Supermoto-IDM in St. Wendel (Archivversion) Dark & Ride

Eine Strecke mitten in der Stadt. Das Ganze inszeniert bei Nacht und illuminiert von Tausenden von Watt. Mit begeisterten Fahrern, echauffierten Fans.
Drei Tage und zwei Nächte. Oder ganz einfach: Supermoto in St. Wendel.

Fühlten wir Genugtuung, gar Rache? Oder war es bereits Mitgefühl mit
denen, die dieses Mal leiden mussten. Nein, ausnahmsweise nicht mit unseresgleichen. Es war Mitleid mit den Skatern, den BMXern, den Inlinern, den Joggern und den Nordic Walkern, die an diesen
Tagen im Mai ganz einfach gesagt bekamen: Jungs und Mädels, heute ist Schicht. Morgen auch. Und übermorgen ebenfalls. Eigentlich ganz schön hart. Und unüblich sowieso. Fast schon unvorstellbar. Einfach Schranke runter, Freizeitgelände zu, Parkplatz zu, Bundesstraße zu. Um dann zu sagen: Jetzt ist Rennen, Motorradrennen, direkt am Stadtrand, drei Tage und zwei Nächte lang.
Möglicherweise haben sie deshalb sogar was für den geistigen Horizont gebracht, diese Rennen. Nach dem Motto: Dem Mutigen gehört eben doch die Welt. Und wenn’s vielleicht nicht gleich die ganze Welt war, für die Eroberung des Saarlands hat er jedenfalls dicke gereicht, der Auftritt der Supermoto-Liga in St. Wendel.
Denn schließlich gehört auch bei den Querlenkern den Tapferen der Sieg. Jungs wie Vorzeigeprofi Jürgen Künzel, der in
der gerade mal zwei Veranstaltungen alten 450er-Meisterschaft zwei Mal allen die Harke zeigte, in der hubraumoffenen Klasse seine 640er-Werks-KTM allerdings mit herausgerecktem Pleuel schwungvoll in die Strohballen steckte. Oder der 21-jährige Bernd Hiemer, gewissermaßen der junge Künzel in Husqvarna-Blaugelb. Erster im ersten Lauf, Zweiter im zweiten und damit die Tabellenführung bei den Hubraumriesen. Manchmal gelingen Kopien besser als das Original.
Oder diese Kerle in der 450er-Klasse Erst ein paar Tage im Sport, und schon
Pokale einheimsen. Alex Blößl etwa. Der 20-jährige Bayer gast in seiner zweiten Saison an, als wollte er die KTM in jeder Kurve in die Ecke feuern, kennt weder Freund noch Feind. Doch der Junge bleibt sitzen. Nicht immer zwar, aber immerhin
so oft, dass er in der 450er-IDM hinter Boss Künzel und dem Belgier Jean-Marc Gaillard auf Platz drei glänzen darf.
Apropos glänzen. Powermoon nennen sich die 20, insgesamt 50000 Watt starken Leuchtballons. Eigentlich machten sie den Auftritt zum Highlight, fokussierten das Interesse der Medien und die Augen
der vielen tausend Fans am Freitag- und Samstagabend auf diese gleißend hell illuminierte Arena. Und wenn einer der Skater, BMXer oder Jogger unter ihnen war, er wird verstanden haben, warum seine Welt doch diesen Mutigen gehört – wenigstens für drei Tage und zwei Nächte.

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