Superbike Auftakt (Archivversion) Meister-Schüler Max Neukirchner

Endlich in der grundsätzlich komfortablen Position des Suzuki-Werksfahrers in der Superbike-Weltmeisterschaft, kamen auf den Deutschen Max Neukirchner plötzlich ganz neue Probleme zu. Seine Lösungsansätze sind erfreulicherweise durchaus überzeugend.

Max Neukirchner hat in Bert Poensgen einen kongenialen Partner. Wie der einzige deutsche Weltklasse-Motorrad-Rennfahrer geht der Direktor des deutschen Suzuki-Importeurs fast schon mit Besessenheit Erfolg
versprechende Projekte an. Dazu kommt ein unerschütterlicher
»Alles-wird-gut«-Optimismus.
Als Max Neukirchner beim Superbike-WM-Saisonauftakt 2008 auf der Wüstenrennstrecke Losail in Qatar in seinem ersten Rennen als offizieller Suzuki-Werksfahrer gleich die Führung übernahm, erschien tatsächlich alles gut. Erstmals in der immerhin schon 22-jährigen Geschichte der Superbike-WM führte ein deutscher Fahrer das Feld an.
Dabei stand Neukirchners Perspektive für 2008 im vergangenen Winter nicht nur einmal Spitz auf Knopf. Und das, obwohl der Sachsenpfeil bereits im September 2007 verkünden konnte, dass sein Engagement im Alstare-Suzuki-Werksteam, damals noch mit Sponsormillionen der mexikanischen Corona-Brauerei unter paradiesischen Bedingungen arbeitend, für 2008 perfekt sei.
Doch mit dem Corona-Ausstieg nach zehn Jahren beim Alstare-Team änderte sich die Lage Ende 2007 komplett. »Es war ein sehr harter Winter für uns«, resümiert der Belgier Francis C. Batta, Alstare-Patron, »zwischenzeitlich liefen wir gar Gefahr, das Team zusperren zu müssen.«
Einen potenziellen Nachfolger
als Hauptsponsor hatte Batta
zwar schnell an der Angel. Aber der Abschluss verzögerte sich.
»Am Ende lief uns die Zeit weg, und wir konnten uns nur einigen, die Sache in Ruhe für die Saison 2009 vorzubereiten.« Für 2008 dagegen stand Batta auf der Seife, zumal er auf einmal drei statt wie im Vorjahr zwei Werksfahrer im Team hatte. Zu Neukirchner
und dem Japaner Yukio Kagayama, der zusätzlich Suzuki-Entwicklungsfahrer ist, kam der Spanier Fonsi Nieto. Der hatte
bis dahin auf einer Semi-Werks-Kawasaki keine Bäume ausgerissen, brachte aber 1,4 Millionen Euro als appetitliche Sponsor-Gabe mit.
Angespannte Finanzlage, ein Fahrer mehr im Team, der noch dazu mit Sponsorgeld
im Rücken Ansprüche stellen kann – Neukirchners Situation war nicht angenehmer ge­worden. Poensgen wiegelte zwar ab: »Wir dürfen unseren eigenen Beitrag nicht unter den Scheffel stellen. Neben dem Sponsor Dark-Dog-Energy-Drink kommt über uns auch direkte Unterstützung vom Suzuki-Werk. Am Ende nützt Max Neukirchner – auch finanziell – dem Alstare-Team nicht weniger als Nieto.«

Bei den ersten offiziellen Tests des Superbike-WM-Einheitsreifenherstellers Pirelli war Max Neukirchner jedoch als einziger Werksfahrer aller Hersteller nicht dabei – ausgerechnet in Qatar, der Strecke des
Saisonauftakts. Jedes Werk darf zu solchen Tests den Regeln entsprechend nur zwei Fahrer aufbieten. Die meisten haben nicht mehr. Und Suzuki sowie Batta entschieden sich für Test­fahrer Kagayama und Zahlmeister Nieto. Neukirchner saß grollend zu Hause. Poensgen wiegelte erneut ab: »Nieto hat wohl noch zu wenig Rennstreckenzeit mit der Suzuki. Das ist unglücklich für Max, aber nicht entscheidend.«
Als Neukirchner dann bei den nächsten Vor­saison-Tests im australischen Phillip Island krankheitsbedingt kaum fahren konnte, wurde es allmählich brenzlig. »Max’ Krankheit in Phillip Island halte ich für gravierender als die Zwangspause in Qatar«, wurde erstmals auch Poensgen etwas unruhig.
Zum Saisonstart schließlich erschien Alstare-Suzuki nicht ganz unüberraschend doch mit einem Hauptsponsor. »PepePhone.com« prangte in leuchtendem Rot und Weiß auf den GSX-R 1000. Dahinter steht ein interessantes Werbekonzept der spanischen Fluggesellschaft Air Europa, die einen gegenüber gewöhnlichen spanischen Mobilfunk-Anbietern etwas teureren Tarif anbietet, der jedoch Rabatte bei Flugtickets ermöglicht. Jeden vertelefonierten Cent bekommt man in Form verbilligter Air-Europa-Tickets zurück. Der Sponsor kommt – natürlich – von Nieto und stärkt dessen Position im Team weiter. »PepePhone war zunächst
nur ein kleiner Co-Sponsor«, erinnert sich Batta, »als ein Hauptsponsor
für 2008 nicht mehr in Sicht war, hat Fonsi mir sehr geholfen. PepePhone wollte gar nicht als Hauptsponsor auftreten. Zusammen ist es uns
gelungen, sie zu überreden.«
Besorgten Fragen, ob dies Nietos Position im Team weiter ver­festigt, etwa zu Neukirchners Lasten, kommt Boss Batta mit einem Loblieb auf seinen deutschen Fahrer zuvor. »Max passt hervorragend zu Alstare. Er arbeitet hoch konzentriert und nach stringentem Plan am ganzen Rennwochenende. Wir haben ihm bewusst eine sehr junge Techniker-Crew zur Seite gestellt. Sie werden zusammenwachsen. Max hat Potenzial, die Superbike-WM 2009 zu gewinnen.«

So erlebte Neukirchner eigentlich ein sehr ermutigendes Saisonauftakt-Wochenende in der Wüste. Im Laufe der Qualifikationstrainings setzte er sich Teamintern klar gegen Nieto und Kagayama durch, stand auf Startplatz vier in der ersten Reihe. Nach neun eindrucksvollen Führungsrunden warf ihn im ersten Rennen nur ein verendender Hinterreifen auf Rang fünf zurück.
Einziger Wermutstropfen: Teamkollege Nieto gewann das zweite Rennen und zeigte so, dass er doch nicht nur Alstare-Finanzminister ist. Neukirchners persönlicher Betreuer und letztjähriger Teamchef Mario Rubatto sieht dennoch kein Problem: »Wenn wir uns davon beeindrucken lassen, müssen wir sofort aufhören. Das Gegenteil wird passieren.“

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