Supermoto-DM Freiburg (Archivversion) Rainmen

Erstklassige Strecke, volle Zuschauerränge – das Supermoto in Freiburg gilt als eines der besten. Doch auch Deutschlands Vorzeige-Drift-Meeting hat sein Schäfchen noch nicht im Trockenen – zumindest nicht an diesem Septembersonntag.

Es regnet, ach wo, es gießt wie aus Kübeln. Verdammt, das hat gerade diese Veranstaltung nicht verdient. Supermoto Freiburg nennt man sie und meint damit den Auftritt der Internationalen Deutschen Supermoto-Meisterschaft etwa 20 Kilometer südlich der Breisgau-Metropole, auf einer permanenten Supermoto-Strecke innerhalb des Flugplatzgeländes in Bremgarten, die dort der Freiburger Motorsport-Club eingerichtet hat. Bereits mit dem noblen Namen SuperMotoPark Breisgau signalisiert das Areal seine Sympathie für diese Disziplin. 1430 Meter lang, mit flüssigen Kurven auf Beton und dem mit beeindruckenden Sprüngen modellierten Offroad-Anteil steht die Piste hierzulande bei Fans und Fahrern hoch im Kurs.
Doch, wie gesagt, es schüttet im tiefen Süden der Republik. Den Geländeteil zu befahren – unmöglich. Was den Piloten einerseits Fangopackungen ersparte, andererseits den Kampf um die Positionen noch verschärfte. Zwar fühlt sich die Supermoto-Liga – sowohl was das Selbstverständnis als auch den Trainingsschwerpunkt angeht – mehrheitlich zum befestigten Terrain hingezogen, doch entzerrt das mit den breiten, nahezu profillosen Slickreifen äußerst diffizil zu fahrende Gelände in der Regel den aggressiven Kampf um Zehntelsekunden auf dem Asphalt.
Was zumindest Michael Herrmann im trockenen Training am Samstag bewies. Der 23-Jährige ließ an den Table tops mit Freestyle-tauglichen Whips seine Motocross-Vergangenheit aufblitzen und stellte seine KTM in der 450er- wie auch in der hubraumoffenen Klasse locker auf die Pole Position. Mit dem Twen aus Thüringen wächst ein viel versprechendes Talent in der hiesigen Supermoto-Szene heran. Zunächst von Arbeitgeber KTM eher unfreiwillig von der Motocross- in die Supermoto-Szene transferiert, fand sich der Youngster in Rekordzeit mit seiner neuen Aufgabe zurecht und kämpft in dieser
Saison bereits erbittert um die Meisterschafts-Führung in der 450er-Klasse. Auch wenn sich der Sympathieträger bewusst ist, dass im Supermoto die Uhren anders als im Stollenmetier ticken.
»Im Motocross kannst du mit Serienmaterial national ganz vorne mitfahren. Dort entscheiden Fahrtechnik und Kondition. Im Supermoto hast du ohne Team keine Chance«, weiß der Nummer-eins-
Pilot aus der Mannschaft der deutschen KTM-Niederlassung, dem vom Regensburger Motorrad-Händler Gunther Kronseder geleiteten, so genannten KRT-Team. Im Klartext: Allein der Aufwand an Reifen sprengt den finanziellen Rahmen von
Privatfahrern. Gut acht Satz Slicks oder Regenrennreifen werden an einem Rennwochenende heruntergeschmirgelt. Kosten pro Satz: 250 Euro. In Sachen Motor kommt die Crème der Drifter längst nicht mehr mit Standardmaterial über die Runden. So leistet Herrmanns 450er-Single
66 PS, die 570er-Version 78 PS an der Kupplung. Zum Vergleich: Serienmäßige Motocross-Aggregate, die Basis dieser Motoren, bringen es auf 54 PS (450 cm³) oder 58 PS (hubraumoffen). Intensives
Tuning mit überarbeitetem Zylinderkopf, Vergaser, Luftfilter, angepasstem Mapping der Zündung, Schaltautomat, Anti-Hopping-Kupplung und Schalldämpfer schlägt mit rund 4000 Euro pro Motor zu Buche. Eine für die Supermoto-Ansprüche umgemodelte Federung fordert obendrauf einen 1000-Euro-Nachschlag.
Ein Trost: In Sachen Sponsoring sind die meisten der Spitzenpiloten nicht schlecht gestellt. Neben KTM engagieren sich mit Aprilia, Husqvarna und Suzuki gleich drei Importeure in der Meisterschaft. Das verlieh dem Kampf um die Punkte bereits in den vier DM-Veranstaltungen vor dem Freiburger Regentanz einige Würze. Denn ausgerechnet Bernd Hiemer, als Vizeweltmeister des vergangenen Jahres das eigentliche Aushängeschild von KTM und designierter Titelanwärter, gelang der erwartete Durchmarsch auf heimischem Boden nicht. Zwei Siege in acht Läufen reichten in der hubraumoffenen Prestige-Klasse zwar für die DM-Führung, nicht aber für den erhofften vorzeitigen Titel. Beim
Finale am 14./15. Oktober auf der weltgrößten Motorradmesse, der Intermot in Köln, wird der Allgäuer wegen einer Überschneidung mit dem WM-Lauf im italienischen Latina nämlich gezwungenermaßen fehlen. Den Groll über den eventuell verlustig gehenden DM-Lorbeer kann er sich aber vielleicht selbst versüßen. Der 23-jährige Allgäuer führt derzeit die WM an und kann sich mit ein wenig Glück in Italien zum ersten deutschen Supermoto-Weltmeister krönen.
Was ihm Petr Vorlicek sicher gönnen würde. Der freundliche Tscheche legt
seit einigen Jahren seinen sportlichen Schwerpunkt auf die DM und könnte nach dem Vize-Titel in der vergangenen Saison nun endlich die Gunst der Stunde nutzen, um der schlagkräftigen Truppe um den routinierten Teamkollegen Dirk Spaniol und dem erst 17-jährigen Newcomer Jan Deitenbach zu einem Platz an der Sonne zu verhelfen. Übrigens: Beim Thema Tuning kann der 26-jährige Vorlicek nur zart
lächeln. Was zu tunen ist, packt der Selfmademan selbst an und darf auf seine
Resultate umso stolzer sein: Immerhin tritt der Prager in der hubraumoffenen Klasse ebenfalls mit seiner 450er-Maschine an.
Wie übrigens auch Jürgen Künzel. Nach fünf DM-Titeln holte sich der Schwabe im vergangenen Jahr sensationell die amerikanische Supermoto-Meisterschaft und konzentriert sich in dieser Saison wieder auf den Übersee-Einsatz. Allerdings mit weniger Glück. Derzeit liegt der Profi in den Staaten auf Rang fünf, freut sich wohl auch deshalb über manche Stippvisite in der DM – und über fünf von sechs möglichen Laufsiegen.
Während Husqvarna-Importeur Zupin nach frühen Jahren des Erfolgs mit Starfahrern wie Boris Chambon oder Thierry van den Bosch derzeit nach der Form
seines einzigen Vertragsfahrers Jochen
Jasinski sucht, nimmt das Engagement von Aprilia Deutschland erfolgsträchtige Konturen an. Nach einem Fehlstart mit dem von Motivationsproblemen geplagten Franzosen Fabrice Lecoanet gab Ersatzspieler Max Verderosa, 2004 immerhin
Vizeweltmeister, mit einem Sieg beim DM-Meeting in Harsewinkel einen gelungenen Einstand. So gelungen, dass das Team, in dessen Obhut auch der 18-jährige Bruder von Bernd Hiemer, Daniel, antritt, in der kommenden Saison möglicherweise sein Programm erweitert. Es wird erwogen, Teamchef und Ex-GP-Star Peter Öttl
neben der Regie in der DM auch die im WM-Aufgebot der Italiener zu übertragen.
Was aber nichts daran ändert, dass
es an jenem Septembertag südlich von Freiburg immer noch regnet. Und zwar so stark, dass die Veranstaltung nach je einem Lauf der beiden DM-Klassen abgebrochen werden muss. Das zauberte vor allem 450er-Titelaspirant Dani Müller ein breites Grinsen auf die Wangen. Nach Rang zehn von Michi Herrmann behielt der Schweizer Yamaha-Pilot Müller mit Platz fünf die
Tabellenführung – mit, wie er sagt, einem Motor, der noch nie eine Tuning-Werkstatt von innen gesehen hat.

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