Superbike-WM: So steht’s um Max Neukirchner (Archivversion) Harter Weg nach Brünn

Rund einen Monat nach dem Horror-Crash von Monza stehen die Zeichen beim deutschen Superbike-Helden Max Neukirchner auf schnelles Comeback. Der Sachse arbeitet mit seinem vertrauten Ärzte- und Therapeuten-Team mit Hochdruck an der Wiedergewinnung seiner Fitness.

"Das alles ist schon sehr anstrengend", seufzt Max Neukirchner während eines kurzen Abstechers vom ATR-Rehazentrum in Chemnitz ins nur wenige Kilometer entfernte heimatliche Stollberg, "meine Genesung nach dem Sturz in Monza Mitte Mai macht zwar gute Fortschritte. Aber es ist vor allem sehr harte Arbeit."

Tatsächlich ist die Wiedererlangung der Rennfahrtauglichkeit nach dem völlig unverschuldeteten Sturz ein Vollzeitjob – beim Superbike-WM-Rennen in Monza Mitte Mai war Max in der Startkurve vom Motorrad des gestürzten Australiers Brendan Roberts aus der Führungsposition gekegelt worden. Etwa anderthalb Stunden nimmt die therapeutische Arbeit mit dem sehr stark verletzten rechten Bein in Anspruch, vor allem dem noch nicht wieder völlig zusammengewachsenen zweifach gebrochenen Wadenbein. Dazu kommt jeweils ungefähr die gleiche Zeit für die Erhaltung der Grundkondition sowie Krafttraining des von Sturzfolgen verschonten Oberkörpers.

Speziell die Konditionsarbeit fasziniert und langweilt den Sachsenpfeil zugleich. "Weil ich ja mit dem verletzten Bein kein Konditionstraining mit Fahrradergometern absolvieren kann, arbeite ich mit einer Handkurbelmaschine, die einem Grinder auf Americas-Cup-Segelyachten nicht unähnlich ist", erläutert Neukirchner, "wenn du da aber eine gute Stunde davorstehst und auf das Ding einkurbelst, geht ohne einen iPod mit guter Musik überhaupt nichts." Und gerade weil die Konditionsbolzerei ebenso wie das Krafttraining große Erfolge zeigen, muss der gute Max, was die eigentlichen Verletzungen angeht, auch gegen seine eigene Ungeduld ankämpfen. "Manchmal arbeite ich, weil ich ja sonst nichts tun kann, eine Extraschicht an den Trainingsgeräten für den Oberkörper. Da habe ich zurzeit Werte, so gut wie noch nie", erzählt er augenzwinkernd, "am Ende muss ich, bevor ich wieder aufs Motorrad kann, erst nach Italien zu meinem Leder-kombihersteller Spidi, weil der Anzug obenrum zu eng geworden ist."

Für die Beschleunigung der Gesundung des rechten Beins kann Max Neukirchner allerdings noch wenig selber tun. "Nur am gebrochenen Oberschenkel ist erstes vorsichtiges Aufbautraining schon möglich", schildert er den derzeitigen Stand, "Unterschenkel und Fuß können wir im Moment lediglich durch Maschinen und ohne Last bewegen und damit die Blutzirkulation verbessern. An die Wiedergewinnung der Muskelmasse ist frühestens zu denken, wenn Anfang Juli der Gips wegkommt und der doppelte Wadenbeinbruch wieder gut zusammengewachsen ist."
Ist angesichts dessen überhaupt die Einhaltung des ursprünglichen Wunschzeitplans realistisch, also der Start im tschechischen Brünn vom 24. bis 26. Juli – durch die Nähe zu Sachsen das eigentliche Heimrennen für Max Neukirchner und vor allem für seinen Fanclub –, am besten noch vorbereitet durch Testfahrten im italienischen Imola am 14. bis 16. Juli? "Ein Start in Brünn ist mein klares Ziel", so Max entschlossen, "was die Imola-Tests angeht, sagt mein Arzt Dr. Kupfer momentan noch klar nein, doch es wäre schon von Vorteil, wenn meine ersten Meter zurück auf dem Rennmotorrad nicht gleich in ein offizielles Training führten. Dennoch werde ich zwar mit Vollgas an meiner Genesung weiter arbeiten, aber nichts überstürzen."

Klare Signale in diese Richtung bekommt er übrigens auch aus seinem Alstare-Suzuki-Werksteam. "Max soll sich auf jeden Fall völlig auskurieren, bevor er wieder, dann jedoch mit voller Kraft antreten kann", lässt Teamchef Francis C. Batta verlauten, "er ist unsere Nummer eins. Und das bleibt auch so." Umso beeindruckender ist Battas Ruhe, weil inzwischen sein zweiter Stammfahrer Yukio Kagayama nach einem Sturz beim WM-Rennen im Miller Motorsports Park in den USA ebenfalls das rechte Bein in Gips trägt. "Yukios Verletzung ist wesentlich harmloser. Er wird bereits beim nächsten Rennen in Misano vom 19. bis 21. Juni wieder antreten können", ist der Belgier sicher.
Zu diesem Termin wird auch Max Neukirchner anwesend sein: "Obwohl ich noch nicht fahren kann, brauche ich dringend den Kontakt zum Team, vor allem, weil in Misano einige wichtige Suzuki-Techniker aus Japan sein werden, mit denen es über entscheidende technische Neuerungen zu sprechen gilt, die sie inzwischen geliefert haben."

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