Superbike-WM 2005: Vorschau (Archivversion) Stunde der Sieger

Ducati will den Superbike-WM-Titel mit allen Mitteln
verteidigen – dem japanischen Generalangriff zum Trotz.

Die Ergebnisse sprechen eine deutliche Sprache: Elf Fahrer- und 13 Konstrukteurstitel holte Ducati seit den Anfängen
der Superbike-WM im Jahr 1988, gewann dabei mehr Rennen als alle anderen Hersteller zusammen. Dennoch: 2005, da sind sich
im Werk in Bologna alle einig, wird kein Zuckerschlecken.
Ducati präsentiert seinen Zweizylinder gut gerüstet für den Angriff der Vierzylinder-Phalanx aus Fernost. Unter anderem soll ein neues Motoröl dafür sorgen, sich die Konkurrenz vom Leibe zu halten.
Zusammen mit Verbesserungen an Kurbelwelle, Kolben und Pleueln entlockt der neue Schmierstoff Ducatis Superbike glatte fünf PS mehr – statt bislang offiziellen 189 jetzt 194 an der Kurbelwelle. Das Wundermittel wurde zusammen mit Shell für den MotoGP-Einsatz entwickelt.
Doch allein darauf verlassen sich die Italiener nicht; Aerodynamik, Elektronik und Fahrwerk der 999 F05 wurden überarbeitet. »Im Windkanal haben wir eine strömungsgünstigere Scheibe ent-
wickelt«, erläutert Filippo Preziosi, 36, Ducati-Corse-Technik-Chef
und neuerdings auch Generaldirektor des Rennstalls, »an der
endgültigen Form des Tanks feilen wir noch.« Außerdem veränderten die Renningenieure die Gewichtsverteilung. So sitzt die
Elektronik jetzt hinter dem Lenkkopf und übernimmt auch neue
Aufgaben. »Die Motorbremswirkung wird nicht mehr nur über die Anti-Hopping-Kupplung, sondern auch über einen kleinen Elektro-
motor gesteuert, welcher die Drosselklappen in der Minimalstellung korrigiert«, so Preziosi. »Am Kurvenausgang schaffen wir einen sanfteren Leistungseinsatz, weil die Elektronik die Vorzündung
reduziert.« An der 42er-Öhlins-Gabel lässt sich High- und Low-Speed-Dämpfung separat einstellen. Außerdem führt die Werks-
Ducati erstmals einen elektrischen Anlasser mit. »Am Start stehen zu bleiben und deswegen einen Lauf zu verlieren können wir uns dieses Jahr bestimmt nicht leisten«, meint Preziosi.
Keinerlei Veränderung gab’s beim Team. Die Werksrenner werden weiterhin von Weltmeister James Toseland, 24, und Vizeweltmeister Régis Laconi, 29, gesteuert. »Wir brauchen jetzt unbedingt ein
Rennen«, sagt Laconi ungeduldig, »damit wir wissen, wo wir im
Vergleich zu den Vierzylindern stehen.«
Doch egal, was die Japaner reißen: Die Erwartungshaltung in
Bologna ist glasklar. »Fahrer- oder Konstrukteurs-WM, das ist für uns keine Frage,« bestätigt Ducati-Boss Federico Minoli. »Wir
wollen beides gewinnen.« ebr

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