Speedway-Grand-Prix Deutschland auf Schalke (Archivversion) Planet Speedway

Der Auftritt der Drift-Künstler in der Arena auf Schalke begeisterte die Zuschauer. Und der Randsportart Speedway gelang es, mit ihrem Grand Prix nach dem Sachsenring-Straßen-GP zur zweit­größten Motorradsportveranstaltung in Deutschland zu arrivieren – noch vor der Superbike-WM.

Die Arena auf Schalke erstrahlte in Rot und Weiß: Farben, die für den ehrbaren Fan des ewigen deutschen Fußball-Vizemeister FC Schalke 04 vielleicht auf Pommes oder Currywurst gehören, in seiner königsblauen Arena aber nichts verloren haben. Dort stehen Rot/Weiß für den Feind, für den FC Bayern München und den VfB Stuttgart. Beim deutschen Speedway-Grand-Prix in der Arnea auf Schalke war dies ganz anders. Die erdrückende Mehrheit der gut 30000 Zuschauer, welche die heilige Fußball-Arena mit lautem Getöse für ein Wochenende in Beschlag nahmen, kamen aus Dänemark und vor allem aus Polen. Und die Nationalfarben dieser Speedway-Großmächte sind in beiden Fällen Rot und Weiß.
Der Stimmung der einheimischen Fans beim Jubiläums-GP, es war der 100. in der Speedway-Geschichte und gleichzeitig das WM-Finale 2007, tat dies allerdings keinerlei Abbruch. Im Gegenteil, als gleich im ersten Rennen des Abends der junge deutsche Wild-Card-Fahrer Christian Hefenbrock (Porträt siehe MOTORRAD 25/2006) gewinnen konnte, waren auch die Arena-Dauer­gäste begeistert von der ungewöhnlichen Orgie in Rot-Weiß und insbesondere von dieser relativ einfachen Interpretation des Motor­sports. Denn Speedway, das bedeutet Rennen hart am Rande der Digitalität: vier Fahrer pro Einzelrennen, vier Stadionrunden – im Falle der Schalker Arena hat eine davon kaum 300 Meter –, immer im vollen Drift und voller Schräglage linksrum. In weniger als einer Minute ist alles vorbei. Die ersten Meter vom Startband in die erste Kurve entscheiden schon fast alles. Das Ganze wiederholt sich 23-mal an einem Renntag. Und der Lärm der Methanol-betriebe­nen 500-cm3-Ein­zylinder-Maschinen mit knapp 80 PS spielt dabei jede Heavy-Metall-Band an die Wand.
Das Spektakel kam an, die Party-Laune blieb erhalten, obwohl der 22-jährige Mecklenburger Hefenbrock seinen Auftaktsieg im Laufe des Abends nicht bestätigen konnte und seinen ersten Speedway-GP »nur« als 14. von 16 Fahrern abschloss. Die an­nähernd 10000 Dänen konnten dagegen sozusagen durchfeiern, weil ihr leicht an der Schulter lädierter Superheld Nicki Pedersen bereits vor dem Final-GP als neuer Weltmeister feststand.
Gleichwohl ging es für die Meister des Driftwinkels um weit mehr als die sportliche Ehre. 100000 US-Dollar gab es für den Sieger des Finalrennens zu holen. »Die reichste Minute des Motorsports« lautete folgerichtig das Motto der Gesamtveranstaltung. Denn auch im Endlauf lagen zwischen dem Fallen des Start­-bands und der Zieldurchfahrt des Siegers Andreas Jonsson aus Schweden weniger als 57 Sekunden Überdosis Adrenalin.
Für Jonsson war dieser Sieg im Jubel-GP auf Schalke Genugtuung nach einer völlig verkorksten Saison, welche den WM-Vierten von 2006 und Mitfavoriten auf den diesjährigen Titel auf den zehnten Gesamtrang zurückgeworfen hatte. Und für die Hardcore-Schalke-Fans vielleicht ein versöhnlicher Schluss, dominiert doch bei der schwedischen Fahne die Farbe Blau.
Das Konzept der formidablen Arena auf Schalke, an einigen der freien Wochenenden das Stammpublikum, die Fußballfans des Ruhrpotts, mit ganz besonders abgefahrenen, exotischen oder scheinbar widersinnigen Top-Events weiterhin in »ihre« Arena zu locken, ist nach anderen Veranstaltungen wie etwa Ski-Biathlon oder den Auto-Demolition-Derbies des TV-Hansdampfs Stefan Raab mit dem Julbiläums-Speedway-GP ebenfalls perfekt aufgegangen, selbst wenn der eine oder andere Arena-Stammzuschauer wegen des zeitgleichen Fußball-EM-Qualifikationsspiels Irland gegen Deutschland wohl zu Hause vorm Fernseher geblieben ist.
Dennoch war zum Beispiel Vorjahres-Speedway-Weltmeister Jason Crump begeistert über den Auftritt in der Hyper-Arena. »Wir schaffen es mit den Speedway-GP, mehr und mehr in größeren und besseren Stadien aufzutreten«, freute sich der Australier, »und das hier ist der absolute Saisonhöhepunkt, beileibe nicht nur wegen der Superprämie von 100000 US-Dollar für den Sieger.« Und speziell der für seinen besonders spektakulären und queren Fahrstil bekannte Crump sowie die anderen Helden der Linkskurve wie der kalifornische Altmeister Greg Hancock und natürlich Sieger Jonssson gaben den Zuschauern jede Menge Spaß und Begeis-terung zurück, sodass der schon fest eingeplante Speedway-GP Deutschland 2008 auf Schalke beste Erfolgsaussichten hat.
Einzig vielleicht sollten die Organisatoren überlegen, dem deutsch/dänischen Stadionsprecher für die einheimischen Fans einen einschlägig bewährten Mann wie etwa Thomas Deitenbach, den erfolgreichen Einheizer deutscher Supercross-Events, zur Seite zu stellen – falls die Schalker den bekennenden Dortmunder überhaupt ihre Arena rocken lassen wollen.

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