Superbike: BMW S 1000 RR (Archivversion) Black Beauty

Das BMW-Superbike-WM-Projekt biegt auf die Zielgerade ein. Die nächste Motorenausbaustufe der S 1000 RR soll ab sofort auf echten WM-Strecken ihre Konkurrenzfähigkeit mit etablierten WM-Superbikes beweisen.

Für das BMW-Superbike-WM-Projekt beginnt die heiße Phase. „Wir sind jetzt so weit, dass wir auf Strecken testen können, die auch in der WM gefahren werden, um im Rundenzeitenvergleich genau festzustellen, wo wir stehen“, gab BMW-Motorrad-Entwicklungsdirektor Peter Müller die Losung aus für die entscheidende Vorbereitungszeit auf die Premierensaison der BMW S 1000 RR in der Superbike-WM 2009. Dazu wird nach den letzten Tests auf dem Eurospeedway Lausitz, im vergangenen Jahr noch Austragungsort der Superbike-WM, vor allem der zur Verfügung stehende Fuhrpark kräftig erweitert. „Über die zwei schon existierenden Testmaschinen hinaus werden wir im Laufe des August bis zu fünf weitere Rennmaschinen aufbauen“, erklärt Müller, „die insbesondere in Sachen Motorausbaustufen und Fahrwerk schon wesentlich weiter entwickelt sein werden.“

Bezüglich der endgültigen Bauart des Zylinderkopfs hält sich Ingenieur Müller zwar weiterhin lächelnd zurück, gibt aber zu verstehen, „dass wir auf jeden Fall eine Konstruktion wählen werden, mit der wir bei BMW sehr viel Erfahrung haben“. Tatsächlich sehr viel Erfahrung, wenn auch eher im Automobilbereich, können die Bayern bei ihrer variablen Nockenwellen-Steuerung „Vanos“ vorweisen. Diese Technik, die die Ventilüberschneidung im Lastwechselhub stufenlos dem Optimum des jeweiligen Drehzahlbereichs anpasst, führt zur Verbesserung des Drehmoments sowie zu Mehrleistung in den bei einem Rennmotorrad „unteren“ Drehzahlregionen, ohne dass das Triebwerk dafür an Spitzenleistung verliert.

Damit würde der 1000er-BMW-Reihenvierzylinder in die Domäne der 1200er-Ducati-Twins einbrechen, die gegenwärtig speziell am Kurvenausgang mit überlegener Beschleunigung gegenüber den 1000er-Vierern aus Japan glänzen.

Davon unabhängig sind in der Länge variable Ansaugkanäle ein Thema für die Entwickler des BMW-Superbikes. In dieser Technik haben die Bayern aus ihren Vierrad-Rennaktivitäten ebenfalls größte Erfahrung.

Das Testprogramm, um die S 1000 RR mit ihren offenbar recht komplexen technischen Feinheiten zur endgültigen Rennreife zu bringen, wird in der näheren Zukunft hauptsächlich auf den im WM-Kalender stehenden Rennstrecken laufen, die von der völlig neu gebauten Alpha-Racing-Teambasis in Stephanskirchen bei Rosenheim leicht zu erreichen sind. Misano, Valencia und auch Brünn werden somit in den nächsten Monaten die bevorzugten Aufenthaltsorte der von Teamchef und Projektleiter Rainer Bäumel sowie Chefmechaniker Wolfgang Martens angeführten Entwicklungstruppe sein.

Die Rolle der Testfahrer übernehmen für diese Phase der Superbike-WM-erfahrene Australier Steve Martin sowie der junge, durch Husarenritte in der Langstrecken-WM aufgefallene Spanier Julian Mazuecos. Beide Piloten stehen wegen ihrer offenbar hohen analytischen Fähigkeiten bei BMW-Motorrad-Sportchef Berti Hauser hoch im Kurs, „auch wenn beide wohl nicht für die Position unseres zweiten Superbike-WM-Rennfahrers für die Saison 2009 in Frage kommen“.

Als Teamkollege des bereits verpflichteten Katalanen Ruben Xaus stellt sich BMW vielmehr einen Fahrer vor, der mindestens auf dem Niveau des bisherigen Ducati-Privatfahrers einzuordnen ist. „Es ist kein Geheimnis mehr, dass wir zum Beispiel mit Troy Corser und Max Biaggi in Kontakt sind“, erläutert Peter Müller, „mit diesen beiden Namen ist natürlich auch klar, auf welcher Ebene wir uns da engagieren wollen. Andererseits dürfen und wollen wir aber nicht den Eindruck erwecken, dass da jetzt plötzlich BMW im Motorrad-Rennsport auftaucht und Fantasiegehälter zahlt, die jeglichen Rahmen sprengen.“

Dass es grundsätzlich um die Finanzen des neuen BMW-Superbike-WM-Teams eher gut stehen soll, dafür wird auch die renommierte Sport-Marketing Agentur Infront sorgen. Die Schweizer, schwerpunktmäßig im Fußball, aber auch in vielen anderen weltweit vermarkteten Sportarten engagiert, sind bereits seit dem Frühjahr 2007 Teilhaber der Superbike-WM-Promotionagentur FGSport und innerhalb dieses Deals hauptsächlich für die Fernseh-Vermarktung zuständig.

In der Kooperation mit BMW sieht Infront ihre Arbeit vor allem in der Sponsor-Akquise sowie bei flankierenden Marketing-Maßnahmen. Insgesamt darf dieser Schachzug von BMW als durchaus intelligent bewertet werden, weil Infront als Rechte-Inhaber der Superbike-WM mit einem potenziellen BMW-Sponsor wesentlich konkretere Gespräche führen kann als andere. Und tatsächlich wird hinter vorgehaltener Hand, leider noch ohne Nennung des Namens, bereits Vollzug bezüglich des künftigen Hauptsponsors gemeldet.

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