Rennfahrer Ernst Jakob Henne verstorben "Henne und das Ei"

Foto: BMW
Anfang der Woche ist in seinem Wohnort auf Gran Canaria der ehemalige Motorrad-Geschwindigkeitsweltrekordler Ernst Jakob Henne im Alter von 101 Jahren gestorben. In den zwanziger und dreißiger Jahren gewann er als BMW-Werksfahrer zahlreiche Rennen und Meisterschaften – am berühmtesten wurde er jedoch durch seine Weltrekordfahrten mit dem Motorrad.

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Zum Rennsport kam er eher zufällig: Am 1. Juli 1923 startete er bei einem Motorradrennen in Mühldorf und belegte bei seinem ersten Start auf Anhieb den dritten Platz in seiner Klasse. Im Herbst 1925 hatte er beim Großen Preis von Monza seinen ersten großen internationalen Auftritt, bei dem er in der 350-ccm-Klasse den sechsten Rang belegte.

In den dreißiger Jahren hatte sich Henne ein besonderes Ziel gesetzt: Er wollte den absoluten Geschwindigkeitsweltrekord für Motorräder nach Deutschland holen. Als der BMW-Vorstand grünes Licht gab, wurde ein bereits begonnener Kompressormotor fertig entwickelt. Das Fahrgestell und die Verkleidung entstanden in Hennes eigener Werkstatt.

Am 19. September 1929 war es soweit: Ernst Henne ging mit einer 750-ccm-Kompressor BMW zum ersten Mal auf die Jagd nach dem Rekord. Der Versuch glückte auf Anhieb: Acht Weltrekorde überbot Ernst Henne an diesem Tag. Nicht alle wurden offiziell anerkannt, aber der spektakulärste blieb: Mit über 216 km/h war Ernst Henne der bis dahin schnellste Motorradfahrer der Welt.

Es entbrannte ein Wettstreit mit anderen Fahrern, die Geschwindigkeiten wurden immer höher. 1932 erreichte Henne in Ungarn 246 km/h, 1935 auf der neuen Autobahn bei Frankfurt 256 km/h, ein Jahr später mit vollverkleideter Maschine 272 km/h. Wegen der charakteristischen Form taufte der Volksmund Fahrer und Motorrad bald auf „Henne und das Ei“. 1937 schließlich setzte Henne den Schluss- und Höhepunkt seiner Karriere: Über den fliegenden Kilometer erreichte er mit dem "Ei" 279 km/h, auf der Rückfahrt 280 km/h. Danach beendete Ernst Henne seine Rekordjagd, seine Bestmarke hielt bis 1951.

Nach dem Zweiten Weltkrieg baute Ernst Henne eine Vertragswerkstatt für Mercedes-Benz Fahrzeuge auf und wurde einer der größten Händler Deutschlands. Sein Unternehmen ging 1997 in der DaimlerChrysler AG auf. 1991 gründete er zudem mit einem beträchtlichen Teil seines Vermögens die Ernst-Jakob-Henne-Stiftung. Aufgabe der Stiftung ist die Unterstützung von Menschen, die schuldlos in Not geraten sind. Ernst Jakob Henne, der sich in den letzten Jahren immer mehr aus dem öffentlichen Leben zurückzog, lebte seit 1996 mit seiner zweiten Frau auf den Kanarischen Inseln, wo er am 22. Februar seinen einhundertsten Geburtstag feiern konnte.

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