Superbike-WM in Misano/I (Archivversion) Der Ruben rollt

In Misano gab BMW den ersten ihrer zwei Superbike-WM-Piloten für das Premierenjahr 2009 bekannt. Und der Spanier Ruben Xaus rechtfertigte seine Verpflichtung mit einem Sieg im zweiten Rennen, noch auf Ducati. Auch der Sieger des ersten Laufs steht ganz oben auf der BMW-Liste: Max Neukirchner bleibt jedoch – zumindest 2009 – bei Suzuki.

Selbstverständlich wäre Max Neukirchner der logische Kandidat für uns“, hatte BMW-Entwicklungschef Peter Müller erklärt und gleichzeitig abgewiegelt, „aber er hat für 2009 einen Suzuki-Vertrag, und wir treiben nicht mit irgendwelchen Ablösesummen Fahrergagen in die Höhe.“ Dennoch dürfte der Schwabe in bayerischen Diensten, beim Superbike-WM-Wochenende im italienischen Misano erstmals nicht als Privatperson, sondern im offiziellen BMW-Teamhemd, im Laufe des ersten Rennens etwas nachdenklicher geworden sein.

Denn wie die knapp 50000 Fans erlebte auch Müller vor allem in der zweiten Hälfte der 24 Rennrunden einen unwiderstehlichen Max Neukirchner. Vom zehnten Startplatz – wegen scheinbar unlösbarer Fahrwerksprobleme – kämpfte sich der Sachsenpfeil an die Spitze, übernahm zur Rennhalbzeit den dritten Platz von WM-Tabellenführer Troy Bayliss, bevor er in Runde 17 und 18 dessen Noch-Ducati-Markenkollegen Ruben Xaus und anschließend Spitzenreiter Troy Corser auf Yamaha knackte und sich in den letzten sieben Runden souverän in Richtung Sieg verabschiedete. „Ich habe selber vorher nicht an meine Siegchance geglaubt“, wunderte sich der erfolgreiche Kämpfer, „aber gegen Ende hatte ich mit meinem gegenüber den Gegnern härteren Vorderradreifen ein klaren Vorteil.“

Für das zweite Rennen allerdings hatte die Konkurrenz von Sieger Max gelernt. Alle Spitzenfahrer starteten auf dem gleichen Vorderreifentyp, nur Max hatte plötzlich ein Problem hinten. „Von Beginn an drehte das Hinterrad meiner Suzuki durch und nahm mir die Chance, ganz vorn mitzuhalten“, so Neukirchner, „erst als die anderen auch mehr rutschten, konnte ich wieder angreifen. Doch das war zu spät.“ So blieb für Max nur Rang sieben. Dennoch konnte er in der WM an Honda-Fahrer Carlos Checa, in Misano Fünfter und Achter, auf Tabellenrang zwei vorbeiziehen.

Darüber hat sich Peter Müller als deutscher Rennsport-Fan sicher auch gefreut. Als BMW-Mann jedoch war er noch mehr von seinem künftigen Mitarbeiter Ruben Xaus beeindruckt, der seine Neuverpflichtung mal eben mit einem überzeugenden Sieg vor seinem Teamkollegen und Geburtstagskind Max Biaggi sowie WM-Leader Bayliss feierte. Umso größer war natürlich Müllers Stolz über die Verpflichtung von Xaus: „Ruben hat ein Team gesucht, das ihm volle Unterstützung bieten kann. Er hat viel Kampfgeist, mit dem er unser ganzes Team mitreißen soll. Und Spanien ist für BMW der drittgrößte Markt im Bereich Motorrad.“

Die Münchner wollen sich 2009 im Straßensport voll auf die Superbike-WM konzentrieren. „Wir werden in Rosenheim bei Alpha Racing alle Werks-Rennsport-Aktivitäten bündeln. Dabei meine ich neben der Superbike-WM auch das Enduro-WM-Team. Für 2010 planen wir bereits das eine oder andere Satellitenteam in der Superbike-WM, auch die Superstock-Serie wäre interessant. Wir wollen ähnlich breit gefächert auftreten wie Ducati. Es gibt schon Anfragen von bestehenden Teams.“ Bis zu sechs Superstock-Teams aus Italien, Schweden und Deutschland sollen bereits angeklopft haben.

Für finanzkräftige Partner zeigt sich das bayerische Werksteam ebenfalls offen. „Auch wir können unser Budget nicht mit vollen Händen ausgeben. Es könnte sein, dass ein bestehender BMW-Partner aus der Formel 1 im Motorradrennsport einsteigt. Ich denke dabei zum Beispiel an die Ölmarken.“ Wie Formel-1-Partner Petronas: Nach dem eigenen, gescheiterten Dreizylinder-Projekt mit dem Foggy-Team zwischen 2003 und 2006 hätten die Asiaten in der Superbike-Welt einiges gutzumachen.

Als Saisonziel für das Super-bike-WM-Premierenjahr nennt Peter Müller einen Top-Ten-Platz in der Fahrer-WM-Abschlusstabelle – und für 2010 eventuell einen BMW-Fahrer Max Neukirchner, der am Ende gar mit der Startnummer eins des Weltmeisters glänzen könnte.

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