Supermoto-DM in Großenhain (Archivversion) Flugtag

Manche Dinge im Leben – und die kennt jeder – sollten sich niemals ändern. Für Supermoto-Freaks gehört das Driftspektakel im sächsischen Großenhain zu diesen Fixpunkten. Ein Glück, dass es immer noch so taufrisch wirkt wie vor zehn Jahren.

Der Kreis der Menschenmenge zog sich immer enger um Christian Pfeiffer. Kein Zaun, keine Barriere trennte die Fans mehr vom frisch gebackenen Laufsieger der Stunt-WM (siehe Interview Seite 150). Selbst der Streckensprecher hatte sein Mikrofon nach der Siegerehrung längst beiseite gelegt, sodass nur der hämmernde Bass aus den Musikboxen die Stoppies, Wheelies und Donuts untermalten.
Irgendwie passte diese Abschluss-Session zu einem Tag, der für die Supermoto-Szene ein kleines Jubiläum markierte: zehn Jahre Supermoto in Großenhain. Keine Veranstaltung in Deutschland hat die kurze Tradition dieses Sports länger begleitet als das Kult-Rennen in Sachsen. Unvergessen das Zuschauerfiasko des ersten Jahres, bei dem mangels Einnahmen die Preisgelder der Fahrer halbiert werden mussten. Aber vom Aufstieg der Supermoto-Liga zu einer der publikumsstärksten Disziplinen partizipierten die Sachsen ebenfalls: Dieses Jahr waren es immerhin 8000 Fans, für die Christian – eben zur Feier des Tages – seine Show inszenierte.
Wobei der Allgäuer natürlich nicht
allein für gute Laune sorgte. Großenhain macht Spaß. Auch und vor allem den Cracks der beiden Supermoto-DM-Klassen, der hubraumoffenen sowie der 450er-Kategorie. Und einem ganz besonders: Jürgen Künzel. Den 29-jährigen deutschen Meister und gebürtigen Schwaben hat
es ins wenige Kilometer von Großenhain
entfernte Reinersdorf verschlagen, und
er wollte in vertrauter Umgebung endlich seinen großen persönlichen Ehrgeiz stillen. Vier Siege bei vier Starts war das erklärte Ziel des Chefs aller deutschen Supermoto-Ringe. Das sollte gelingen.
Selbst wenn’s in der hubraumoffenen Klasse ganz gehörig knapp wurde. Dauer-Rivale Bernd Hiemer rückte Herrn Künzel – wie üblich – dicht auf den Pelz, um am Schluss – auch wie üblich – mit ein paar Zentimeter Abstand als Zweiter durchs
Ziel zu donnern. Zwar ärgerlich für den
21-jährigen Youngster, erfreulich aber für die einheimischen Fans.
Die auch in Großenhain eine im
Respektabstand nachhechelnde, schrägbremsende Gefolgschaft bejubelten. Etwa den Belgier Jean-Marc Gaillard, der in der 450er-Klasse auffällig unauffällig seine private Honda regelmäßig hinter die mit viel Aufwand präparierten Werks-KTM schiebt. Oder den erst 20-jährigen bayerischen Newcomer Alex Blößl, der sich vom Teamkollegen Künzel sichtlich inspirieren lässt und in seiner ersten DM-Saison gleich zwei Laufsiege einsackte. Und die Kämpfe um den letzten Platz auf dem Treppchen, immer wieder ausgetragen von Routinier Dirk Spaniol, Husaberg-Mann Jochen
Jasinski oder Harald Ott, verleihen den
gemeinschaftlichen Auftritten stets Würze.
Deshalb stehen die Chancen gut, dass man in Großenhain auch in zehn Jahren noch den Flugplatz für ein Wochenende zweckentfremdet – obwohl Jürgen Künzel die Drifts und Christian Pfeiffer die Donuts dann wohl etwas schwerer fallen dürften.

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