Reifen (Archivversion)

Allheilmittel oder Teufelswerk – das sind so ungefähr die Eckpunkte der Diskussionen, wenn es um Einheitsreifenregeln im Motorsport geht, so auch in der Superbike-WM, der höchstklassigen Motorrad-Rennserie mit Zwangsverteilung der Reifen. Pirelli stellt jedem Superbike-WM-Fahrer für das Rennwochenende neun Vorder- und 13 Hinterreifen zur Verfügung, welche wiederum aus einem vorgegebenen Angebot aus drei bis fünf existierenden Mischungen ausgewählt werden müssen. Dabei handelt es sich bei den Vorderrädern immer um die Dimension 120/75 x 16.5, hinten gibt’s 190er, 195er und 200er mit 65er-Querschnitt. Diese Regel soll vor allem die Kosten im Rahmen halten und das sportliche Geschehen etwas gerechter gestalten, weil ein Ausrüster für alle im Gegensatz zu konkurrierenden Firmen besonders Erfolg versprechende Teams nicht bevorzugen muss.

In der Realität ist der Kostenfaktor für den Reifenhersteller eventuell ein Argument, weil einiges an millionenschwerer Entwicklungsarbeit wegfällt, wobei die Reifen inzwischen von den Teams bezahlt werden müssen. Für die Kriegskassen der einzelnen Teams hat dies unterschiedliche Auswirkungen. Ten-Kate-Honda etwa, das aktuelle Superbike- und Supersport-Weltmeister-Team, wurde früher massiv von Pirelli als Sponsor unterstützt und beklagt jetzt den Wegfall der Sponsorgelder wie auch die zu bezahlenden Gummis. Für Privatteams dürfte sich dagegen kaum etwas geändert haben. Insgesamt aber muss festgestellt werden, dass im Sinne spannender sportlicher Auseinandersetzungen das Einheits-Reglement in der Superbike-WM sehr gut funktioniert.

So gut, dass sogar Carmelo Ezpeleta, der Chef der MotoGP-Vermarktungsagentur Dorna, auf den Plan gerufen wurde. Der Spanier sprang seinem gefallenen Superstar Valentino Rossi zur Seite, als dieser – nicht unbedingt sauber begründet – den Verlust seiner WM-Titel-Chancen im Laufe der Saison 2007 auf eine scheinbare Unterlegenheit der von ihm über lange Jahre präferierten Michelin-Reifen gegenüber den japanischen Bridgestone-Gummis zurückführte. Ezpeleta brachte den Einheitsreifen in die Diskussion, verursachte lauteste, kontroverse Aufschreie mit dem Ergebnis, dass am Ende Herr Rossi 2008 sein Glück auf Bridgestone suchen darf, die Konkurrenzsituation der Japaner mit Michelin erhalten bleibt und folgende neuen Verteilungsregeln gelten: Jeder Fahrer erhält bis zu 40 Reifen an einem GP-Wochenende, aus denen er sich frei be-dienen kann. Bei den Dimensionen ist man sich weitgehend über 16,5 Zoll einig, unterschiedliche Reifenbreiten und Querschnitte allerdings existieren in weit größerer Fülle als im Superbike-Einheitssystem.

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