligen Schinderei-Skala bekam der heutige Tag die Note 12. Sherco-Pilot Jarvis ließ sich von den Bedingungen am wenigsten beeindrucken und kam mit rund 40 Minuten Vorsprung auf Prolog-Sieger Chris Birch (NZL/KTM) ins Ziel. Insgesamt kamen nur fünf Piloten durch: neben Jarvis und Birch in der Profiklasse auch das Expert Team Zdenek Cyprian & Martin Volny (Tschechien) sowie Martin Wildhold aus Deutschland, der in der Expert Single-Klasse startet. Aus der Hobby Klasse schaffte es kein einziger Teilnehmer ins Ziel.
Vorjahressieger Andreas Lettenbichler (GER/BMW) wurde heute Dritter bei den Profis. Wegen Zeitüberschreitung wurde er aber bereits vor dem Ziel abgewunken.Ebenso Erich Brandauer: Der 40-jährige Niederösterreicher liebt zwar extremes Gelände, heute musste er für seine Verhältnisse jedoch relativ oft zu Boden. Dennoch fuhr der Husaberg-Pilot einen angesichts der Extrembedingungen guten ersten Offroadtag und dürfte sich im offiziellen Ergebnis schon unter den Top 10 befinden. Die Härte der Rallye traf auch KTM-Spitzenpilot Taddy Blazusiak. Bei seiner ersten GPS-Extremrallye verfuhr sich der mehrfache Erzbergsieger gleich zu Beginn. Beim Versuch wieder an die Spitze anzuschließen pushte Taddy aber zu hart. Dabei rutschte ihm das Vorderrad weg und er prallte mit seiner ohnehin lädierten Schulter gegen einen Baum. Die starken Schmerzen beenden somit schon Vorzeitig die erste Teilnahme des Polen an den RedBull Romaniacs.

So wie viele andere Piloten blieb Lars Enöckl (KTM) inmitten der rumänischen Wälder mit trockenem Tank liegen und musste mehr als drei Stunden auf Sprit warten. Bis zu diesem Zeitpunkt war der 21-jährige Architekturstudent aus Lunz am See aber sehr gut unterwegs.
Der zweite Offroadtag der Red Bull Romaniacs 2010 führt am Montag über mehr als 200 Kilometer von Sibiu nach Petrosani. Dabei wird es viele lange Hochgeschwindigkeitspassagen geben. Es sind aber auch einige technisch anspruchsvolle Geländepassagen zu bewältigen. Da es wieder regnen soll, könnte auch diese Etappe wieder jede Menge Überraschungen bringen.
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Red Bull Romaniacs - Tag 2

Noch gestern traf die unbeschreibliche Gnadenlosigkeit der Red Bull Romaniacs das gesamte 165 Teilnehmer starke Feld mit voller Wucht. Nur fünf Piloten kamen bei Regen und enorm schwieriger Strecke ins Ziel. Heute wurde speziell der bislang Führende ein Opfer der härtesten Endurorallye der Welt. Graham Jarvis (GBR/Sherco) verlor nach technischen Problemen die Gesamtführung an den Neuseeländer Chris Birch (KTM). Und auch Vorjahressieger Andreas Lettenbichler (GER/BMW-Husqvarna) ist nach einem klaren Tagessieg wieder voll bei der Musik. Nach Jarvis' Ausfall übernimmt zunächst ein schwer motivierter Chris Birch die Führung in der Pro-Klasse, die allerdings ebenfalls nicht lange anhält. Bei Birch’s KTM traten nach etlichen Wasserdurchfahrten Probleme mit der Zündung auf, und so verlor der 2-fache Roof-of-Africa Sieger wichtige Meter auf einen heranstürmenden Andreas Lettenbichler. Schließlich mußte Birch sogar im Wald das Werkzeug auspacken und Lettenbichler setzte sich an die Spitze des Feldes. "Nachdem ich Chris überholen konnte, habe ich einfach einen optimalen Rhythmus gefunden und den Speed bis ins Ziel halten können. Ich hatte heute zwar einige Navigationsprobleme im Wald, im Großen und Ganzen war ich aber sehr zufrieden mit meinem Rennen.", meinte der Rosenheimer im Ziel. Mit dieser großartigen Leistung kann Lettenbichler seinen Rückstand auf Birch zwar verringern, liegt aber im Zwischenklassement nach Tag 2 immer noch 50 Minuten hinter dem Neuseeländer.
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Zweiter des heutigen Renntages wurde der Brite Paul Bolton (KTM), der 7 Minuten nach Lettenbichler das Ziel knapp außerhalb Petrosanis erreichte. Bolton, der für seine eher rudimentären Navigationskentnisse bekannt ist, macht heute alles richtig und schiebt sich in der Zwischenwertung auf den dritten Gesamtrang nach vorne. Der Schwede Joakim Ljunggren konnte heute mit einem hervorragenden dritten Tagesrang auf sich aufmerksam machen. Der Husaberg-Pilot erreichte mit 30 Minuten Rückstand auf Lettenbichler das Ziel – Platz 7 in der Zwischenwertung. Auf Platz 4 der Tageswertung landete der Südafrikaner Jade Gutzeit (KTM), Chris Birch erreichte schlussendlich als Fünfter das Tagesziel in Petrosani. "Irgendwie kam Wasser in meine Zündanlage und ich musste die Zündkerzen bei meiner KTM tauschen. Ich bin sehr froh, dass ich heute die Gesamtführung übernehmen konnte – allerdings sind 50 Minuten kein allzu großer Polster für die kommenden Tage.", sagt Birch nach den knapp 200 km Renndistanz der Profiklasse.
Hart hatten es heute die Österreicher: Erich Brandauer, RBR-Achter des Vorjahres, musste in einigen glitschigen Passagen ungemein kämpfen, schaffte es aber ins Ziel. Für Lars Enöckl ist die RBR 2010 jedoch zu Ende. Der jüngste Starter in der Profiklasse erlitt schon beim Prologtraining einen Nasenbeinbruch. Heute erwischte es den Mittelfußknochen des 21-jährigen Studenten aus Lunz am See.
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Red Bull Romaniacs - Tag 3

Romaniacs-Mastermind Martin Freinademetz serviert bekanntlich Tracks,  die schon im Trockenen in der Menuefolge schwer verdaulich sind – bei Regen verwandeln sich diese Streckenteile aber in kaum vorstellbare Hindernisse, die selbst den Besten der Extrem-Enduroszene sprichwörtlich alles abverlangen. Obwohl die Rennleitung den berüchtigten "Long Walk Up" wegen des Dauerregens aus der gestrigen Stage nehmen musste, blieben noch ausreichend Schindereien für die Fahrer übrig – wie zum Beispiel die Schlüsselstelle "Congo", die die Teilnehmer vor eine fast unmenschliche Aufgabe stellte.
Der Brite Graham Jarvis musste sich zwar durch einen technischen Defekt gestern kurzzeitig vom Kampf um den Gesamtsieg verabschieden, bewies allerdings gestern eindeutig, dass er zur Zeit das Maß aller Dinge ist. Jarvis brummte seinen Mitbewerbern mehr als 30 Minuten auf - kaum auszudenken, was der gleichsam ruhige wie sympathische Brite auszurichten in der Lage wäre, wenn sein Material so zuverlässig wäre wie der Fahrer.
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Der zur Zeit Führende der Pro-Class, Chris Birch, hatte dafür heute weniger Glück und verlor mit Elektrikproblemen wertvolle Zeit auf seine Verfolger. "Ich hatte in 6 Jahren und geschätzten 5.000 Betriebsstunden auf KTM nie auch nur ein Problem mit Elektrik – umso ärgerlicher, das ich gerade heute wegen eines kleinen Defekts Zeit verloren habe.", meinte der Neuseeländer am Ende eines anstrengenden Tages. Schlussendlich kam Birch mit 1 Stunde und 4 Minuten Rückstand auf Jarvis ins Ziel und behält damit seine Gesamtführung.
Ein spannendes Rennen lieferten auch Paul Bolton (UK, KTM) und der Deutsche Andreas Lettenbichler (BMW). Bolton schloss im ersten Drittel der Renndistanz auf "Letti" auf, die beiden Ausnahmekönner bewältigen den Renntag daraufhin im Doppelpack und helfen sich in den kritischen Passagen gegenseitig. Im Ziel trennten die beiden dann knappe vier Sekunden, Bolton belegte im Tagesklassement Rang 2 und Lettenbichler landete auf dem dritten Tagesrang. Lettenbichler verkürzt damit seinen Rückstand auf den Gesamtführenden Birch auf 29 Minuten und bringt sich für den morgigen letzten und alles entscheidenden Offroadtag in eine optimale Schlagdistanz. Der Bayer demonstrierte erneut eindrucksvoll, was ein eiserner Wille ausrichten kann.
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Red Bull Romaniacs - Tag 4

Der vierte Offroad-Renntag in der rumänischen Wildnis bot Spannung und hochkarätigen Extrem-Endurosport vom Start weg. Wie erwartet startete der Brite Graham Jarvis auf den letzten 126 km eine eindrucksvolle Aufholjagd auf den Gesamtführenden Chris Birch. Mit dabei bei der Jagd auf die 2010er Romaniacs-Krone waren heute auch noch der Deutsche Andreas Lettenbichler (BMW) und der Brite Paul Bolton (KTM).
Der Neuseeländer Birch ging heute mit einem 23-Minuten Vorsprung auf Graham Jarvis in den letzten Renntag. Auch wenn der Polster eigentlich für einen ungestörten Gesamtsieg gereicht hätte, attackiert Birch unter erneut schwierigen Bedingungen wie kein Zweiter und nimmt Jarvis sogar weitere 6 Minuten bis ins Ziel ab. Damit festigt der 29-jährige eindrucksvoll seine Stellung als einer der absoluten Topfahrer in der Extrem-Enduroszene. "Mit all meinen technischen Problemen in den letzten Tagen war ich mir nicht einmal sicher, ob ich diese Romaniacs überhaupt beenden werde. Das sich jetzt sogar mein erster Gesamtsieg ausgegangen ist, macht mich überglücklich.", sagt der sympathische Ausnahmekönner im Ziel. Der Brite Jarvis hatte seine Ambitionen auf einen Podiumsplatz nach seinen kapitalen Motorproblemen am zweiten Offroad-Renntag eigentlich schon abgeschrieben. Mit der typisch britischen "Never give up"-Attitüde begann Jarvis sein Rennen am dritten Tag quasi neu, und kämpfte sich sogar bis auf Schlagdistanz zur Spitze zurück. Am Ende fehlte dem talentierten Ex-Trialer nicht einmal eine halbe Stunde auf den Sieg. "Chris konnte heute noch ordentlich zulegen und fuhr ein herausragendes Rennen. Ich bin sehr zufrieden mit meinem zweiten Gesamtrang, denn eigentlich war mein Rennen ja de facto schon vorbei.", charakterisiert Jarvis seine Romaniacs 2010.
Nach seinem Vorjahressieg ging BMW-Werksfahrer Lettenbichler auch 2010 voll motiviert an den Start der Red Bull Romaniacs, doch schon der erste Offroad-Renntag dämpfte "Lettis" Ambitionen. Der Deutsche knackste sich nach einem heftigen Abstieg von der Hartware gleich mehrere Rippen an und musste an den folgenden Tagen mit erheblichen Schmerzen zurechtkommen. Lettenbichler aktivierte seine ganze Willenstärke fuhr ein mehr als beeindruckendes Rennen. Schlussendlich fehlte dem 35-jährigen Rosenheimer etwas mehr als eine Stunde auf Chris Birch. "Mehr war heuer definitiv nicht möglich, die Bedingungen waren durch die Regenfälle wirklich extrem. Ich hab’ zusätzlich noch mit ziemlichen Schmerzen zu kämpfen gehabt, deshalb kann ich mit dem Podiumsplatz wirklich zufrieden sein.", sagt Lettenbichler.

Red Bull Romaniacs - Tag 5


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