Superbike-WM Brünn/CZ (Archivversion) Nine years after

Neun Jahre hatte die Superbike-WM nicht mehr im Automotodrom Brünn gastiert.
Auf den ersten Blick hat sich wenig geändert. Wie 1996 war Troy Corser äußerst erfolgreich,
und Noriyuki Haga erinnerte ebenfalls an goldene alte Zeiten.

Noch ein bisschen cooler und
fröhlicher als sonst saß Troy Corser bei der Siegerpressekonferenz nach dem
ersten Rennen zur Superbike-WM auf
der tschechischen Grand-Prix-Piste von Brünn. »Tja, damals hatte ich eine überlegene Werks-Ducati und Michelin-Reifen, dazu diese sehr flüssige Strecke hier,
alles ging ganz leicht, wie heute auch«, grinste der 33-jährige Australier. Er ist auf dem besten Weg, seinem Titel aus dem Jahr 1996, der ihn zum jüngsten Superbike-Weltmeister der Geschichte gemacht hatte, neun Jahre später einen zweiten hinzuzufügen – dieses Mal allerdings würde er der bislang älteste Champion werden.
Der Vorsprung des Australiers in Brünn addierte sich phasenweise auf bis zu
acht Sekunden gegenüber dem Rest der Welt. An der Spitze der Verfolger wurde Blitzstarter Chris Walker auf seiner PSG-
1-Kawasaki nicht belohnt. Trotz seiner
couragierten Fahrt verdrängten ihn in der zweiten Rennhälfte die Ducati-Werksfahrer James Toseland und Régis Laconi doch noch von einem Podestrang. Der zweitplatzierte Toseland, nach einem schwachen Start zu einer Aufholjagd gezwungen, hatte für seine anfängliche Schwäche eine Erklärung: »Die Kupplung war nach dem Start am Ende. So musste ich ziemlich viel arbeiten, um noch aufs Podest zu kommen. Troy zu fordern war unter diesen
Umständen natürlich illusorisch.«
Toselands Cheftechniker, der Österreicher Charly Putz, erklärte den diffizilen Umgang mit der Kupplung einer Werks-Ducati. »Am Start sollte die Drehzahl bei 7000
bis 8000 Umdrehungen liegen. James aber fuhr mit rund 9000 an. Diese etwas höhere Belastung arbeitet die Sintermetallbeläge schon auf, und die ganze Kupplung wirkt unverhofft wie eine Bremse.«
Recht ungebremst gaben Pierfrancesco Chili (Klaffi-Honda), Lorenzo Lanzi (Caracchi-Ducati) und Noriyuki Haga einen Vorgeschmack auf das zweite Rennen:
Von den Startplätzen 17, 16 und 18 stürmte
das Trio auf die Ränge fünf bis sieben.
Der zweite Auftritt der Superbiker in Brünn zeigte einen Noriyuki Haga, an den sich die älteren Superbike-Fans noch mit größtem Glanz in den Augen erinnern. Startplatz 18 in der fünften Reihe, selbst die Qualifikation für das Superpole-Einzelzeitfahren um die 16 besten Startplätze hatte »Nitro-Nori« verpasst – eigentlich eine Schande für den Fahrer eines offiziellen Teams. Für Haga indes nur eine Extra-Portion Motivation. Wie in seinen
besten Jahren 1999 und 2000 regelmäßig demonstriert, düste der Japaner aus der Tiefe des hinteren Felds heraus. Niemand konnte den Samurai auch nur annähernd aufhalten. Nach der ersten Runde Achter, beendete Haga Runde vier bereits auf
Podestrang drei. Bis ins Ziel brachte er gar noch gut drei Sekunden zwischen sich und Titelanwärter Corser.
Die natürliche Galionsfigur aller Yamaha-Fans feierte dann seinen Triumph wie gewohnt mit heftigsten Burnouts in der Auslaufrunde, um ebenso in bekannter Manier wie ein verlegener Schuljunge ganz oben auf dem Siegerpodest zu erscheinen. Das entsprach so gar nicht der sensationellen Leistung des Japaners auf der bisher eher als untermotorisiert eingeschätzten Yamaha R1, auch wenn Nori-Chan selbst nur davon redete, welch schwere Arbeit dieser Sieg doch gewesen sei.
Haga gewinnt also von Startplatz 18 aus – wo bleibt da unser Max Neukirchner, als Superpole-Dritter immerhin aus der ersten Reihe gestartet? »Im ersten Rennen lief es nach mäßigem Start gar nicht so schlecht. Ich war Sechster, wieder auf
dem Weg nach vorn, als der Hinterreifen schon nach sieben der 20 Rennrunden massiv abbaute – die falsche Wahl.« Max rutschte als 14. ins Ziel. Im zweiten Rennen kam der Sachse vor zahlreichen Fans aus seiner Heimat nur 13 Runden weit.
Ölverlust an der Maschine, Ausritt in den Kies, zum Glück ohne Sturz. Max gab auf.
Das Yamaha-Deutschland-Supersport-Team musste leider ebenfalls eine Nullnummer verbuchen, die erste übrigens
seit jenem denkwürdigen Supergau von Oschersleben 2000, als sich Christian
Kellner und Jörg Teuchert im Kampf um die WM-Führung gegenseitig ins Aus beförderten. Kevin Curtain stürzte im Kampf mit Dauersieger Sébastien Charpentier (Ten-Kate-Honda), und Broc Parkes wurde von einem defekten Stoßdämpfer auf dem Weg zu einem sichern Podestrang an die Box gezwungen.
Besser ging das Brünn-Wochenende für Yamaha-Deutschland-Junior Kenan Sofuoglu aus. Noch immer von einem gebrochenen linken Kahnbein gehandikapt, biss sich der Türke im Superstock-1000-FIM-Cup-Rennen auf Rang zwei durch und hat weiter beste Chancen auf den Titel.

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