Superbike WM-Finale in Portimão/P (Archivversion) Einsam, aber schneller

Es war sein Tag, er sollte im Mittelpunkt stehen, er machte alles, wirklich alles richtig. Dennoch war Troy Bayliss (21) zumindest während der beiden Superbike-Rennen in Portugal weitgehend unsichtbar für seine Konkurrenz.

Troy Bayliss gelang ein perfekter Abgang von der Superbike-WM-Bühne. Der 39-jährige Australier stand bereits seit dem vorletzten Saison-Rennen Anfang Oktober im französischen Magny-Cours zum dritten Mal als Weltmeister fest und hatte seinen Rücktritt als Rennfahrer schon zu Saisonbeginn angekündigt. Mit der Pole Position und zwei makellosen Siegen, weit außerhalb der Sichtweite seiner durchaus hochkarätigen Konkurrenten, bereitete sich der Ducati-Werksfahrer auf der neuen, beeindruckenden Rennstrecke in Portimão/Portugal eine gelungene Abschiedsparty.

Dass im ersten Lauf weit hinter ihm in sensationeller Weise um Rang zwei und wohl auch schon seine Nachfolge gekämpft wurde, hat der Champion erst bei der anschließenden Pressekonferenz erfahren und sofort seine Strategie für das zweite Rennen erklärt: „Wie es da hinter mir zugegangen sein muss, das ist nichts mehr für einen alten Mann wie mich in seinem letzten Rennen“, grinste er augenzwinkernd, „ich muss wohl schauen, dass ich auch das zweite Rennen mit einem perfekten Start eröffne und diese Kämpfe hinter mir lassen kann.“

Das war ein guter Plan des abtretenden Champions – und er klappte auch. Zwar brauchte Bayliss im zweiten Rennen eine halbe Runde, bis er seinem Ducati-Markenkollegen Ruben Xaus die Führung abjagen konnte – das erste Rennen hatte er als lupenreinen Start-Ziel-Sieg gestaltet. Aber danach gab es keine Chance mehr für die Verfolger. Mit bis zu acht Sekunden Vorsprung jagte Bayliss in aller Ruhe zum zweiten einsamen Sieg auf der extrem anspruchsvollen Berg-und-Tal-Bahn. Im Ziel war der bekanntermaßen nicht gerade überemotionale Australier dann doch überwältigt von der makellosen Art, wie ihm zusammen mit seinem Ducati-Werksteam der finale Akt seiner insgesamt neun-jährigen Karriere auf WM-Niveau gelungen ist. „Klar hört sich das etwas eigenartig an, wenn einer nach seinem letzten Rennen sagt: ‚Das Motorrad, das ich heute gefahren bin, war mit Abstand das beste in meiner ganzen Karriere.’ Aber es ist einfach wahr. Die 1098 F08 war heute nahe an der Perfektion, und ich wollte gar nicht mehr aufhören zu fahren.“

Der Wahrheitsgehalt dieser Aussage könnte zumindest eine Erklärung für die Chancenlosigkeit der restlichen Superbike-Welt sein, die sich jedoch, zur großen Freude der rund 50000 Zuschauer, schnell mit der Überlegenheit des alten Meisters abgefunden hatte und zwei höchst intensive Auseinandersetzungen um den zweiten Platz inszenierte. Das Salz in der Suppe waren dabei drei jugendliche Angreifer von den Britischen Inseln: die beiden Wildcardfahrer aus dem ansonsten in der britischen Superbike-Meisterschaft aktiven HMPlant-Honda-Team, Cal Crutchlow und Leon Haslam, sowie Supersport-600-Vizeweltmeister Jonathan Rea, der innerhalb seines Ten-Kate-Honda-Team als Vorgriff auf die Saison 2009 im Austausch mit Kenan Sofuoglu auf das Superbike gesetzt wurde.

Ohne jeglichen Respekt vor großen Namen randalierte die Brit-Pop-Boygroup heftigst durch das Superbike-Establishment. Dass es am Ende doch nur für den vierten Rang im ersten Rennen für Rea und immerhin Platz drei im zweiten Rennen für Haslam gereicht hat, lag zum Teil am ungestümen Temperament, das den einen oder anderen von ihnen mitunter weit von der Ideallinie abbrachte.

So konnten im ersten Rennen die Routiniers Carlos Checa auf Ten-Kate-Honda und Troy Corser bei seinem letzten Yamaha-Auftritt den Großmeister Bayliss auf dem Siegerpodest eskortieren, während im zweiten Rennen Michel Fabrizio den Doppelsieg des Ducati-Werksteams komplett machte.

Der deutsche Superbike-Held Max Neukirchner erlebte nach einem schwierigen Wochenende mit völlig verpatztem Qualifikationstraining im Regen und daraus resultierend Startplatz 15 ein eher zwiespältiges Saisonende. Nach einem überflüssigen Sturz im ersten Rennen konnte der Suzuki-Werksfahrer in Lauf zwei immerhin als Vierter durchs Ziel fahren – wobei ihn in der vorletzten Runde Leon Haslam noch von Podestrang drei verdrängt hatte. Und genau durch diese Aktion verlor Neukirchner Platz vier in der WM-Schlusstabelle ausgerechnet an seinen Erzrivalen Carlos Checa, der nach Rang zwei in Rennen eins und als Siebter des zweiten Rennens eigentlich keine Gefahr mehr für ihn gewesen war.

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