Straßen-IDM auf dem Sachsenring (Archivversion) Final Countdown

Als am Sachsenring nach Rennende die ersten Vorzelte eingerollt wurden, war im Fahrerlager so ein leichtes, nicht exakt definierbares Grummeln zu vernehmen. Tags darauf, als die fetten Regenwolken des Rennsonntags sich müde verzogen hatten, schien es dann eher zu donnern. Am Dienstag, als die Sonne dem lahmen Sommer noch mal Druck machte, donnerte es erneut, und exakt zur Mittagszeit schlug der Blitz ins elektronische Postfach ein in Form einer Pressemitteilung von Suzuki International Europe. »Strategischer Patzer«, war da zu lesen, »raubte dringend benötigte Punkte im Kampf um den Titel.« Und weiter: »Die Jagd über-
stieg sämtliche Vorstellungskraft.« Schließlich ganz direkt: »Der Südtiroler Markenkollege durchkreuzte sämtliche Pläne.« Ein Blick in die einschlägigen Nachrichtenseiten brachte die Gewissheit, dass der dritte Weltkrieg nicht unmittelbar vor der Tür stand. Was war geschehen?
Der vorletzte Lauf zur Internationalen Deutschen Motorradmeisterschaft (IDM) der Superbikes hatte sich zu einem Dreikampf entwickelt. Martin Bauer auf der Holzhauer-Honda, Jörg Teuchert vom Team Inghart mit der Yamaha und Andreas Meklau, eben der Pilot des Suzuki International Europe Teams, kämpften nicht nur um den Rennsieg, sondern auch um die Vorherrschaft in der Meisterschaftstabelle. Klar war dabei: Ein Fehler, egal in welcher Hinsicht, kann schon das Ende aller Rechenspiele um den Punktestand bedeuten.
Martin Bauer stand auf Pole und hoffte auf trockene Bedingungen. Seit Schleiz wusste er um den begrenzten Nassgrip seiner Pirelli-Pneus. Andy Meklau gilt als besonnener Punktesammler, Jörg Teuchert setzt dagegen energisch auf Angriff. Es sah fast aus wie verabredet, als die Dreierbande auf trockener Piste beim ersten
Lauf im Formationsflug die enge Strecke
umkreiste. Eine kurze Schwäche Bauers
nutzte Teuchert aus, drückte sich vorbei und genoss schließlich Laufsieg inklusive Meisterschaftsführung.
Dann das zweite Superbike-Rennen, Regen und der vermeintliche Suzuki-Skandal. Martin Bauer schwenkte außerhalb der Punkteränge die weiße Fahne und fuhr in seine Box. Jörg Teuchert dagegen demontierte lässig seine Rennbegleiter und führte vor Meklau-Teamkollege Roman Stamm. Dann allerdings kam mit dem Südtiroler Markus Wegscheider der dritte Suzuki-Fahrer ins Spiel, überholte geschwind, weil schneller, Werksfahrer Meklau auf Position drei – und schon war die Zielflagge draußen. Auf dem Treppchen standen Teuchert als Sieger und zwei Suzuki-Piloten. Nur eben nicht Andy Meklau, der war Vierter – und Wegscheider der Buhmann. Mit 15 Punkten Vorsprung auf Meklau tritt Teuchert jetzt satt gepolstert beim Finale in Hockenheim an.
Während bei den Supersportlern Abo-Sieger Arne Tode gewann, verpasste in der Achtelliterklasse Robin Lässer die Chance, als Meisterschaftsführender mit einem vierten Platz vorzeitig den Titel zu sichern. Das Rennen gewann Georg Fröhlich, Lässer dagegen warf in einer nicht ganz geklärten Situation beim Kampf um Platz drei seine KTM in der letzten Kurve der letzten Runde ins Kiesbett. In Hockenheim darf er nun endgültig versuchen, seinen Vorsprung zu nutzen. maja

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