Superbike-WM: Yamaha- und Aprilia-Tests (Archivversion) Keine Atempause

Um möglichst wenig Zeit zu verlieren, schickten das Yamaha-Team und Wiedereinsteiger Aprilia ihre Superbike-Renner Jahrgang 2009 unmittelbar nach dem WM-Finale in Portimão/Portugal auf die Piste und eröffneten bereits mit den neuen Fahrern die nächste Saison.

Es sah schon fast nach gelungenem Tarnmanöver aus. Während kaum 20 Meter entfernt in der Ducati-Box um Promi-Tester Michael Schumacher grande Casino herrschte, schickte Yamaha-Superbike-Teamchef „Majo“ Meregalli beinahe unbemerkt seinen neuen Fahrer Ben Spies auf die Piste von Portimão. Dabei verdiente der Untersatz des US-Superbike-Meisters durchaus genauere Betrachtung. Die Yamaha YZF-R1, Modelljahr 2009, glänzt in der Werks-Rennversion mit interessanten Detaillösungen, allem voran der Position des 24-Liter-Tanks unter dem Fahrersitz. Dies soll Vorteile bei der Gewichtsverteilung bringen und speziell gegen Rennende die Verschiebung des Schwerpunkts mit sich leerendem Tank stark reduzieren. Die Akrapovic-Auspuffanlage sorgt selbstverständlich in erster Linie für standesgemäße Leistung der Werks-R1. Ganz nebenbei präsentiert sich das slowenische Endrohr auch deutlich ansehnlicher als der unförmige, eigentlich R1-unwürdige Kasten der Serienmaschine.

Die in der Kurbelwellenkonstruktion der neuen R1 bereits angelegten Möglichkeiten nutzen die Yamaha-Rennsport-Techniker voll aus und schicken das 2009er-Superbike mit einem reinrassigen Big-Bang-Motor in den Kampf, also sehr kompakter Zündfolge der vier Zylinder innerhalb einer halben Kurbelwellenumdrehung. Aber nicht nur akustisch fielen Ben Spies und sein neues Gefährt auf. Mit einer Rundenzeit von 1.43,9 Minuten lag der Superbike-WM-Einsteiger lediglich zwei Zehntelsekunden hinter dem Rundenrekord, den Weltmeister und Ducati-Werksfahrer Troy Bayliss zwei Tage zuvor bei seiner Abschiedsvorstellung realisiert hatte.

Mit 1.44,1 Minuten nur unwesentlich langsamer war Max Biaggi auf der neuen Aprilia RSV4 Factory. In der Box der Italiener fiel vor allem auf, dass bei jeder Rückkehr der Rennmaschine sich gleich eine Handvoll Elektronik-Spezialisten auf Motorrad wie Fahrer stürzten. Offensichtlich liegt der Schwerpunkt der Aprilia-Testarbeit derzeit klar auf der Motorabstimmung. Auffälligstes Detail am neuen Aprilia-Superbike ist jedoch der Rahmen. Ganz in der Tradition des letzten Aprilia-Superbikes RSV mille SP der Jahre 2000 bis 2002 weist der aktuelle Renner variable Motorhalterungen auf. Und tatsächlich bewegte Max Biaggi in Portimão zwei Maschinen mit deutlich unterschiedlicher Einbauhöhe des ersten V4-Triebwerks der Marke.

Die Test-Bestzeit aus Portugal kam schließlich nicht von Yamaha und Aprilia, sondern vom britischen Superbike-Meister und Biaggi-Nachfolger im Sterilgarda-Ducati-Semi-Werksteam, Shakey Byrne, mit 1.43,6 Minuten.

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