Superbike-WM auf dem Eurospeedway Lausitz (Archivversion) Sachsen-Pfeil

Bei seinem Heimspiel musste der deu­tsche Superbike-Held Max Neukirchner zwar einmal zu Boden, konnte aber auch einen Vertrag als offizieller Suzuki-Werksfahrer 2008 unterschreiben.

Gerade hatte Max Neukirchner den fünftplazierten Fonsi Nieto auf seiner Werks-Kawasaki niedergerungen und damit beste Aussichten auf ein Top-Ergebnis im ersten Rennen seines Heimspiels auf dem Eurospeedway Lausitz, da stockte den knapp 30000 Fans in der gigantischen Anlage der Atem.
Der Sachse ging in der Linkskurve nach der letzten der drei kurzen Infield-Geraden zu Boden, und aus war’s. »Ich hatte etwas früher Gas gegeben als vorher«, erinnerte sich Max, »das Vorderrad wurde leicht, knallte dann jedoch unverhofft auf eine Bodenwelle, die ich wohl übersehen hatte – da war nichts mehr zu machen.«
Trotzdem war von Niedergeschlagenheit sowohl bei Max Neukirchner als auch bei seinem Umfeld nichts zu spüren. Denn am Rennsonntag hatte sich der einzige deutsche Superbike-WM-Fahrer endlich Klar­heit über seine Zukunft verschaffen können. »Ich werde 2008 im Alstare-Suzuki-Werksteam fahren«, freute er sich deutlich mehr, als er sich über den vielleicht überflüssigen Sturz hätte ärgern können.
Bert Poensgen, Direktor des deut­schen Importeurs Suzuki-International-Europe, konkretisierte das Abkommen: »Max und Max heißt das Thema in der Superbike-WM 2008. Neukirchner wird zusammen mit Biaggi das Alstare-Suzuki-Team mit 2008er-Werks-GSX-R-1000 bilden. Ob der japanische Suzuki-Testfahrer Yukio Kagayama als dritter Fahrer im Team bleiben kann, ist noch nicht endgültig geklärt.«
Falls 2008 tatsächlich drei Suzuki-Werks-Superbikes antreten, bleibt zu hoffen, dass Neukirchner auf jeden Fall als einer der ersten zwei Fahrer benannt wird. Denn nur dann hat er die Berechtigung, bei den mehrfach während der Saison an­gesetzten Reifentestfahrten des WM-Einheitsausstatters Pirellis teilzunehmen – ein nicht zu unterschätzender Vorteil für die Werks­fahrer der jeweiligen Hersteller.
Auf dem Eurospeedway Lausitz stand Neukirchner trotz seines Sturzes vor dem Japaner und liegt so auch in der WM-Tabelle weiter vor ihm. Denn Kagayama, 2007 eh schon heftig von Sturz- und Verletzungspech geplagt, musste in der Lausitz einen weiteren Rückschlag hinnehmen. Noch nicht vollständig von einem schweren Sturz im englischen Brands Hatch genesen, brach er sich im Freitagstraining bei einem weiteren Abflug die Hand. Zwar wollte er bei den Rennen antreten, schonte sich deshalb in der verregneten Superpole-Qualifikation und nahm Startplatz 16 in Kauf. Doch auch im Warm-up am Sonntagmorgen ging nichts. Kagayama musste die beiden Läufe sausen lassen, was möglicherweise Neukirchners Verpflichtung, der im zweiten Rennen Neunter wurde, etwas Vorschub leisten konnte.
Auf jeden Fall aber ist für den Sachsenpfeil mit dem Aufstieg ins Werksteam die Zeit als hoffnungsvolles Nachwuchstalent vorbei. Ab der kommenden Saison tritt Max Neukirchner mit voll konkurrenzfähigem Material gegen das Superbike-Establishment an wie etwa Noriyuki Haga, Troy Bayliss, Troy Corser und auch gegen seinen neuen Teamkollegen Max Biaggi.
Ergebnisse wie der neunte Platz auf dem Eurospeedway, der unter den der­zeitigen Bedingungen – kleines, finanziell eingeschränktes Team mit fast zwei Jahre alten Privat-Motorrädern – sehr ehrenhaft ist, werden dann nicht mehr ausreichen.
Neukirchner, der aktuell als Neunter der WM-Tabelle mit Yukio Kagayama und dem Kawasaki-Duo Régis Laconi und Fonsi Nieto immerhin drei Werksfahrer ­hinter sich halten kann, ist sich bewusst, dass 2008 der große Schritt unter die Top Fünf und zu einigermaßen regelmäßigen Podiumsplätzen geschafft werden muss.
Ganz vorn im Superbike-WM-Feld fehlte bei den Lausitz-Rennen ausgerechnet Tabellenführer James Toseland. Mit einem lupenreinen Doppelsieg und etwas Glück hätte der Ten-Kate-Honda-Werksfahrer gegenüber seinen letzten verbliebenen Verfolgern im Titelrennen, Haga und Biaggi, bereits im Süden Brandenburgs den WM-Titel sicherstellen können. Aber es kam völlig anders. Die Vorstellung des Eng­länders, dessen Aufstieg mit Yamaha in die Moto­GP-WM schon länger feststeht, blieb in beiden Rennen sehr unscheinbar. Rang neun mit einem völlig missratenen Hinterreifen im ersten Rennen und Rang vier, interessanterweise auf einem Reifen gleichen Typs, der aber deutlich besser funk­tionierte, brachte seinen stattlichen 66-Punkte-Vorsprung zum Schmelzen.
Der Tabellenzweite Noriyuki Haga packte die Chance beim Schopf, kämpfte sich mit einem überlegenen Sieg zum Auftakt und Rang zwei im zweiten Rennen hinter dem unwiderstehlichen, in der laufenden WM aber nur viertplazierten Titelverteidiger und Ducati-Werksfahrer Troy Bayliss bis auf 41 Punkte Rückstand heran. Toselands Absicht, den Titel auf jeden Fall schon beim vorletzten WM-Event Ende September in Vallelunga vor den Toren Roms zu sichern, wurde deutlich erschwert. Womit sich unerwarteterweise doch noch ein echtes Weltmeisterschafts­finale am 7. Oktober im französischen Magny-Cours abzeichnet.

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