Straßen-IDM-Finale in Hockenheim (Archivversion) Zweier-Beziehung

In allen vier IDM-Klassen standen zum Finale in Hockenheim spannende Zweikämpfe um die Meisterschaft an. Wie erwartet konnten sich die Favoriten durchsetzen.

Yamaha-Pilot Stefan Nebel gegen
Suzuki-Fahrer Andreas Meklau: Das war die Ausgangssituation vor den letzten beiden Rennen, in denen die wichtigste Entscheidung der Internationalen Deutschen Motorradmeisterschaft (IDM) fallen musste – die der Superbike-Klasse. Klar, Nebel war mit 34 Punkten Vorsprung in der Tabelle nach Hockenheim gereist, konnte also bei den zwei mal 25 Zählern, die noch zu vergeben waren, schon im ersten Lauf den IDM-Titel erobern. Was er nicht wusste: Meklau hatte insgeheim schon aufgegeben. »Auf der schnellen Piste ist gegen die Yamaha nichts zu machen.«
Ein Grund für Stefan Nebel, ziemlich rasch auf Nummer sicher zu gehen und am Ende der siebten Runde die Führung zu übernehmen. Wobei er Christian Kellner überholte, der mit seiner Bridgestone-
bereiften Suzuki erneut einen Blitzstart vorführte, und den Österreicher Robert Ulm, der sein Abschiedsrennen gab.
Nach den 19 vorgesehenen Rennrunden fuhr Nebel mit 4,6 Sekunden Vorsprung vor dem erneut starken österreichischen
Honda-Piloten Martin Bauer und mit fast 13 Sekunden Plus vor dem nur Sechstplatzierten Meklau als neuer Meister ins Ziel – die erste Sektdusche erwischte ihn be-reits wenige Sekunden, nachdem er sein
Motorrad im Parc fermé abgestellt hatte.
Der zweite Grund für Stefan Nebel, sich bei der Klärung der Meisterschaftsfrage etwas zu sputen, wurde derweil in der Box seines Teams rennfertig gemacht: Eine IDM-Superbike-Yamaha in den Rennfarben Schwarz-Weiß-Gelb des dreifachen 500er-Weltmeisters Kenny Roberts senior, mit denen die Japaner beim USA-Grand-Prix im Juli auch ihren Superstar Valentino Rossi ins Rennen schickten – zur Feier des 50. Geburtstags der Marke. Nebel sollte sie im zweiten Lauf fahren dürfen, wenn er die Titelentscheidung im ersten Rennen
erzwingen würde. Für ihn ein Traum: »Ich hatte nach der TV-Übertragung des
US-Grand-Prix erwähnt, dass mich dieses Design begeistert – meine Mannschaft nahm das wohl sehr ernst.«
Im zweiten Lauf kutschierte Nebel sein gelbes Gefährt zunächst vorsichtig um den Kurs und überließ den Kollegen die Show, die dieses Jahr noch etwas zu beweisen hatten. Wie der durch Stürze und eine Disqualifikaton gebeutelte, abgesetzte Meister Michael Schulten und MV-Agusta-Pilot Jörg Teuchert. Der führte das Rennen von der zweiten bis zur vorletzten Runde an, hätte den Sieg wohl verdient, scheiterte dann aber an einem missglückten Überrundungsmanöver und fiel noch aus den Podesträngen. So triumphierte Schulten, während Nebel sich bei der letzten Durchfahrt der Sachskurve noch Yamaha-Teamkollege Philipp Hafeneger schnappte: »Meine Paradekurve«, grinste Nebel.
Stefan Bradl gegen Michael Ranseder, Vorsprung Bradl: sechs Punkte – die Vorgabe für das 125er-Rennen. Ein zweiter Platz würde Bradl genügen, seinem KTM-Teamkameraden Ranseder den Titel in der kleinen Zweitaktklasse abzunehmen. Eine sicher schwierige Situation für die KTM-Juniortruppe, doch keine problematische. Die Fahrer sind fast gleichwertig, die
Motorräder schon jetzt Grand-Prix-tauglich, die Entscheidung musste auf der Strecke fallen. Bradl ging sofort an die Spitze, Ranseder hielt sich dicht hinter ihm: »Was hätte ich denn für eine andere Möglichkeit gehabt, als ihn in einen Fehler zu treiben?« fragte der Österreicher, nachdem er das Rennen gewonnen, den Titel aber verloren hatte, weil Bradl direkt hinter ihm die Zielflagge sah. »Stefan hat meiner Taktik echt gut Stand gehalten«, lobte
Ranseder. Teamchef Konrad Hefele, ehemaliger 250er-Grand-Prix-Fahrer, muss ein perfekt erledigter Job attestiert werden: Er entlässt aus dem KTM-Juniorteam zwei deutsche Champions in die 125er-Weltmeisterschaft 2006.
Kai-Børre Andersen gegen Herbert Kaufmann, Vorteil Andersen: sechs Punkte – das Programm für den Supersport-Showdown. »Mit Köpfchen fahren«, hatte sich Andersen vorgenommen, nachdem
er im vergangenen Jahr den fast sicheren Titelgewinn durch einen unnötigen Sturz zum Saisonende verspielt hatte. So ließ er dem heftig anstürmenden, in der Titelfrage jedoch keine Rolle spielenden Arne Tode nach zwei Runden den Vortritt – da hatte sich Herbert Kaufmann mit einem verunglückten Bremsmanöver gerade auf Rang sechs und somit aus dem direkten Titelkampf verabschiedet: »Ich dachte, das könnte ich besser«, sinnierte Kaufmann später, doch ohne Groll. Ihm blieb ja wie im Vorjahr die Vizemeisterschaft. Die Schlussattacke, die Andersen in den letzten Rennrunden gegen Tode ritt und die seiner
Kawasaki-Crew wie eine halsbrecherische Wahnsinnstat erschien, war indes wohl kalkuliert: Tode konnte sich mit abbauenden Reifen nicht mehr zur Wehr setzen.
Jörg Steinhausen und Axel Kölsch versus Josef Moser und Ueli Wäfler, Abstand 19 Zähler: der Titel des Schlusskapitels der IDM 2005. Auch bei den Gespannen gab es keine Überraschungen mehr. Steinhausen/Kölsch siegten überlegen, doch Moser/Wäfler beließen es nach mäßigem Start nicht dabei, hinterherzutuckern und den neunten Platz einzufahren, der für den Titelgewinn gereicht hätte. Vom achten Rang nach Runde eins arbeiteten sie
sich auf den dritten Podestrang vor – und konnten so die Glückwünsche der neuen Ex-Meister Steinhausen/Kölsch in angemessener Umgebung bei der Siegerehrung entgegennehmen.

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