Superbike-WM Eurospeedway Lausitz/D: Reportage (Archivversion) Kenan im Gras

Nicht zum ersten Mal in dieser Saison dominierte Kenan Sofuoglu auf seiner Yamaha YZF-R1 des Yamaha-Deutschland-Teams
das Rennen zum Superstock-1000-FIM-Cup nach Belieben. Aber wie in Assen eine Woche zuvor kam auch auf dem Eurospeedway Lausitz in der letzten Runde eine Kleinigkeit dazwischen. Musste der junge Türke in Assen nach einem hitzigen Gefecht um den Sieg mit dem australischen Suzuki-Fahrer Craig Coxhell in der Zielschikane weit über die Wiese ausweichen, was Podestplatz drei hinter dem Italiener Alessandro Polita und Didier Vankeymeulen, seinem belgischen Teamkollegen bedeutete, war der gute Kenan in der Lausitz allein auf weiter Flur. Das Rennen war eigentlich gewonnen, als Sofuoglu in einer Links-Kurve die Linie verlor und erst in der folgenden Rechts des Kurvengeschlängels wieder auf den Asphalt kam. Der Vorsprung auf den zweitplatzier-
ten Vankeymeulen war dahin, der erste Platz gerade noch gerettet. Bis zur Ziellinie konnte sich Sofuoglu an der Spitze halten – und hatte
dennoch verloren.
Seine Eskapade wurde als Abkürzen gewertet, was es, nimmt man die reine Wegstrecke, ja auch war. Auf so ein Vergehen steht im Normal-
fall die Strafe in Form einer langsamen Boxendurchfahrt. Da dies nach der letzten Runde nicht mehr möglich ist, gibt es ersatzweise 20 Strafsekunden. Damit war der todtraurige Kenan auf Rang sechs zurückgesetzt, Vankeymeulen hatte zwar gewonnen, der komplette Triumph von Yamaha Deutschland mit zwei Doppelsiegen jedoch leider dahin.
Ein sofortiger Protest des Teams mit dem Argument, Sofuoglu hätte sich nicht willentlich einen Vorteil verschafft, sondern im Gegenteil sogar Zeit eingebüßt, wurde nicht zugelassen, weil Ride-through-Strafen unumstößliche Tatsachenentscheidungen sind, ähnlich denen von Fuß-
ball-Schiedsrichtern. In der Superstock-Meisterschaft führt Sofuoglu allerdings weiterhin mit 137 Punkten vor seinem Teamkollegen Vankeymeulen (127) und Coxhell (109).

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