Straßen-IDM auf dem Eurospeedway Lausitz (Archivversion) Engpass

In der Internationalen Deutschen Motorradmeisterschaft der Superbikes ist kein Platz für Träumer. Da geht es an der Spitze eng her, im Mittelfeld und selbst auf den hinteren Rängen. So eng, dass jetzt der erste Fahrer den Abschied aus der IDM als einzigen Ausweg sah.

Nachdem die Zielflagge eingerollt ist, die Superbikes geparkt und die Pokale verteilt sind, gibt es bei der IDM eine bisweilen unterhaltsame Einrichtung: die öffentliche Pressekonferenz. Als es bei den ersten beiden Rennen etwas länger dauerte, weil der Sieger noch ein Interview gab, frotzelte schon der ein oder andere: »Wartet erst mal ab, bis Jörg Teuchert gewinnt.« Jener Teuchert, Supersport-Weltmeister des Jahres 2000, gilt nicht nur als Sieganwärter, sondern beherrscht auch die Kunst der Mikrofonunterhaltung virtuos.

Doch bevor Teuchert als Doppelsieger des Rennwochenendes auf dem Eurospeedway Lausitz zu Wort kommen sollte, gab es anderen Gesprächsstoff im Fahrerlager. Superbike-Akteur Andreas Hahn warf nach zwei Veranstaltungen den Helm in die Ecke – zumindest vorläufig. Motivationsprobleme und fehlende Risikobereitschaft nannte der 24-Jährige als Gründe.
Hahns Teamchef Guido Bray beurteilte die Sache differenzierter: »Wir hatten Top-Ten-Plätze anvisiert, die Andy aber nicht erreichte – daran, dass er sich noch steigern kann, glaubt er nicht.« Bray kritisiert: »Es liegt an der Grundeinstellung zum
Motorsport. Die Jungen sind einfach zu verwöhnt und sollten sich mal ein Beispiel an Fahrern wie Michael Schulten nehmen.« Für die verbleibende Saison verpflichtete Bray Rico Penzkofer, der noch vor kurzem in Daytona die Renn-Buell durch die legendäre Steilwand in Florida presste und per se nicht als Jammerlappen gilt. Aus dem Stand konnte allerdings auch Penzkofer die Leistung von Hahn nicht toppen. Er hofft, sich schnell an das Kawasaki-Superbike zu gewöhnen.
Hohe Temperaturen und das Streckenlayout des Lausitzrings mit vielen Wechselkurven sorgten am Samstag während des Qualifikationstrainings für nachdenkliche Mienen bei der Reifenwahl und der Ab-
stimmung. So experimentierte Suzuki-Pilot
Andreas Meklau mit einem schmaleren
Reifen, um flinker und kräfteschonender zirkeln zu können, musste indes erkennen, dass der breitere Dunlop-Pneu, eingesetzt von Teuchert auf der Yamaha, mit mehr Grip die schnellere Variante darstellte.
Aber nicht nur die Abstimmung, auch das Abbiegen selbst wurde in der Fahrermeute diskutiert. Die so genannte »ADAC-Kurve«, eine neu geschaffene Streckenvariante, die für noch mehr Spannung bei den Fans sorgen soll, fand nicht die Zustimmung der Piloten. Die Ecke ist schwer einsehbar, deshalb der Einlenkpunkt nach hartem Anbremsen schwer zu finden, danach stehen zig Linien zur Wahl. Zu allem Überfluss droht am Kurvenausgang noch eine stabile Betonmauer. Auch Teuchert meckerte. Dessen ungeachtet hatte er jedoch sein noch in Oschersleben problematisches Fahrwerk im Griff und donnerte als Trainingsschnellster stramm auf die Pole Position.
Im ersten der beiden Rennen zog
Teuchert nach gelungenem Start einen angriffslustigen Schwarm hinter sich her, mit dem Kampfplan, sich zügig abzusetzen. »Das gelingt dir aber nicht, wenn Michael Schulten hinter dir ist«, meinte er später grinsend. So ergab sich ein Express-Trio aus Werner Daemen, Teuchert und Schulten, aus dem Teuchert als Sieger hervorging, weil der am Limit operierende Schulten in der allerletzten Runde übers Vorderrad stürzte. Dafür bedankte sich Andreas Meklau, der mit einer harten Reifenmischung gestartet war, zum Schluss nach vorne drückte und aufs Treppchen durfte. Selbst bei der Siegerehrung hatte es
Teuchert noch eilig, nicht einmal den Schampus öffnete er. Rasch strebte er zur Pressekonferenz, um dort ausgiebig über die seiner Meinung nach misslungene Streckenführung zu lästern.
Im zweiten Lauf gab es erneut einen Schnellstarter. Didier van Keymeulen, bisher mit vielen Problemen in die Saison gestartet, preschte nach vorn und hielt die Spitze, bis sein belgischer Landsmann
Daemen die Führung übernahm – eine Runde später klappte van Keymeulen das Vorderrad ein. Sein Malheur verhalf Daemen jedoch nicht zum Sieg, weil dessen Honda urplötzlich von einem Kurzschluss gestoppt wurde. Die Konsequenz: Teuchert gewann auch den zweiten Lauf, diesmal vor Schulten und Meklau.
Weitaus weniger spektakulär als die Superbike-Wettkämpfe gestalten sich momentan die Rennen der anderen IDM-Klassen. Die Supersport-Kategorie könnte getrost in »Tode-Sport« umbenannt werden, denn nur eigenes Missgeschick dürfte Arne Tode aktuell von der obersten Treppchenstufe vertreiben. Bei den 125ern herrscht weiterhin KTM-Orange. KTM-Nachwuchsmann Randy Krummenacher dominierte vor Honda-Fahrer Georg Fröhlich. Krummenachers Teamkollege und Oschersleben-Sieger Robin Lässer warf sich diesmal übermotiviert zu Boden, schaffte es nach feuriger Aufholjagd aber noch auf den fünften Platz. Einheitskost auch bei den rasenden Flundern mit
drei Rädern, wo Ex-Champion Jörg Steinhausen im Moment kein Mittel gegen das Sieg-Abonnement von Markus Schlosser mit Beifahrer Bernhard Wagner findet.

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