Superbike-WM (Archivversion) Max und Moritz

Mit Max Neukirchner gehört erstmals seit fünf Jahren wieder ein Deutscher zum Stammpersonal der Superbike-WM. Im österreichischen Klaffi-Honda-Team will der junge Sachse zusammen mit seinem prominenten Teamkollegen Frankie Chili die WM-Szene kräftig aufmischen.

Und wehe, wenn ich auf das Ende sehe.« Wilhelm Busch gibt schon ziemlich zu Beginn seines Max-und-
Moritz-Märchens eine böse Ahnung auf
den unseligen Ausgang der Abenteuer der
beiden Spitzbuben. In der Superbike-WM
ist Ähnliches derzeit keinesfalls in Sicht.
Weder für Max und »Frankie-Moritz« auf
ihren edel silbern schimmernden Honda-CBR-1000-RR-Superbikes aus dem Stall des österreichischen Ex-Gespann-Weltmeisters Klaus Klaffenböck, noch für die Weltmeisterschaft selbst. Max Neukirchner empfahl sich auf einer Klaffi-Honda bereits im Vorjahr als Neunter der Supersport-WM und bester Neueinsteiger für höhere Aufgaben, während sich die Superbike-WM durch neues, massives Engagement zumindest dreier japanischer Großhersteller endgültig aus dem Jammertal der letzten beiden Jahre verabschieden sollte.
Nur eine Randnotiz ist dabei, dass Honda, Suzuki und Yamaha ihre Werkseinsätze mehr oder weniger durchsichtig verstecken wollen, um angesichts ihres Anti-Superbike-Beschlusses vor einigen Jahren ihr Gesicht zu wahren. So sind zum Beispiel auf den Honda Fireblade von Max Neukirchner und Pierfrancesco Chili ebenso wenig Hinweise auf die Honda Racing Corporation (HRC) zu finden wie auch auf den anderen Honda-Superbikes. Etwa den beiden Maschinen von Chris Vermeulen und Karl Muggeridge des mit neuem Zigaretten-Hauptsponsor Winston antretenden niederländischen Ten-Kate-Teams oder auf der Renegade-Koji-Honda von WM-Rückkehrer Ben Bostrom.
»Die komplette Abwicklung und die Un-
terstützung läuft über die Honda-Europa-Zentrale«, erklärt Klaus Klaffenböck, »dennoch erhalten alle drei Honda-Teams in der Superbike-WM den gleichen Support aus Japan.« Sowohl Altmeister und Publikumsliebling Chili als auch die beiden bereits mit jeweils einem WM-Titel in der kleine-
ren Supersport-Klasse geschmückten jungen Ten-Kate-Australier sowie »Big Ben« Bostrom sollen – auch ohne HRC-Sticker auf der Maschine – mit aller Kraft auf den WM-Titel losgehen.
Und Max? »Im Vorjahr hat Max
Neukirchner in der Supersport-WM einen gewaltigen Schritt vorwärts gemacht und war deshalb für uns der logische Mann für einen gemeinsamen Aufstieg in die Superbike-WM«, erläutert der Teamchef, »mit seiner sehr ruhigen, überlegten Arbeitsweise wird er sich im Superbike-WM-Feld ebenfalls recht schnell etablieren können. Nach unseren ersten drei Testtagen im spanischen Cartagena war Max schon bis auf ein paar Zehntel genauso schnell wie Chili, von dem wir uns Spitzenplätze erhoffen.«
Der 21-jährige Sachse war zunächst einmal beeindruckt vom Vortrieb des Superbikes. »Wir hatten in Cartagena zwar noch ausschließlich Standard-Triebwerke zur Verfügung. Aber selbst mit denen geht es ganz anders voran als mit der 600er-Supersport-Maschine. Als ich mich darauf eingestellt hatte, bin ich dann recht flott mit dem Motorrad klar gekommen.« Neukirchner konnte mit Sicherheit von seiner Erfahrung mit den Showa-Fahrwerkselementen profitieren, die den Ruf genießen, zwar ein ganz hervorragendes Potenzial
zu haben, vom Fahrer und den Technikern jedoch eine etwas andere Herangehensweise bei der Abstimmung zu fordern als alle anderen Produkte.
So war Showa-Neuling Chili nicht schlecht überrascht, als er nach einer kurzen Vergleichsfahrt mit Neukirchners Fireblade auf gut Italo-Englisch feststellen musste: »Ise better.« Nur gut, dass sich Frankie von Anfang an mit dem für das Klaffenböck-Team verantwortlichen Showa-Techniker Andreas Vogt bestens verstand und sehr schnell die Abstimmung seiner Maschine in den Griff bekam.
»Wir dürfen bei den ersten Rennen
in Qatar noch nicht allzu viel erwarten«, bremst Chili ein bisschen die Euphorie, »wir sind sehr spät dran, weil die Einigung zwischen Honda, Klaus Klaffenböck und mir erst am Nachmittag des 24. Dezember, quasi als Weihnachtsgeschenk, zustande gekommen ist. Doch im weiteren Verlauf der Saison geht es natürlich schon darum, ganz vorn mitzumischen.«
Und wen gilt es dabei hauptsächlich
zu schlagen? »Diese Liste ist viel länger
als noch 2004«, freut sich Evergreen Chili, »die beiden anderen Honda-Teams werden auch sehr stark sein, Troy Corser ist nach wie vor einer der Besten und hat mit der Suzuki ein echtes Werksmotorrad. Haga und seine Yamaha R1 sind ebenfalls sehr hoch einzuschätzen. Und bei aller Freude über die japanischen 1000er-Vierzylinder dürfen wir auf keinen Fall die Ducati-Werksfahrer Toseland und Laconi ver-
gessen. Schließlich sind sie die Titelvertei-
diger, und Ducati wird alles daran setzen,
ihren Vorsprung zu verteidigen.«
Ganz oben auf der Favoritenliste steht tatsächlich Troy Corser. Mit dem Alstare-Corona-Extra-Suzuki-Team hat er eine der besten Strukturen im Motorrad-Rennsport überhaupt hinter sich. Und Alstare-Boss Francis C. Batta sowie Corser haben mit der Superbike-WM noch eine Rechnung offen. Batta will sie endlich, auch und gerade gegen Ducati gewinnen, wenngleich er relativiert: »Es wird nicht so einfach sein, Ducati wegzufegen, wie es sich vielleicht einige Fans der japanischen Vierzylinder-Motorräder vorstellen. Dort arbeitet eine ganz hervorragende Mannschaft mit einem ebensolchen Motorrad und guten Fahrern. Trotzdem geht es in diesem Jahr für uns ganz klar um den Titel. Unsere Nachbarn aus den Niederlanden vom Ten-Kate-Team habe ich allerdings ebenfalls auf der Rechnung«, so der schwergewichtige Belgier respektvoll.
Corser selbst, der auf der Suzuki GSX-R 1000 schon mit einigen Testbestzeiten glänzen konnte und im Übrigen erstmals seit seinem australischen Superbike-Meister-Titel, gewonnen 1993 auf einer Honda RC 30, wieder auf einem Vierzylinder-Vier-
takt-Motorrad sitzt, hat eine ganz eigene Motivation. »1996 war ich der bis heute jüngste Superbike-Weltmeister«, erinnert sich der mittlerweile 33-jährige Veteran
mit einem Grinsen, »2005 könnte ich
auch ältester Superbike-Weltmeister aller Zeiten werden.«
Es könnte jedoch auch sein, dass der gute Troy am Ende der WM-Saison ganz ohne Rekord dasteht. Denn sein 22-jähriger Landsmann Chris Vermeulen ist mit seiner bärenstarken Ten-Kate-Honda bereits 2004 nur knapp am Titel vorbeigeschrammt und steht mit Winston als potentem neuen Sponsor mit Sicherheit nicht schwächer da als im Vorjahr. Und dann ist da ja noch Max.
Für wen auch immer es ein böses,
für wen ein gutes Ende geben wird – die Superbike-WM 2005 verspricht höchste Spannung. Zum deutschen Superbike-WM-Rennen, das am 11. September nach drei Jahren wieder auf den Eurospeedway Lausitz zurückkommt, wird es übrigens
einige exklusive Schmankerl für Sie als MOTORRAD-Leser geben, so viel können wir jetzt schon verraten. Konkreteres zu unserer Aktion zusammen mit den örtlichen Veranstaltern im nächsten Heft.
Die Termine: 26. Februar: Doha/Q; 3. April: Phillip Island/AUS; 24. April: Valencia/E;
8. Mai: Monza/I; 29. Mai: Silverstone/GB; 26. Juni: Misano/I; 17. Juli: Brünn/ CZ; 7. August: Brands Hatch/GB; 4. September: Assen/NL; 11. September: Eurospeedway Lausitz; 2. Oktober: Imola/I; 9. Oktober: Magny-Cours/F.

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