Sportreport: Speedweek in Oschersleben (Archivversion) Erstkontakt

Die elfte Ausgabe der Speedweek in Oschersleben brach mit einer Tradition: Statt des gewohnten 24-Stunden-Rennens fand als Lauf zur Endurance-Weltmeisterschaft ein Acht-Stunden-Wettbe-werb statt. Im Gegenzug wurde das Programm durch einen Auftritt aller IDM-Klassen aufgewertet. IDM meets Endurance-WM – ein Annäherungsversuch, der in vielerlei Hinsicht für Spannung sorgte.

Etwas argwöhnisch wurden sie schon beäugt, die IDM-Teams, die sich da in der Boxengasse der Motorsport-Arena Oschersleben zwischen den Mannschaften der Lang-strecken-Weltmeisterschaft eingenistet hatten. Wollten die Sprint-Spezialisten aus der Internationalen Deutschen Motorradmeisterschaft sich tatsächlich mit den Endurance-WM-Cracks messen? Oder ging es ihnen nur darum, standesgemäß eine Box zu beziehen statt im Zelt schrauben zu müssen?

Die elfte Ausgabe der Speedweek in Oschersleben, die sich mit Fug und Recht Traditionsveranstaltung nennen darf, stand unter besonderen Vorzeichen. Bislang war das Langstreckenrennen, der Höhepunkt des Events, stets als 24-Stunden-Marathon ausgetragen worden. Dieses Jahr stand erstmals nur ein Acht-Stunden-Wettkampf auf dem Programm. Organisator Ralph Bohnhorst: "Ein 24-Stunden-Rennen ist nicht mehr zu bezahlen, mit den acht Stunden reduzieren wir die Kosten um die Hälfte." Um trotzdem ein mit Rennsport gut gefülltes Wochenende bieten zu können, wurde ein komplettes IDM-Programm integriert. Nur die Boxen – die waren den Teilnehmern des samstäglichen Endurance-WM-Laufs vorbehalten. Für den natürlich auch IDM-Teams, die ähnlich wie ihre Endurance-Kollegen hubraumstarke Viertakter auf Serienbasis fahren, eine Nennung abgeben und so eine Box ergattern konnten.

Im Qualifikationstraining strengten sie sich jedenfalls mächtig an, die Teams aus der IDM Superbike. IDM-Titelanwärter Jörg Teuchert fuhr gar die schnellste Einzelzeit, der Durchschnittswert des Yamaha-Deutschland-Dreierteams reichte für Startplatz fünf hinter vier etablierten WM-Teams. Rang sechs für Michael Schäfers Suzuki-Jungs aus der IDM, auf neun als schnellstes Team der "Open"-Kategorie die Holzhauer-Honda mit Gaststar Michael Schumacher, auf 13 die Hertrampf-Ducati als bestplatzierte "Stocksport"-Maschine. Allesamt besser als das an Position 16 gelistete Team RMT 21, die einzige deutsche Mannschaft, die in der Endurance-WM fest eingeschrieben ist, also bei allen WM-Läufen startet. Doch RMT-21-Chef Thomas Roth wiegelte ab: "Von den IDM-Leuten nehme ich nur die Schäfer-Truppe ernst – der hat von früher Langstrecken-Erfahrung." Seinen eigenen Fahrern traute er einen achten Platz zu, "wenn die werksunterstützten Teams keine ernsten Probleme bekommen". Sonst sei auch ein sechster Rang drin.

Offensichtlich weiß der Mann, wovon er spricht. RMT 21 landete nach acht Stunden tatsächlich hinter sieben Endurance-Dauerstartern auf Posi-tion acht, während alle IDM-Teams längst ausgeschieden waren – zuletzt das Schäfer-Trio Werner Daemen/Olivier Depoorter/Didier van Keymeulen, das nach 183 Runden beziehungsweise knapp fünf Stunden auf einem perfekten sechsten Platz lag. Kühlwasserverlust durch einen Riss im Motorgehäuse beendete ihren engagierten Auftritt.

Für Kopfschütteln in der Boxengasse sorgte derweil das Gebaren des Holzhauer-Teams, das offiziell sechs Stunden und 18 Minuten im Rennen war, dabei mickrige 145 Runden, andererseits rekordverdächtige 24 Boxenstopps absolvierte und offensichtlich Fahrwerkskomponenten für den IDM-Lauf am Sonntag testete. "Wir wollten Schumi nur auf einem perfekten Motorrad rausfahren lassen und mussten deshalb einiges ausprobieren", beteuerte der in der IDM Superbike führende Martin Bauer. "Wenn er gestürzt und verletzt worden wäre, hätte der deutsche Motorradsport einpacken können", bekräftigte Teamchef Jens Holzhauer, "das Risiko wollten wir nicht eingehen." Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

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